# taz.de -- Digitalisierung im Gesundheitswesen: „Elektronische Patientenakte als zentrales Handlungsinstrument“
> CDU-Gesundheitsministerin Nina Warken will Pflege und Gesundheit
> digitalisieren. Dafür sollen Millionen Menschen die elektronische
> Patientenakte auch nutzen.
(IMG) Bild: Möchte „Tempo machen“: Warken bei der Vorstellunf der Digitalisierungsstragie
Aus der Coronapandemie zog der ehemalige Gesundheitsminister Karl
Lauterbach folgende Erkenntnis: Die Digitalisierung bietet im
Gesundheitssektor „erlebbare Mehrwerte“. Videosprechstunden, digitalisierte
Pflegeberatung, Impfzertifikate abrufbar auf dem eigenen Smartphone. All
diese Maßnahmen hatten dazu beigetragen, den Pandemiealltag besser
bewältigen zu können, darauf ließe sich doch aufbauen. Im März 2023
präsentierte Lauterbach eine „Digitalisierungsstrategie für das
Gesundheitswesen und die Pflege“. Knapp drei Jahre später lädt seine
Nachfolgerin, Nina Warken (CDU), zur Pressekonferenz: Man habe die
Digitalisierungsstrategie weiterentwickelt, verkündet sie.
Eine große Rolle in diesen Neuerungen spielt die [1][elektronische
Patientenakte (ePA),] sie solle weiterhin als „zentrales
Handlungsinstrument“ fungieren, so Warken. Rund 4 Millionen Versicherte
nutzen die ePA bereits, bis zum Jahr 2030 soll diese Zahl allerdings auf 20
Millionen ansteigen. Um dieses Ziel erreichen zu können, braucht es
allerdings weitere Angebote, die die Nutzung für Konsument*innen
attraktiver gestalten, stellt die Gesundheitsministerin klar. In Zukunft
soll die ePA deshalb über ihre eigentliche Funktion als digitaler Datensatz
hinaus weiterentwickelt werden.
Geplant sind Anwendungen wie elektronische Überweisungen, eine digitale
Terminvermittlung sowie eine digitale Ersteinschätzung. Letzteres könne man
sich grob wie einen Onlinefragebogen vorstellen, der nach dem Ausfüllen
beispielsweise den Besuch bei einer Hausärzt*in empfiehlt, erklärt
Warken. Auch eine Benachrichtigungsfunktion für Termine sei geplant. All
diese zusätzlichen Funktionen dürften selbstverständlich nicht dazu führen,
dass die Akte unübersichtlich werde, sagt Warken. Auch deshalb sei eine
Kurzpatientenakte geplant, die beispielsweise die Arbeit des
Rettungsdienstes erleichtern soll.
Um die Möglichkeiten der Digitalisierung auch in der Forschung
vollumfassend ausschöpfen zu können, „setzt die weiterentwickelte Strategie
auf eine systematische Nutzung von Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen
Quellen“, heißt es in einer Pressemitteilung zum Strategiepapier. Dem
Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) soll in Zukunft folglich der Zugang
zu standardisierten und strukturierten Gesundheitsdaten ermöglicht werden.
Allein noch in diesem Jahr sollen mindestens 300 Forschungsvorhaben
angestoßen werden, die auf die Daten des FDZ zurückgreifen können. Doch bei
der „Spitzenforschung Made in Germany“, die Warken anstrebt, soll es nicht
bleiben: Auch europaweit könnten die Daten zu grenzüberschreitender
Forschung genutzt werden.
## Datenschutzrechtliche Zweifel
Durch die [2][Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI)] können in Zukunft
„Diagnosen präziser erfolgen, Verwaltungsprozesse beschleunigt und große
Datenmengen viel schneller verarbeitet werden“, so Warken. Die KI soll dort
eingesetzt werden, wo sie „Behandlungsqualität erhöht“ oder „bei der
medizinischen und pflegerischen Dokumentation entlastet“, heißt es in der
Pressenotiz. Was das genau für Patient*innen oder Pfleger*innen
heißen wird, bleibt unklar – medizinische Entscheidungen sollen aber
selbstverständlich weiterhin von Menschen getroffen werden, betont die
Gesundheitsministerin.
Klar ist hingegen: Warken möchte „Tempo machen“. Noch in diesem Quartal
soll ein Referentenentwurf für ein „Gesetz für digitale Versorgung und den
Gesundheitsdatenraum“ vorgestellt werden. Es bleibt abzuwarten, ob dieser
Entwurf datenschutzrechtliche Zweifel aus dem Weg räumen kann. [3][Immerhin
stand die ePA diesbezüglich schon vor den geplanten Neuerungen stark in der
Kritik.]
11 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Bernauer
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