# taz.de -- Kommerz mit bei Olympia: NS-Propaganda als T-Shirt-Motiv
       
       > Das Internationale Olympische Komitee verkauft in seinem Onlineshop
       > T-Shirts. Einige davon zeigen das Plakat der Nazi-Spiele von 1936.
       
 (IMG) Bild: Auch ein kreativer Umgang mit dem 1936er-Plakat: Tag der offenen Tür im Olympischen Dorf von 1936 in Elstal, hier im Jahr 2005
       
       Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat für einen Skandal gesorgt,
       denn es verkauft in seinem [1][Onlineshop] T-Shirts mit den offiziellen
       Motiven der Olympischen Spiele von 1936 in Nazi-Deutschland. Sie gehören
       zur „Olympic Heritage“-Kollektion. Neben [2][Berlin 1936] und
       Garmisch-Partenkirchen im selben Jahr finden sich dort etwa Designs zu
       München 1972 oder Sydney 2000. Die Kollektion, so heißt es auf der Website,
       solle die Kunst und das Design der Olympischen Spiele feiern. Jede Ausgabe
       stehe für eine einzigartige Zeit, in der „die Welt zusammenkam, um die
       Menschheit zu feiern“.
       
       „Das ist in Bezug auf Olympia 1936 ein Hohn“, sagt die Sporthistorikerin
       Jutta Braun vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.
       Zu diesem Zeitpunkt rüstete das NS-Regime militärisch auf, politische
       Gegner wurden verfolgt, Antisemitismus und Rassismus prägten den Alltag.
       1936 begann der Bau des [3][Konzentrationslagers Sachsenhausen] nördlich
       von Berlin. „Eine Verharmlosung, die zeitgenössisch war, wird so in die
       Gegenwart verlängert“, sagt Braun.
       
       Auf Anfrage verweist das IOC darauf, seine „Olympic Heritage Collection“
       würdige 130 Jahre olympischer Kunst und Gestaltung. Man erkenne zwar die
       historischen Probleme im Zusammenhang mit der NS-Propaganda, doch man wolle
       die sportliche Bedeutung von 1936 würdigen. 4.483 Athleten aus 49 Ländern
       hatten teilgenommen – darunter der US-Sportler [4][Jesse Owens,] der mit
       vier Goldmedaillen zum Star der Spiele wurde.
       
       Eine vertiefte historische Einordnung finde sich im Olympischen Museum in
       Lausanne, sagt das IOC und argumentiert zudem mit dem Markenrecht: Die
       olympischen Bezeichnungen müssten genutzt werden, um ihren Schutz zu
       erhalten. Wenn das nicht geschehe, könnten Dritte die Marke und die mit ihr
       einhergehenden Symbole verwenden und vermarkten.
       
       Der Deutsche Olympische Sportbund erklärte auf Nachfrage, er lehne einen
       rein kommerziellen Umgang mit dieser historischen Episode ab. Die Spiele
       1936 seien „Teil der Propaganda der Nationalsozialisten und bis heute eng
       mit den Verbrechen dieser Zeit verbunden“.
       
       Die Spiele von 1936 gelten in der sporthistorischen Forschung als
       Propagandainstrument des Nationalsozialismus. Sie wurden 1931 noch an die
       Weimarer Republik vergeben und „fielen den Nazis quasi in den Schoß“, sagt
       Jutta Braun. Am Anfang habe man nicht viel damit anzufangen gewusst, doch
       nach der Machtergreifung hätten die Nazis schnell gemerkt, dass der
       internationale Sport eine wirkmächtige Bühne sei.
       
       ## Das propagandistische Erbe
       
       Entsprechend nutzte das Regime die Spiele zur internationalen
       Selbstdarstellung: Deutschland sollte modern, friedlich, diszipliniert
       erscheinen. Zwar verschwanden zeitweise Schilder wie „Juden unerwünscht“
       aus dem Berliner Stadtbild und unter anderem, um allzu offenen
       Antisemitismus zu vermeiden, wurde die Presse streng kontrolliert. Doch
       zugleich wurden Sinti und Roma in neu geschaffenes [5][Lager im Bezirk
       Marzahn] deportiert. Für Braun sind die Spiele „einer der bekanntesten
       Erinnerungsorte des Nationalsozialismus“.
       
