# taz.de -- Bundesvorstand der AfD-Jugend: Helmut heißt nicht Helmut
       
       > Helmut Strauf ist jung, hat in der AfD Bayern aber mächtige Unterstützer.
       > Eigentlich kommt er aus dem Saarland – und verheimlicht seinen echten
       > Namen.
       
 (IMG) Bild: Vorne rechts: „Helmut“ Strauf, links neben ihm Daniel Halemba, rechts Franz Schmid. Bei der Gründung der Generation Deutschland am 29. November in Gießen
       
       Es ist spät geworden bei der Gründungsversammlung der neuen
       AfD-Jugendorganisation in Gießen, als Helmut Strauf endlich auf die Bühne
       darf. Kaum jemand kennt den VWL-Studenten, der nach eigenen Angaben „schon
       immer Patriot“ war, aber erst Anfang 2025 der AfD beitrat. Dennoch
       kandidiert er an diesem Novemberabend für den letzten verbliebenen Sitz im
       Bundesvorstand der Generation Deutschland (GD). Der damals 20-Jährige wirkt
       entsprechend nervös – trotz der lautstarken Unterstützung durch Delegierte
       seines Landesverbands Bayern. Dass er zu ihnen gehört, zeigt er deutlich:
       Neben dem obligatorischen Seitenscheitel trägt Strauf eine Trachtenjacke,
       was einige Zuschauer des Youtube-Livestreams lächerlich finden.
       „CSU-V-Mann“, spottet einer im Chat.
       
       Teile seiner Rede, in der Strauf über angebliche „2.000 Jahre deutscher
       Geschichte“ fabuliert, [1][gehen später online viral]. Deutschland habe
       sich von Linken „moralisch erpressen lassen, ein zum Scheitern verurteilter
       Vielvölkerstaat zu werden“, wettert er außerdem. Seine Lösung:
       „millionenfache Remigration“ und „abschieben, abschieben, abschieben“.
       
       Bei der Kampfabstimmung tritt Strauf gegen den wesentlich erfahreneren
       Landtagsabgeordneten Florian Köhler an. Auch Köhler stammt aus Bayern, fiel
       bei seinen Parteikollegen aber in Ungnade, weil er sich gegen die Aufnahme
       früherer NPD-Mitglieder in seinem Bezirksverband sperrte. Strauf gewinnt
       knapp. Seitdem gilt er als Nachwuchshoffnung der bayerischen AfD. Er
       kandidiert auch für den Bezirksausschuss Bogenhausen bei der bayerischen
       Kommunalwahl am 8. März.
       
       Was Helmut Strauf allerdings weder in Gießen noch in den folgenden Monaten
       erwähnt: Er ist eigentlich Saarländer, hat selbst Migrationshintergrund –
       und heißt überhaupt nicht Helmut.
       
       ## Mit Eisernem Kreuz zum Mottotag
       
       Nachdem Strauf auf wiederholte Anfragen nicht reagierte, ging die taz
       entsprechenden Leserhinweisen nach. Demnach wurde er als Luca Maurice
       Strauf im Nordsaarland geboren, wo er 2023 Abitur machte. Personen aus
       seinem Umfeld erinnern sich an ihn als „eher eigenbrötlerischen“ Schüler,
       der damals schon einen „Hang zu Militarismus“ zeigte: Laut dem Steckbrief
       in seiner Abizeitung tauchte er bei einem Mottotag in der Schule mit Anzug
       und Eisernem Kreuz auf und hatte eine Vorliebe für Marschmusik. „Helmut“
       wird dort zwar als sein dritter Vorname genannt – das sei aber laut
       Bekannten nur ein Witz gewesen, „weil er eben wie ein Helmut aussieht“.
       
