# taz.de -- Love Interests im Laufe des Lebens: Paddy Kelly und die Crushes danach
       
       > Während einige sich nach Sicherheit statt Gefühlschaos sehnen, liebt
       > unsere Autorin den Rausch des Verknalltseins. Eine Geschichte ihrer
       > Schwärmereien.
       
 (IMG) Bild: „Im Großen und Ganzen möchte ich der Paradiesvogel sein“
       
       Am Samstag ist ja [1][Valentinstag] und ich erwarte Rosenwetter. Obendrein
       freue ich mich über eine Schachtel handgemachte Pralinen aus einer kleinen,
       sündhaft teuren Manufaktur. Die letzten Pralinen habe ich von der Mutter
       meines Freundes gekriegt. Es waren Honigpralinen. Leider haben sie die
       weite Reise zu mir nicht überlebt. Das Leben ist halt wie eine
       Pralinenschachtel. Und wie im Leben weiß man auch bei Männern nie, was man
       kriegt. Aber Verliebtsein ist schon was Schönes. Wenn ich darüber
       nachdenke, ist es mein Lieblingsgefühl. Es kommt gleich hinter Wut. Bei
       beidem spürt man sich wenigstens richtig.
       
       Deshalb verstehe ich auch gar nicht, warum [2][Sarah Kuttner] Verliebtsein
       nicht leiden kann. Sie habe es lieber langweilig, erzählte sie neulich in
       einem Podcast. Sicherheit sei ihr wichtiger als [3][ein Kribbeln im Bauch].
       Ich aber bin ein Schmetterlingsjunkie und süchtig nach dem Boom. Wenn ich
       nachzähle, wie oft ich im Leben verliebt war, komme ich auf drei Mal so
       richtig. Den Rest über war ich verknallt, verballert und verschallert. Aber
       das ist ja auch ganz okay.
       
       Mein erster Flattermann war Paddy Kelly. Ihr erinnert euch sicher noch an
       den knuffigen Barden aus der Großfamilie. Warum ich gerade den so toll
       fand, kann ich mir nur damit erklären, dass ich ihn als meinen
       Seelenverwandten betrachtete, weil auch er mit vielen Geschwistern
       klarkommen musste. Wenngleich wir mit unserem Geschrei keine Millionen
       verdient haben. Ansonsten sitzen Paddy und ich im selben Boot.
       
       ## Schwärmen für Langhaartypen aus sicherer Entfernung
       
       Nach ihm folgten noch ein paar weitere Langhaar-Typen, die sich aber
       vorzugsweise in einem Historienschinken aufhielten und entweder wahnsinnig
       litten oder für die Armen und Entrechteten kämpften. Ich hatte halt schon
       in jungen Jahren mein Herz auf dem linken Fleck. Hervorgehoben werden muss
       bei diesen frühen Schwärmereien allerdings die räumliche Distanz. Denn als
       sich einmal ein Schulkollege in mich verknallte und mir einen
       personalisierten Diddl-Becher darbot, fing ich an zu weinen. Hätte er mal
       Schokolade mitgebracht.
       
       Ein echtes Verliebtheitsgefühl entwickele ich aber anscheinend nur für
       Männer, die große, auffällige Kopfbekleidungen tragen. Numero uno lernte
       ich mit 15 bei einer Party im Nachbardorf kennen. Wir hatten uns gerade
       eine große Menge Berentzen saurer Apfel einverleibt, da tauchte plötzlich
       ein Junge mit einem riesigen Guinness-Hut auf. Der Hut hatte die Form eines
       Zylinders und verlieh ihm das Aussehen eines Plüschkobolds. Und genauso
       benahm er sich auch.
       
       Mein nächster Crush kam als wunderschöner, weiß gefiederter Vogel daher.
       Ich stand gerade hart verkatert hinter dem Büchertisch eines Stadttheaters,
       da sprach mich der Vogel an. Kurze Zeit später zwitscherten wir Richtung
       Sonnenuntergang.
       
       Zuletzt ging mir kein Vogel, sondern ein Mann mit Fake-Fur-Mütze ins Netz.
       Er kam rein ins Café und da war schon alles klar. Im Verlauf einer
       Beziehung bin ich aus vogelkundlicher Sicht dann aber doch eher progressiv
       eingestellt. Ich mag zwar Flattergetier, aber im Großen und Ganzen möchte
       ich der Paradiesvogel sein. Wenn du also gerne Nagellack oder einen
       einzelnen baumelnden Ohrring trägst, magst du damit zwar wahnsinnig schön
       aussehen, passt aber leider nicht in mein Beuteschema. Mach dir nichts
       draus.
       
       Mein jetziger Freund hat mir bei unserem ersten Date übrigens ein Glas
       Honig geschenkt. War ja klar, dass ich kleben geblieben bin.
       
       12 Feb 2026
       
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