# taz.de -- Disqualifikation eines Olympia-Sportlers: Hut ab
       
       > Der ukrainische Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewytsch wird
       > disqualifiziert, laut IOC nicht aus politischen Gründen. Es ist ein
       > moralischer Tiefpunkt der Spiele.
       
 (IMG) Bild: Olympischer Tiefpunkt: die Disqualifizierung von Wladislaw Heraskewytsch
       
       Tränen sind Kirsty Coventry, der Präsidentin des Internationalen
       Olympischen Komitees, über die Wangen gelaufen, als sie den [1][Rausschmiss
       von Wladislaw Heraskewytsch von den Olympischen Spielen] zu erklären
       versuchte. Echt jetzt? Der ukrainische Skeletonfahrer hatte sich partout
       nicht davon abbringen lassen, bei seinem olympischen Auftritt an die von
       Russen in deren Krieg gegen die Ukraine getöteten Sportler zu erinnern.
       
       20 Bilder von ukrainischen Athleten, die im Krieg ihr Leben gelassen haben,
       hatte er auf seinen Helm aufbringen lassen. Er wollte der Welt zeigen, was
       Russland mit seinem Krieg auch im Sport angerichtet hat. Das darf er nun
       nicht. Und die IOC-Präsidentin weint.
       
       Coventry sagt, sie könne Heraskewytschs Anliegen verstehen. Wirklich? Sie
       gibt ihm recht – und bestraft ihn doch. Dafür bemüht sie Regel 40 der
       IOC-Charta, nach der das „Field of Play“, das Spielfeld, frei von jeglichen
       kommerziellen oder persönlichen Botschaften bleiben muss. Das soll also der
       Grund sein, weshalb Heraskewytsch nicht um seine getöteten Sportkameraden
       trauern darf.
       
       Oder geht es vielmehr darum, den Eiskanal freizumachen für die [2][geplante
       Wiedereingliederung der zwischenzeitlich ausgeschlossenen Russen] in den
       Weltsport? Dort hört man die Botschaft vom Rausschmiss des Ukrainers gewiss
       gern. Den russischen Nachwuchsathleten hat das IOC bereits den roten
       Teppich ausgerollt. Gut möglich, dass der Ukrainer aus sportpolitischen
       Gründen seine Trauer nicht in den Wettkampf tragen darf.
       
       Meinungsfreiheit habe ihre Grenzen, meinte Mark Adams, der stets aalglatte
       IOC-Sprecher, neulich zum Fall Heraskewytsch, und bemühte ein Bild: „Sie
       können nicht in ein Einkaufszentrum gehen und ‚Feuer!‘ schreien.“ Wird das
       dem gerecht, was Heraskewytsch vorhatte? Wollte er nicht eher in einem
       brennenden Einkaufszentrum „Hilfe!“ schreien? Wer solche Hilfeschreie
       bestraft, hat jeden Maßstab für Menschlichkeit verloren.
       
       ## Ein moralischer Tiefpunkt
       
       Der Ausschluss des ukrainischen Skeletonis markiert den moralischen
       Tiefpunkt dieser Spiele von Mailand und Cortina – da kann die IOC-Chefin
       noch so viele Tränen vergießen und noch so schöne Worte der Anteilnahme von
       sich geben.
       
       Wladislaw Heraskewytsch dagegen ist mit seinem unbeugsamen Willen, am
       olympischen Eiskanal von Cortina d'Ampezzo an den verbrecherischen Krieg
       erinnern zu wollen, mit dem [3][Russland die Ukraine überzogen hat und der
       in diesem kalten Winter brutaler geführt wird] als je zuvor, schon jetzt,
       gut eine Woche vor dem Ende der Wettkämpfe, der Superstar dieser Spiele.
       Eine Medaille aus den Händen des IOC braucht er dafür nun wirklich nicht.
       
       12 Feb 2026
       
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