       Seine Provokationen schienen damals harmlos. „Rückblickend betrachtet
       hätten wir wohl aufmerksamer sein sollen“, sagt ein ehemaliger Mitschüler
       der taz. Strauf sei „kein dämlicher Mensch“ und war schon als Schüler
       politisch interessiert: Er habe sogar für seine eigene „Partei der
       Idealisten“ eine Website aufgesetzt. Diese sei aber inzwischen gelöscht –
       ebenso wie seine alten Social-Media-Profile.
       
       Sein aktueller Facebook-Account wurde dagegen erst kurz nach seiner Wahl in
       den Bundesvorstand der AfD-Jugend eingerichtet. Auf Instagram und X – wo er
       den Namen „L. M. Helmut Strauf“ angibt – meldete er sich nur wenig früher
       als „@strauf_muenchen“ an. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Strauf
       seine saarländischen Wurzeln verheimlichen will. Nur: Wieso?
       
       Keine der Personen, mit denen die taz sprach, hat darauf eine Antwort –
       oder kann sich erklären, wieso er bei der AfD mit falschem Vornamen
       auftritt. Er müsse doch wissen, dass die Wahrheit irgendwann als Licht
       komme und „sein gesamtes Kartenhaus einstürzt“, zumal sein Auftritt in
       Gießen in seinem alten Bekanntenkreis bereits die Runde gemacht habe.
       
       ## Radikalisierung in Burschenschaft
       
       Nicht nur dort herrscht blankes Entsetzen über Straufs völkische Parolen.
       Das Bündnis gegen rechts Wiesbaden hat gegen Strauf und zwei weitere Redner
       der Gründungsversammlung [2][Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet].
       Begründung: Mit „millionenfacher Remigration“, wie Strauf sie fordert,
       könnte „die gewaltsame Deportation von Millionen Menschen mit
       Migrationsgeschichte aus der Bundesrepublik Deutschland gemeint sein“.
       
       Davon wäre möglicherweise auch Straufs eigene Familie und sogar er selbst
       betroffen. Denn: Laut taz-Informationen stammt sein Großvater aus der
       Türkei. Bekannte nennen ihn „ein Paradebeispiel für gelungene Integration“.
       Dagegen behauptet [3][der Jungpolitiker auf X], dass Multikulti „sowieso
       nicht mit außer-europäischen Kulturkreisen“ funktioniere. Seine Herkunft
       scheint Strauf lieber verschweigen zu wollen: Entsprechende Kommentare
       sollen bei Instagram gelöscht worden sein. Seine Familie äußerte sich auf
       taz-Anfrage nicht.
       
       Wie konnte sich Strauf in kurzer Zeit so radikalisieren? Sein Umfeld gibt
       der Saarbrücker Burschenschaft Germania die Schuld, der sich Strauf 2023
       nach Beginn seines Studiums an der Saar-Uni angeschlossen habe –
       ursprünglich nur, weil sie ihren Mitgliedern billige Zimmer zur Verfügung
       stellt. Germania ist ebenso wie die Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in
       Saarbrücken eine pflichtschlagende Verbindung. Bei beiden gab es in der
       Vergangenheit auffällige personelle Überschneidungen zur AfD Saar und der
       inzwischen aufgelösten Jungen Alternative (JA): So ist der
       Ex-Landtagsabgeordnete Rudolf Müller „Alter Herr“ der Germania.
       
       Beide Studentenverbindungen waren lange im selben Dachverband organisiert,
       traten aus der skandalträchtigen Deutschen Burschenschaft (DB) aber schon
       vor Jahren aus. Vor allem Germania war in der Folge bemüht, sich öffentlich
       vom rechtsextremen Image der DB abzugrenzen. Dennoch belegen Fotos, dass –
       neben AfD-Funktionären aus dem gesamten Bundesgebiet – auch Saarbrücker
       Burschenschafter am „Burschentag“ der DB im Mai 2024 in Eisenach
       teilnahmen.
       
