# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Portugal: Wahl mit ungewissem Ausgang
> Fünf Präsidentschaftskandidaten könnten bei der Wahl am Sonntag gleichauf
> liegen. Die Stichwahl mit einem rechtsextremen Kandidaten droht.
(IMG) Bild: Chancenreicher Rechtsextremer: André Ventura von der Partei Chega will Präsident werden, hier im Wahlkampf am 10. Oktober 2025
Portugal wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten. Nie waren die Wahlen zum
Staatschef von so ungewissem Ausgang wie dieses Mal. Vier bzw. fünf der
insgesamt elf Kandidaten liegen nämlich praktisch gleichauf.
Es sind dies: Luís Marques Mendes, ehemaliger Minister und Ex-Vorsitzender
der derzeit regierenden konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD),
André Ventura, Parteiführer der rechtsextrem Chega (Genug), António José
Seguro von der Sozialistischen Partei (PS) und der pensionierte Admiral
Henrique Gouveia e Melo. Einige Umfragen sehen als Fünften den liberalen
Europaabgeordneten João Cotrim de Figueiredo. Knapp elf Millionen Menschen
sind wahlberechtigt.
Es gibt eine Gewissheit und eine Befürchtung: Zum zweiten Mal in der
Geschichte der nunmehr 50 Jahre alten Demokratie wird es zu einer Stichwahl
kommen. Und es gilt als wahrscheinlich, dass einer der beiden Kandidaten
dann der rechtsextreme André Ventura sein wird. Die Entscheidung über den
künftigen Staatschef wird wohl erst am 8. Februar fallen.
## Zweiter Kandidat für die Stichwahl noch unklar
Wer der zweite Kandidat bei der Stichwahl ist, muss sich noch zeigen. In
den Wochen seit Jahresbeginn haben sich die Umfrageergebnisse mehrmals
geändert. Lange galt Admiral Gouveia e Melo als Favorit. Er war Chef der
portugiesischen Armee und machte sich als Verantwortlicher für die erste
Impfkampagne gegen Covid einen Namen. Jüngsten Umfragen jedoch räumen ihm
nur noch wenig Chancen auf den zweiten Wahlgang ein.
Denn mittlerweile haben auch der Konservative Marques Mendes und der
Sozialist Seguro den Admiral überholt. Vor allem Seguro hat stark zugelegt.
Je länger die Wahlkampagne läuft, umso mehr Wähler kann er hinter sich
vereinen.
Mit André Ventura, einst Sportkommentator im Fernsehen, erhält erstmals ein
Kandidat großen Zuspruch, der ganz offen die [1][aus der Nelkenrevolution
1974 hervorgegangene Demokratie] ablehnt und die Salazar-Diktatur
verherrlicht. Er und seine Partei Chega lassen sich den Wahlkampf viel
kosten. Selbst in den kleinsten Orten ist sein Foto auf riesigen
Wahlplakaten zu sehen. Er verkündet, dass Portugiesen Vorrang haben müssten
und Einwanderer nicht von Sozialleistungen leben dürften. Ein Plakat, auf
dem er gegen die Roma-Minderheit hetzte, musste er auf Anweisung der
Wahlbehörden abhängen.
## Präsident mit weitgehenden Befugnissen
Sollte jemand wie der Rechtsextreme Ventura tatsächlich zum Staatsoberhaupt
gewählt werden, hätte dies unvorhersehbare Folgen. Denn Portugal hat ein
semipräsidentielles Regierungssystem. Anders als in Deutschland hat der
portugiesische Präsident nicht nur repräsentative Aufgaben.
Er ist Oberbefehlshaber der Armee, kann – wie in den letzten Jahren drei
Mal unter Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa geschehen – das Parlament
auflösen und Neuwahlen ausrufen. Auch kann er Gesetze stoppen und diese ans
Verfassungsgericht verweisen, wenn er sie für nicht verfassungskonform
hält, wie etwa im vergangenen Jahr mit [2][einem neuen Einwanderungsgesetz]
geschehen. In den kommenden Monaten kommt dieses Gesetz nach einem Urteil
des Verfassungsgerichtes erneut ins Parlament.
Ventura kündigt im Wahlkampf immer wieder an, im Falle seiner Wahl zum
Präsidenten, so stark in die Politik eingreifen zu wollen, wie dies kein
Staatschef bisher getan hat. So will er, wie auch der konservative
Ministerpräsident Luís Montenegro, das Recht auf Staatsbürgerschaft für
Kinder von Migranten, die in Portugal geboren wurden, ebenso wie die
Vorteile von Menschen aus ehemaligen portugiesischen Kolonien bei der
Einwanderung, abschaffen.
16 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /50-Jahre-Nelkenrevolution-in-Portugal/!6003528
(DIR) [2] /Migratiospolitik/!6105886
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
## TAGS
(DIR) Portugal
(DIR) Präsidentschaftswahl
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) Lissabon
(DIR) Präsidentschaftswahlkampf
(DIR) Portugal
(DIR) Portugal
(DIR) Portugal
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Generalstreik gegen neues Arbeitsrecht: Gewerkschaften legen Portugal lahm
Die geplante Reform des portugiesischen Arbeitsrechts stößt auf massiven
Widerstand. Gewerkschaften warnen vor mehr Belastungen und unsicheren Jobs.
(DIR) Kommunalwahlen in Portugal: Die beiden traditionellen Parteien siegen
Die konservative PSD geht als Gewinnerin aus den Kommunalwahlen hervor.
Gemeinsam mit den Sozialisten erhält sie den größten Zuspruch.
(DIR) Minderheitskoalition in Portugal: Mit Hilfe Rechtsextremer das Ausländergesetz verschärft
Die Mitte-rechts-Regierungskoalition bringt ein Gesetz für erschwerten
Familiennachzug und eingeschränkte Arbeitsvisa für Migranten durchs
Parlament.