# taz.de -- Reality-TV: Gil Ofarim gewinnt im Dschungelcamp
> Der Musiker Gil Ofarim hat die Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier
> raus!“ gewonnen – trotz aller kontroversen Diskussionen um seine Person.
(IMG) Bild: Gil Ofarim während einer Dschungelprüfung
dpa | Er kam als umstrittenster Thronanwärter – und geht als König: Musiker
Gil Ofarim hat trotz aller kontroversen Diskussionen um seine Person das
RTL-[1][Dschungelcamp] gewonnen. Der 43-Jährige erhielt am späten Abend die
meisten Stimmen der Zuschauer, wie die Moderatoren Sonja Zietlow und Jan
Köppen verkündeten. Damit war ihm die Dschungelkrone sicher, die sich die
Sieger von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ aufsetzen dürfen.
Zudem bekommt er 100.000 Euro Preisgeld.
Ofarim versank in seine eigenen Arme und schluchzte bitterlich, als die
Entscheidung gefallen war. Er machte deutlich, dass er sich selbst nicht
erklären könne, warum so viele Menschen für ihn gestimmt hätten. Jeden Tag
habe er mit dem Rauswurf gerechnet, sagte er. „Ich hab’ jeden Tag meinen
Koffer gepackt.“
Interessant waren daher die Einblicke, die die Moderatoren in das
Zahlenwerk hinter der Entscheidung gaben. Im Halbfinale habe es die
höchsten Anruferzahlen seit der ersten Staffel der [2][Reality-Show]
gegeben, sagte Köppen – sie läuft seit 2004. Und Zietlow verriet ihm: „Du
lagst in den Votings zum Dschungelkönig ab Tag eins immer vorne.“ Seine
Mit-Finalisten Samira Yavuz („Der Bachelor“, Platz 2) und Hubert Fella („Ab
ins Beet!“, Platz 3) kamen dagegen nicht an.
## „Wir küren hier nicht den nächsten Weltherrscher“
Was man daraus schließen konnte? Unter anderem, dass die 19.
Dschungelcamp-Staffel, aufgezeichnet in Australien, das Publikum wohl
emotionalisiert hatte. Als der überraschende Ausgang feststand, gab Zietlow
vorsorglich eine Art Leitplanke für die nun folgenden Debatten aus: „Bitte,
liebe Zuschauer, immer dran denken: Es ist ein Spiel hier im Dschungel.“ Es
gehe nur um eine Krone aus Blüten und Blättern. „Wir küren hier nicht den
nächsten Weltherrscher.“
Ofarims Sieg gehört ganz sicher zu den überraschendsten Momenten in der
Geschichte der Show. Um die Teilnahme des einstigen
Foto-Love-Story-Schwarms aus der „Bravo“ und Sohn des 60er-Jahre-Stars Abi
Ofarim (1937-2018) hatte es von Beginn an kontroverse Debatten gegeben.
Der Musiker hatte 2021 Schlagzeilen gemacht, [3][als er sich bei Instagram
als Opfer antisemitischer Äußerungen eines Hotelmitarbeiters darstellte.]
Später stellten sich diese Vorwürfe als falsch heraus – Ofarim nahm seine
Darstellung in einem Verleumdungs-Prozess gegen ihn zurück. Das Verfahren
wurde eingestellt. Der Musiker musste als Auflage einen Geldbetrag von
10.000 Euro zahlen.
Diese Vorgeschichte und sein Umgang mit ihr machten ihn im Camp zur
Reizfigur. Seine Mitcamper kritisierten, dass Gil sich kaum zu den
damaligen Geschehnissen äußerte und sich nicht entschuldigte. Der Musiker
entgegnete oft, dass er dazu aus juristischen Gründen nichts sagen dürfe.
Entschuldigt habe er sich jedoch mehrfach, sagte er – vor Gericht und in
Einzelinterviews. Nur nicht im Beisein seiner Camp-Genossen.
## Die Camper verzweifeln an Gils Erfolg
Für seine Mitcamper blieb das gesamte Verhalten fragwürdig. Vor allem
Reality-Star Ariel bohrte immer wieder mit kritischen Fragen an ihm herum.
„Er manipuliert Menschen komplett“, sagte Simone Ballack in der
Final-Sendung. „Wenn Gil gewinnt, verliere ich den Glauben an
Reality-Shows.“ Dieser Fall ist nun eingetreten.
Am Ende der Staffel setzte bereits ein Reigen der Erklärungsversuche ein,
wie es sein kann, dass Ofarim nun neuer Dschungelkönig ist. „Gil, wer hätte
das gedacht, der Erste“ regiert – so formulierte es das Moderatoren-Duo
sofort. Hatte das beständige Malträtieren durch Ariel für einen
Mitleidseffekt gesorgt? Hat Deutschland einfach eine Schwäche für gefallene
Ex-Teenie-Stars? Eine interessante Deutung hatte auch Mitcamper Hubert
parat: Gil sei doch Rock-Musiker. „Rocker schauen genauso Dschungelcamp.“
Eine oft gehörte Interpretation lieferte in der RTL-Anschlusssendung „Die
Stunde danach“ Ex-Dschungelkönig Filip Pavlovic. Man könne den Fall ja mal
„komplett blanko betrachten“. „Wir denken jetzt nicht, was er getan hat.
Wir denken nicht an die Vergangenheit. Wir reden nicht darüber, was er
damals im Hotel gemacht hat, sondern nur, was er im Camp geleistet hat.
Dann hat er die Krone verdient.“ In den Dschungelprüfungen habe Ofarim
Spitzenleistungen gezeigt und sei stark geblieben, obwohl ihn die restliche
Gruppe ausgegrenzt habe.
## Der Unfall hätte es fast verhindert
Auf die Frage, ob er mal mit dem Gedanken gespielt habe, aufzugeben, sagte
Ofarim als gekrönter König: „Nach dem Unfall wollte ich hinschmeißen“. Aber
das sei nun egal. Bei einem Spiel war der Musiker gestürzt. Weil er nach
einem folgenden Gesundheitscheck zurück ins Camp kam, beerbt er nun die
bisherige Dschungelkönigin Lilly Becker.
Auch im Finale holte Ofarim die Maximalausbeute an Sternen in seiner
Prüfung. Dabei musste er den Kopf in verschiedene Plexiglas-Kugeln stecken,
die mit Getier gefüllt wurden – unter anderem mit Skorpionen und
Riesenkakerlaken. Parallel galt es, Sterne abzuschrauben. Gil blieb die
Ruhe selbst und wirkte ähnlich stoisch wie während der Vorwurf-Salven
seiner einstigen Mitcamperin Ariel.
Mit dem Zepter in der Hand grüßte er schließlich seine Frau und Kinder.
Zudem erklärte er in der finalen Show erleichtert, dass er nun wieder
Freude empfinde. „Die Leichtigkeit kommt zurück, die Freude kommt zurück,
die Glücksgefühle kommen zurück“, sagte er.
„Der Dschungel hat mich wieder zurückgeholt“, sagte Ofarim. „Zurück ins
Leben.“
9 Feb 2026
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