       Strauf ist dort in Germania-Farben zu sehen und in Begleitung zweier
       Ghibellinen: Nicolas Benyoucef war bis zu ihrer Auflösung Anfang 2025
       Vorsitzender der JA Saar und ist [4][laut Recherchen des Saarländischen
       Rundfunks tief im rechten Milieu verankert]. Leon P. ist im Umfeld der
       christlichen Rechten aktiv. Weitere Bilder zeigen P. und Strauf im
       September 2024 bei einer Demo radikaler Abtreibungsgegner in Köln.
       
       Kurze Zeit später taucht Strauf dann plötzlich in Bayern auf. Auf Fotos der
       Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (Firm) [5][posierte er am
       Volkstrauertag] (17. November 2024) in den Farben der Münchener
       Burschenschaft Cimbria mit anderen Burschenschaftern und AfD-Politikern.
       Von 2023 bis Mitte 2024 hielt Cimbria den Vorsitz der DB. Auffällig: Mit
       dem AfD-Politiker Sebastian Wolz stand zu dieser Zeit ein Saarländer an
       ihrer Spitze. Davor war der Betriebswirt Mitglied bei Fiducia Saarbrücken,
       der Schülerverbindung der Germania. Ob er bei Straufs Umzug von Saarbrücken
       nach München eine Rolle spielte, ist unklar: Weder Germania noch Cimbria
       antworteten auf taz-Anfragen.
       
       ## Vernetzt mit dem verurteilten Halemba
       
       Der wohl prominenteste Burschenschafter unter Straufs Unterstützern ist
       Daniel Halemba von der Teutonia Prag zu Würzburg. 2023 kam es zu einer
       Hausdurchsuchung im Verbindungshaus. Dabei stießen die Ermittler in
       Halembas Zimmer unter anderem auf einen USB-Stick mit Reden von Adolf
       Hitler und Joseph Goebbels. Kürzlich sprach ihn das Amtsgericht Würzburg
       aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der Volksverhetzung frei, verurteilte
       ihn aber [6][wegen Geldwäsche und Nötigung zu einer Geldstrafe in Höhe von
       30.400 Euro]. Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben Rechtsmittel
       eingelegt.
       
       2023 zog Halemba mit nur 22 Jahren in den Bayerischen Landtag ein, nachdem
       er sich erst knapp ein Jahr vorher mithilfe seiner burschenschaftlichen
       Kontakte in einem fremden AfD-Kreisverband überraschend als Kandidat hatte
       aufstellen lassen. Seine Gegenkandidatin [7][sprach später gegenüber
       T-Online] von einem „Putsch“. Auch Halemba war zu dem Zeitpunkt nahezu
       unbekannt. Sein schneller Aufstieg weist Parallelen zu Straufs Werdegang
       auf.
       
       Der Vorgang schlug parteiintern hohe Wellen. Juristische Schützenhilfe
       erhielt Halemba von dem Rechtsanwalt und heutigen Landtagsabgeordneten Rene
       Dierkes. Er ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbands München-Ost – zu dem
       auch Strauf gehört. Dierkes warb vor der Gründungsversammlung für Strauf:
       Dieser zeige „leidenschaftliches Engagement für unser Land und unsere
       Partei“, schwärmte er. „Genau diese Sorte junger, motivierter und
       gebildeter Patrioten soll die neue Jugendorganisation vertreten!“
       
       Dierkes ist erst der zweite Landtagsabgeordnete in Bayern, von dem bekannt
       ist, dass er [8][vom Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet wird],
       obwohl dafür hohe Hürden gelten. [9][Der erste war Franz Schmid] – der
       Strauf als Mentor öffentlich protegiert. Der Bayerische Rundfunk bezeichnet
       den 25-jährigen Kinderpfleger als „jungen Hardcore-Rechten“, der enge
       Kontakte zur Identitären Bewegung und dem rechtsextremen Vorfeld pflegt.
       
