# taz.de -- Sozialist gegen Rechtsextremen: Portugal geht in die Stichwahl
> In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen gewann der Sozialist
> António José Seguro. Der zweitplatzierte André Ventura ist ein
> Diktaturverherrlicher.
(IMG) Bild: Der portugiesische Präsidentschaftskandidat Antonio Jose Seguro feiert seinen Wahlsieg in Caldas da Rainha, am 18. Januar 2026
Keiner hätte es ihm zugetraut und jetzt das: Der Sozialist António José
Seguro hat überraschend mit 31 Prozent der Stimmen die erste Runde der
Präsidentschaftswahl in Portugal gewonnen und zieht damit in drei Wochen in
die Stichwahl ein. Dort trifft er auf André Ventura von der rechtsextreme
Chega (Genug). Dieser erzielte 23,5 Prozent. Alle anderen der insgesamt elf
Kandidaten liegen weit hinter den beiden. Es ist die erste Stichwahl seit
1986.
Der zweite Wahlgang am 8. Februar wird so zu einer Wahl zwischen Seguro,
der die aktuelle Demokratie, die 1974 durch den Sturz der Diktatur
entstand, verteidigt, und Ventura, der das „Regime der Nelkenrevolution“
ablehnt und ebenjene Diktatur verherrlicht. Seguro forderte [1][noch in der
Wahlnacht] „alle Demokraten, alle Progressiven und alle Humanisten“ auf,
für ihn zu stimmen, um „den Extremismus und diejenigen zu besiegen, die
Hass und Spaltung unter den Portugiesen säen“.
Seguro, der einst Minister in der Regierung von António Guterres war,
welcher heute den Vereinten Nationen vorsteht, hatte sich vor zehn Jahren
aus der Politik zurückgezogen, nachdem er die Urwahlen zum Parteivorsitz
gegen António Costas – mittlerweile Präsident des Europäischen Rates –
verlor. Als der 63-jährige Wirtschaftswissenschaftler seine Kandidatur zum
Staatspräsidenten ankündigte, unterstützen ihn nur wenige aus seiner
Sozialistischen Partei (PS).
Dennoch – oder vielleicht gerade wegen seines Abstandes zum Apparat der in
einer tiefen Krise steckenden Sozialisten – kämpfte er sich in den Umfragen
immer weiter nach oben, um schließlich am Sonntag zu gewinnen. Während
Seguro jetzt 31 Prozent erreicht, erzielte die PS bei den vergangenen
Parlamentswahlen gerade einmal 23,4 Prozent. Es war das schlechteste
Ergebnis ihrer Geschichte.
## Veränderung nach rechts
Ventura, der mit [2][Hetze gegen Immigranten und Minderheiten] den
Wahlkampf bestritt, fordert die Portugiesen auf, die „Angst vor
Veränderungen“ zu verlieren. Er werde im Land für Ordnung sorgen und das
rechte Lager umgestalten, einen und führen, versprach der 43-jährige
ehemalige TV-Sportkommentator.
Die größte rechte Formation, die konservative Sozialdemokratische Partei
PSD, die Portugal regiert, hatte dem in der Wahlnacht nur wenig
entgegenzusetzen. Ihr Kandidat Luís Marques Mendes erreichte gerade einmal
12 Prozent der Stimmen und damit den fünften Platz. Dies ist ein schwerer
Schlag für Ministerpräsident Luís Montenegro, der Mendes im Wahlkampf
bedingungslos unterstützt hatte. „Unser politisches Lager wird in der
zweiten Runde nicht vertreten sein“, erklärte Montenegro, warum er für die
Stichwahlen keine Empfehlung aussprechen will.
Montenegro, der in Minderheit regiert, baut [3][auf die Unterstützung durch
Venturas Chega im Parlament]. Gemeinsam haben sie ein umstrittenes
Einwanderungsgesetz verabschiedet, das vor dem Verfassungsgericht
scheiterte. Jetzt wird das Werk, das unter anderem die Zuwanderung aus
ehemaligen Kolonien erschwert und Einwanderern den Zugang zu sozialen
Hilfsprogrammen verweigern will, erneut vors Parlament kommen. Außerdem
planen die Konservativen, gemeinsam mit den Rechtsextremen die
Staatsangehörigkeitsregelungen zu ändern und in Portugal geborenen Kindern
von Einwanderern den portugiesischen Pass künftig nicht mehr zuzugestehen.
Anders als etwa in Deutschland hat der Präsident in Portugal weitgehende
Befugnisse. Er ist Oberbefehlshaber der Armee, kann – wie in den letzten
Jahren dreimal geschehen unter dem bisherigen konservativen Staatschef
Marcelo Rebelo de Sousa, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten
konnte, das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Auch kann er Gesetze
stoppen und sie ans Verfassungsgericht verweisen, wenn er sie für nicht
verfassungskonform hält, wie etwa im vergangenen Jahr mit einem neuen
Einwanderungsgesetz von PSD und Chega geschehen.
Während die dritt- und viertplatzierten Kandidaten nach Bekanntgabe des
Ergebnisses keine Wahlempfehlung aussprachen, sicherten die kleineren
Parteien der Linken Seguro ihre Unterstützung zu. Und selbst der
Vorsitzende der PS, José Luís Carneiro, rang sich endlich dazu durch, sich
bedingungslos hinter Seguro zu stellen.
19 Jan 2026
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(DIR) Reiner Wandler
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