# taz.de -- Präsidentenwahl in Portugal: Linker liegt in den Umfragen klar vorn
> In der Stichwahl am Sonntag treffen der Sozialist António José Seguro und
> der Rechtsextreme André Ventura aufeinander. Dessen Siegeschancen stehen
> schlecht.
(IMG) Bild: Der Sozialist José António Seguro ist heiß im Rennen um die portugiesische Präsidentschaft
Erstmals seit 40 Jahren gehen die Präsidentschaftswahlen in Portugal [1][in
die zweite Runde]. Am Sonntag stehen sich der Sozialist António José Seguro
und der Chef der rechtsextremen Chega (Genug), André Ventura, [2][in der
Stichwahl] gegenüber.
Seguro erzielte beim ersten Durchgang vor drei Wochen 31 Prozent der
Stimmen, Ventura 23,5 Prozent. Die restlichen neun Kandidaten lagen weit
dahinter. Der Gewinner am Sonntag wird die Nachfolge des konservativen
Marcelo Rebelo de Sousa antreten. Dieser konnte nach zwei Amtszeiten nicht
erneut antreten.
Was im ersten Durchgang wie ein enges Rennen aussah, ist es jetzt nicht
mehr. Alle Umfragen sind sich einig. Sie sehen Ex-Minister und
Wirtschaftswissenschaftler Seguro bei rund zwei Drittel der Stimmen,
hingegen den ehemaligen TV-Sportkommentator Ventura bei einem Drittel.
Dies ist das Ergebnis eines Schulterschlusses all derjenigen, die das aus
der Nelkenrevolution 1974 hervorgegangene demokratische System verteidigen
und nicht wie Ventura der damals gestürzten Diktatur nachtrauern. Seguro
verspricht die Demokratie zu schützen. Ventura will „mit der Faust auf den
Tisch hauen“, „das Regime zum Wackeln bringen“ und es „von innen heraus
verändern“.
## Offener Brief
Dagegen formierte sich nach dem ersten Durchgang eine Brandmauer. Von
Kommunisten über den Linksblock und Sozialisten bis hin zu namhaften
Konservativen. Unter ihnen sind Luis Marques Medes, Kandidat im ersten
Durchgang, und der einstige Präsident Aníbal Cavaco Silva. Beide rufen zur
Wahl Seguros auf. Selbst Paulo Portas von der Partido Popular, bis hin zum
Parlamentseinzug der Chega vor sieben Jahren das Rechteste, was Portugals
Volksvertretung zu bieten hatte, stellt sich hinter den Sozialisten.
In einem offenen Brief rufen 6.500 Persönlichkeiten aus dem
Mitte-rechts-Spektrum zur Wahl Seguros auf. „Trotz ideologischer
Differenzen wissen wir, dass António José Seguro weder demokratische und
humanistische Werte noch die Rechte, Freiheiten und Garantien der Bürger
angreifen wird“, heißt es dort.
Und in einem Kommuniqué von Ex-Staatschef Cavaco Silva heißt es: „In einer
Zeit großer Unsicherheit und ernster Bedrohungen braucht Portugal einen
Präsidenten der Republik mit gesundem Menschenverstand und Glaubwürdigkeit
auf der internationalen Bühne, der zur Verteidigung unserer Interessen
beiträgt.“
Nur einer bei der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) wollte
keine Wahlempfehlung abgeben: Ministerpräsident Luis Montenegro. „Unser
politisches Lager wird in der zweiten Runde nicht vertreten sein“, hatte er
kurz nach dem ersten Durchgang erklärt. Montenegro führt eine
Minderheitsregierung und wird von Venturas Chega unterstützt. Eine
Wahlaussage zugunsten des Sozialisten hätte ihn diese Unterstützung
gekostet.
## Ansinnen gescheitert
Venturas Ansinnen, zum Anführer der gesamten Rechten zu werden, ist damit
erst einmal gescheitert. Angesichts der überwältigenden Ablehnung seitens
der gemäßigten Rechten fühlt sich Ventura, dessen Chega die zweitstärkste
Kraft im Parlament ist, abgewertet.
Er sieht sich als „Kandidat des Volkes gegen die Eliten“. „Wenn alle gegen
einen Mann sind, dann deshalb, weil er auf dem richtigen Weg ist“, heißt es
auf seinen Wahlplakaten. Er wetterte [3][gegen Immigranten und Rechte für
Minderheiten]. Er verspricht ein Präsident zu sein, der stark in die
Alltagspolitik eingreifen werde.
Der portugiesische Staatschef hat weitgehende Befugnisse. Er ist
Oberbefehlshaber der Armee und kann – wie in den letzten Jahren dreimal
geschehen – das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Außerdem kann er
Gesetze stoppen und sie dem Verfassungsgericht vorlegen.
Der scheidende Staatschef Rebelo de Sousa stoppte ein neues
Einwanderungsgesetz, das Premier Montenegro mit der Chega ausgearbeitet und
durchs Parlament gebracht hatte. Es erschwerte den Zuzug von Menschen aus
ehemaligen portugiesischen Kolonien sowie die Familienzusammenführung.
Derzeit wird das Gesetz überarbeitet und wird in den kommenden Wochen
erneut ins Parlament kommen.
8 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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