       ## Strauf macht Fulltime-Job für AfD-Jugend
       
       Schmid war Vorsitzender der JA Bayern und ab 2022 auch Teil des
       Bundesvorstands. Bei der Wahl in Gießen schickte er dagegen Strauf vor.
       Laut Firm, der Fachinformationsstelle für Rechtsextremismus, gleiche
       Straufs Engagement für die AfD derzeit einem „Fulltime-Job“, da er seit
       Wochen durchs halbe Land reise und die Gründung mehrerer GD-Landesverbände
       begleitete. Die Vermutung: Als politisch wenig vorbelasteter Neuling solle
       er „aufgebaut“ werden, zumal es der AfD in Bayern an geeignetem Nachwuchs
       mangele. Dass „Helmut“ gar nicht aus Bayern stammt, überrascht Firm.
       
       Mitte Dezember wurde unter Ausschluss der Medien der bayerische
       GD-Landesverband gegründet. Vorsitzender wurde Franz Schmid, Strauf erster
       Stellvertreter. Als Nächstes könnte der Student bei der bayerischen
       Kommunalwahl am 8. März über den Listenplatz 2 in den Bezirksausschuss
       München-Bogenhausen einziehen. Auf der AfD-Wahlliste für den Stadtrat
       München steht er zwar nur auf Listenplatz 15, aber da in Bayern nicht nur
       Listen, sondern auch Personen gewählt werden können, hat er dennoch
       Chancen.
       
       Sofern die Wähler ihn auf dem Stimmzettel finden. Laut taz-Informationen
       wurde sein Wahlvorschlag unter dem Namen „Luca Maurice Helmut Strauf“
       eingereicht. Die Stadt München will das nicht bestätigen: „Wir bitten um
       Verständnis, dass wir personenbezogene Daten aus den eingereichten
       Wahlvorschlägen nicht weitergeben dürfen“, erklärt die Verwaltung auf
       Nachfrage. Es käme jedoch häufiger vor, dass bei Kandidaten zunächst
       falsche Vornamen angegeben werden – beispielsweise, weil sie unter ihrem
       Spitznamen bekannter sind. Auf den Stimmzetteln sei aber nur der offizielle
       Name erlaubt, deshalb würden alle Einreichungen mit dem Melderegister
       abgeglichen und Rücksprache mit den Parteien gehalten, bevor die
       korrigierten Wahllisten veröffentlicht werden. So geschehen Anfang Februar.
       Auf Listenplatz 15 ist dort „Strauf Luca“ zu lesen.
       
       Luca Strauf hat sich gegenüber der taz nicht zu den Vorwürfen geäußert.
       
       Hinweis: In einer vorherigen Version haben wir Florian Köhler versehentlich
       als Frank Köhler bezeichnet. Wir haben das korrigiert, d. Red.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/ffeigling/status/1994819286934974902?s=46&t=4wGGwOQtpZGwKw1m4_6ijA
 (DIR) [2] https://www.giessener-anzeiger.de/politik/landespolitik/volksverhetzung-anzeige-gegen-afd-jugend-wegen-remigrations-forderung-94135198.html
 (DIR) [3] https://x.com/strauf_muenchen/status/1983258293532303588
 (DIR) [4] https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/chef_ja_saarland_benyoucef_rechtes_milieu_100.html
 (DIR) [5] https://www.feierwerk.de/firm/publikationen/extreme-rechte-instrumentalisiert-erneut-volkstrauertag
 (DIR) [6] /AfD-Politiker-Halemba-verurteilt-Es-waere-freundlich-wenn-Sie-den-Mund-halten/!6150532
 (DIR) [7] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_100279836/afd-und-daniel-halemba-der-putsch-der-burschen.html
 (DIR) [8] https://www.br.de/nachrichten/bayern/warum-der-verfassungsschutz-afd-abgeordneten-rene-dierkes-beobachtet,UlGIcpt
 (DIR) [9] https://www.br.de/nachrichten/bayern/verfassungsschutz-beobachtet-afd-abgeordneten-franz-schmid,UEwvTmB
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Aline Pabst
       
       ## TAGS
       
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