# taz.de -- Urlaub in Ostfriesland: Streifzüge durch den Schnee
       
       > Ein romantischer Aufenthalt im Schnee lässt unsere Kolumnistin
       > entspannen. Doch nicht immer lässt sich die Zweisamkeit genießen.
       
 (IMG) Bild: „Ich nerve ihn mit meiner schlechten Laune, die pünktlich mit der Periode einsetzt“
       
       Mein Freund und ich sind mal wieder urlaubsreif. Wir wollen aber nicht mit
       dem Gravelbike durch Slowenien cruisen oder zum Bungee-Jumping nach Dubai.
       Wir sehnen uns nach Reizarmut, Stille, Nichts. Und wo findet man das? Na
       dort, wo es platt ist. In Ostfriesland.
       
       Ein wenig ausgefallen mögen wir es aber trotzdem, und so mieten wir uns in
       einer Burg mit schiefem Fußboden ein. Für Stadtneurotiker im
       Nostalgiefieber ist es die perfekte Wahl. Unser Apartment hat einen Ofen,
       beim Blick aus dem Fenster blickt man auf eine imposante Blutbuche. Auf
       unserem Streifzug durch den verwunschenen Wald klettern wir über
       Wassergräben und schlängeln uns durch Gestrüpp.
       
       Einmal finden wir Feuerholz und nehmen es mit. Wenn es im Ofen knistert,
       lese ich „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“ von Ottessa Moshfegh und
       prahle damit, wie viele Seiten ich vorangekommen bin.
       
       A. lässt das unbeeindruckt. Er chillt, meist alle viere von sich gestreckt,
       im Schlafasana. Unsere Einkäufe erledigen wir in einem kleinen Laden um die
       Ecke. Dort steht A. dann jedes Mal ganz in sich versunken und sucht in
       Zeitlupe den schönsten Apfel aus. Ich muss zugeben, dass er mich damit
       schon ein bisschen wahnsinnig macht.
       
       ## Schnee ohne Ende
       
       Dafür nerve ich ihn mit meiner schlechten Laune, die pünktlich zur Periode
       einsetzt. Plötzlich schneit es wie verrückt. Eines Morgens – okay, es ist
       14 Uhr – öffne ich die Gardinen und blicke in ein: „WTF!!!“ A. und ich
       zücken sofort unsere Smartphones und knipsen los. Mit Biedermeier-Lampe im
       Bildausschnitt oder ohne, rangezoomt an die weiße Pracht und wieder raus.
       Schnee unter unseren Füßen, Schnee im Mund. Schneee … Wir benehmen uns wie
       Junkies, die endlich an ihren Stoff gekommen sind.
       
       Doch Schnee ist nicht nur Happy Peppy, Schnee ist auch Busausfall. Tag für
       Tag stehen wir an der Haltestelle, aber nichts fährt. Es dauert nicht
       lange, da fühlen wir uns wie in „Groundhog Day“, wo ein griesgrämiger
       Fernsehreporter im Schneetreiben festsitzt und immer wieder denselben Tag
       erlebt.
       
       „Nur, wer von uns beiden ist Bill Murray?“, frage ich, als wir mal wieder
       ohne viel Hoffnung zur „Busse“ stapfen. „Du natürlich“, sagt A. und ich
       rülpse provozierend in seine Richtung. Dann knuffen wir uns wie zwei
       Teenager auf Testo gegenseitig in die Schulter. „Du hast angefangen!“ –
       „Nein, du!“ Kurzum: Wir werden hier langsam etwas wunderlich, aber in der
       Nachbarschaft lebt ja auch eine Frau, die den Wald dekoriert, als wäre er
       ihr Wohnzimmer.
       
       An einem Stamm hängt eine Girlande aus selbst gesammelten Beeren, am
       Waldeingang entdecken wir ihr winziges Herz. Außerdem lernen wir einen
       leidenschaftlichen Sammler von Zippo-Feuerzeugen kennen. Zu Hause in seiner
       Vitrine liegen mehr als Tausend Stück. Ich weiß nicht, ob es an meiner
       Begegnung mit dem Zippo-Mann liegt, aber mit einem Mal kommt mir die
       zündende Idee. Wie war das noch mal mit unserem 90-Jahre-Filmheld?
       
       ## Gebrochener Zauber
       
       Der musste doch bloß ein bisschen an seiner Persönlichkeit rumschrauben,
       und schon war er frei. „Heute entscheide ich mich für die gute Laune“, sage
       ich und drücke A. einen Versöhnungsknutscher auf den Mund. „War
       irgendwas?“, fragt A, wie immer tiefenentspannt. Doch der Zauber ist
       gebrochen, die Schienen sind frei. Nur dauert es nicht lange, da stecken
       wir in Hannover fest. Und ich traue es mich ja kaum zu sagen, aber auch
       dieses Mal lag es nicht an höherer Gewalt oder daran, dass die Bahn kaputt
       gespart wurde. Der Grund für den Stillstand ist, dass ich schon wieder
       wütend geworden bin.
       
       19 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Fastabend
       
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