       Die nun vom IOC vertriebenen T-Shirts reproduzieren die offiziellen
       Olympia-Plakate von 1936. Auf seiner Website stellt das IOC kurze
       Erläuterungen zu den jeweiligen Spielen, ihren Athlet:innen und zur
       Gestaltung der Plakate bereit. Franz Theodor Würbel, Urheber des Berliner
       Plakats, wird dort schlicht als „Künstler“ bezeichnet. Was fehlt, ist der
       politische Kontext: Würbel entwarf weitere Propagandaplakate für das
       NS-Regime, darunter das Motiv „Gesunde Eltern – Gesunde Kinder!“, das das
       „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ propagierte, das auf
       rassenhygienischer Ideologie beruhte und die [6][Zwangssterilisation] von
       rund 500.000 Menschen ermöglichte.
       
       „Der Umgang mit propagandistischem Erbe kann nur sehr sensibel erfolgen“,
       sagt die Sporthistorikerin Braun. NS-Propagandafilme dürften heute zum Teil
       nur unter Auflagen gezeigt werden. Das Olympia-Plakat selbst zeige zwar
       kein offen antisemitisches Motiv, „aber man sollte das nicht einfach
       reproduzieren“.
       
       Braun verweist zudem auf die Haltung des IOC in den 1930er Jahren. „Die
       Spiele 1936 sind nicht nur deshalb problematisch, weil sie in
       Nazi-Deutschland stattfanden, sondern weil sie zeigen, wie gewissenlos das
       IOC an dem Austragungsort festhielt“, sagt sie. 1939 beschloss das Komitee,
       die [7][Winterspiele 1940] erneut an Garmisch-Partenkirchen zu vergeben –
       trotz der Novemberpogrome 1938, trotz des Bruchs des Münchner Abkommens und
       trotz der Besetzung Prags durch deutsche Truppen.
       
       Eine ausdrückliche Distanzierung von dieser Phase habe es nie gegeben, sagt
       Braun. Im IOC gelte traditionell das Prinzip: „[8][The games must go on.“]
       Diesen Satz prägte später IOC-Präsident Avery Brundage. Der damalige
       Funktionär des amerikanischen Olympischen Komitees wurde 1936 nach
       Nazi-Deutschland geschickt, um nach dem Rechten zu sehen.
       
       Die USA als wichtigste Sportnation dachten damals über einen Boykott der
       Spiele in Deutschland nach. Dabei war Brundage selbst Befürworter dieser
       Spiele. Sporthistorikerin Braun sagt: „Anschließend kehrte er zurück in die
       USA und erklärte dem amerikanischen Sport, alles sei in bester Ordnung.“
       Die USA hätten sich daraufhin gegen einen Boykott entschieden und ein
       Signal zur Teilnahme an den Nazi-Spielen gegeben.
       
       12 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://shop2.olympics.com/de/olympic-games/mens-natural-1936-berlin-games-olympic-heritage-t-shirt/t-10259387+p-0222349001530+z-7-4279097087
 (DIR) [2] /Olympia-1936/!t5323598
 (DIR) [3] /Sachsenhausen/!t5011792
 (DIR) [4] /Jesse-Owens-als-Nazi-Spieleverderber/!1660699/
 (DIR) [5] /Das-fast-vergessene-Lager-in-Marzahn/!1673526/
 (DIR) [6] /Genugtuung-fuer-NS-Zwangssterilisierte/!1354972/
 (DIR) [7] /Olympische-Winterspiele-1936/!6138747
 (DIR) [8] /Muenchen-1972/!5878747
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Louise Ringel
       
       ## TAGS
       
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 (DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
       
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