# taz.de -- Kritik an RTL zum Dschungelkönig: Die Antiheldenreise
       
       > Im Dschungelcamp polierte RTL Gil Ofarims Image durch fehlende Einordnung
       > seiner Aussagen. Seine Krönung zum Dschungelkönig ist ein
       > Abo-Kündigungsgrund.
       
 (IMG) Bild: Heute ein König: Gil Ofarim
       
       Die 7,99 Euro im Monat für mein RTL-Plus-Abo waren für mich immer gut
       investiertes Geld. Denn: Nichts gucke ich lieber als Reality-Fernsehen. Und
       auf keine Show freue ich mich dabei so sehr wie auf das Dschungelcamp, der
       größten Unterhaltungsshow im deutschen Fernsehen. 17 Tage Eskapismus am
       Stück.
       
       Doch dieses Jahr war anders. RTL schickte den Musiker Gil Ofarim auf eine
       Heldenreise, die schließlich in seiner Krönung zum Dschungelkönig endete.
       Warum, habe ich nicht verstanden. Schließlich war Ofarim, nachdem er sich
       letztes Jahr [1][fälschlicherweise als Opfer antisemitischer Äußerungen]
       des Leipziger Hotelmitarbeiters Markus W. dargestellt hatte, nicht gerade
       beliebt.
       
       Und auch im Dschungel tat er nicht viel dafür, um das zu ändern: Nicht nur,
       dass Ofarim vor einem Millionenpublikum die Unwahrheit sagte, er
       inszenierte sich 17 Tage lang als passives Opfer seiner eigenen Handlungen.
       Eigentlich das perfekte Futter für eine Show wie das Dschungelcamp. Aber
       egal, was Ofarim sagte: Die Produktion schwieg.
       
       Er sei damals vor Gericht freigesprochen worden, erzählte Ofarim etwa
       Simone Ballack am Lagerfeuer. Dass das Verfahren aber eigentlich
       eingestellt wurde und das auch nur aufgrund seines Schuldeingeständnisses,
       blieb tagelang unerwähnt. Im Wiedersehen am vergangenen Montag hieß es dann
       dazu, man wolle sich nicht in der Juristerei verlieren.
       
       ## Ofarim wollte sich nicht äußern
       
       Ansonsten wollte sich Ofarim im Camp nicht zu seinem Fall äußern. Grund sei
       die Verschwiegenheitserklärung, die er angeblich unterschrieben haben soll.
       Doch schon nach wenigen Tagen klärte der Anwalt des Hotelmitarbeiters
       Markus W. auf: Ofarim sei nicht der Verschwiegenheit verpflichtet. Er dürfe
       lediglich nicht mehr die nachweislich falsche Behauptung äußern, er sei
       damals wegen seiner Davidstern-Kette nicht ins Hotel gelassen worden. RTL
       konfrontierte Ofarim nicht mit diesem Widerspruch. Selbst als dieser im
       Wiedersehen weiterhin an seiner Aussage festhielt.
       
       Und dann war da noch das Bild, das Ofarim von sich selbst inszenieren
       konnte. Das von dem leidenden Typen – die Moderation nannte ihn „devot“ –,
       der ja vielleicht doch gar nicht so schuldig ist, wie alle denken. Er hätte
       auch ein schlechtes Bild von sich, wenn er nur das wisse, was die
       Öffentlichkeit weiß. Er habe die Schuld auf sich nehmen müssen, sonst hätte
       er seine Kinder verloren. Immer wieder spielte Ofarim mit dem Raum zwischen
       den Zeilen, der suggerieren konnte: So wie ihr denkt, war das damals alles
       gar nicht. Dass sein Fall sowohl juristisch als auch journalistisch bestens
       aufgearbeitet wurde, erzählte dem Dschungelcamp-Publikum niemand.
       
       Für diese Einordnung sei keine Zeit, erklärte Moderatorin Angela
       Finger-Erben in „Die Stunde danach“, dem Nachbesprechungsformat der Folge.
       Schließlich sei der Dschungel eine Unterhaltungssendung. Ein absurdes
       Argument. Ich habe in den letzten zweieinhalb Wochen ungefähr 51 Stunden
       damit verbracht, die Show und ihre Nachbesprechung zu verfolgen. Mehr als
       genug Zeit, wie ich finde.
       
       Dass Ofarim die Tatsachen während seiner Zeit im Dschungel immer wieder
       suggestiv verdrehte und keinerlei Verantwortung für sein Handeln übernahm,
       ist das eine. Viel gravierender war der Umgang der Produktion damit. Denn
       diese stilisierte ihn mit ihrer parteiischen Moderation und der fehlenden
       Einordnung zum gebrochenen Mann.
       
       ## Fall scheint neu aufgerollt
       
       Wirft man einen Blick in die Kommentarspalten der
       Dschungelcamp-Social-Media-Kanäle, sind diese voll mit Ofarim-Fans, die ihn
       für seine Art im Camp loben. Die meinen, es sei doch jetzt genug. Und es
       gibt diejenigen, die in den Google-Bewertungen des Westin Hotels in Leipzig
       seine Schuld anzweifeln. Der Fall Ofarim scheint auf einmal wieder neu
       aufgerollt. Ob und wenn ja, was da in den kommenden Wochen noch auf Markus
       W. zukommt, ist unklar.
       
       Beängstigend finde ich, wie reproduzierbar diese Situation ist. Die Leute
       lieben eine gute Heldenreise. Noch nie zuvor gab es so viele Anrufe, um
       abzustimmen, wer das Dschungelcamp gewinnen soll, wurde im Finale
       verkündet. Die Heldenreise von Gil Ofarim wurde am Ende mit seinem Sieg
       belohnt. Dass RTL diese ohne jegliche Reue gewährt, war mir vorher nicht
       bewusst.
       
       Bis zum Schluss hoffte ich, dass das Framing rund um Ofarim nur ein gutes
       Schauspiel war. Dass die Show noch kurz vor Ende verkündet, wie sie das
       Publikum auf seine Seite gezogen haben, um der Gesellschaft den Spiegel
       vorzuhalten. [2][Mit seiner Krönung zum Dschungelkönig] schaltete ich aus.
       Und kündigte mein RTL-Plus-Abo.
       
       11 Feb 2026
       
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