# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Portugal: Die Brandmauer steht
       
       > In Portugal hat der Sozialist António José Seguro die Stichwahl gewonnen.
       > Als Präsident will er über Konservative und Rechtsextreme wachen.
       
 (IMG) Bild: António José Seguro mit feiernden Anhängern Sonntag Abend in Lissabon
       
       [1][Die Umfragen] haben sich bestätigt. António José Seguro hat die
       Stichwahl zum Präsidenten der Republik in Portugal haushoch gewonnen. Der
       63-jährige Sozialist und Ex-Minister unter dem damaligen Premier und
       heutigen UN-Generalsekretär António Guterres hat gegen den Chef der
       rechtsextremen Chega (Genug), Andrés Ventura, 66,8 Prozent der Stimmen
       erreicht. Ventura kam auf 33,2 Prozent.
       
       Seguro löst damit den konservativen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa ab,
       der nach zwei fünfjährigen Amtszeiten nicht mehr kandidieren konnte. [2][Im
       ersten Durchgang vor drei Wochen] lag Seguro überraschend mit 31 Prozent
       auf Platz 1, Ventura mit 23,5 Prozent Platz 2. Alle anderen neun Kandidaten
       lagen weit abgeschlagen dahinter. Es war das erste Mal seit 40 Jahren, dass
       eine zweite Runde notwendig war, um das Amt des Staatschefs zu besetzen. An
       diesem mehr als deutlichen Ergebnis werden auch die Nachwahlen, in den
       Dörfern, in denen durch die [3][Überschwemmungskatastrophe] die Wahllokale
       geschlossen blieben, kommenden Sonntag nichts ändern.
       
       Portugal hat mit dem Sieg Seguros erstmals seit 20 Jahren wieder einen
       progressiven Staatschef. Der Wirtschaftswissenschaftler Seguro, der sich
       jahrelang aus der Politik zurückgezogen hatte, gehört dem rechten Flügel
       der Sozialistischen Partei an. Er versprach im Wahlkampf, die „Demokratie
       und die Republik zu schützen“, die aus der Nelkenrevolution gegen die
       Salazar-Diktatur 1974 hervorgegangen war. Er bat um die Stimmen „aller
       Demokraten, aller Progressiven und aller Humanisten“ und hatte damit
       Erfolg.
       
       Kommunisten, Linksblock und Sozialisten, sowie namhafte Konservative –
       unter ihnen Luis Marques Medes, Kandidat im ersten Durchgang, und der
       einstige Präsident Aníbal Cavaco Silva – riefen zur Wahl Seguros auf. „Ich
       bin begeistert angesichts der Verbundenheit des portugiesischen Volkes mit
       den verfassungsmäßigen Werten“, erklärte Seguro am Wahlabend. „Die Gewinner
       sind heute Abend das portugiesische Volk und die Demokratie“, sagte der
       Wahlsieger und versprach, ein Staatschef für „alle Portugiesen“ zu sein.
       
       ## „Meine Freiheit ist die Garantie meiner Unabhängigkeit“
       
       Zu Beginn des Wahlkampfes hatte niemand mit Seguro gerechnet. Er ging ohne
       die Unterstützung seiner Sozialistischen Partei (PS) ins Rennen. Er hatte
       sich im Streit aus der Politik zurückgezogenen, nachdem er von 2011 bis
       2014 Generalsekretär der PS war, bevor er diesen Posten an den späteren
       Regierungschef (2015-2024) und jetzigen Präsidenten des Europäischen Rats,
       António Costa, verlor. Alle kennen diese Geschichte und genau das hat
       Seguro Sympathie gebracht. „Ich bin frei, ich lebe ohne Zwänge. Meine
       Freiheit ist die Garantie meiner Unabhängigkeit“, beteuerte er.
       
       Gegenkandidat Ventura, der seinen Wahlkampf mit Hetze gegen Migranten,
       Sinti und Roma und andere Minderheiten bestritt, die Salazar-Diktatur
       verherrlichte und versprach „die Republik von innen heraus zu verändern“,
       musste seine Niederlage einräumen, zeigte sich aber dennoch zufrieden.
       Chega, die erst seit 2019 im Parlament sitzt, hatte noch nie so viele
       Stimmen auf sich vereinen können, wie jetzt bei den Präsidentschaftswahlen.
       „Wir führen die Rechte in Portugal an und werden dieses Land bald
       regieren“, rief der 43-jährige ehemalige Sportkommentator seinen Anhängern
       zu, obwohl er gerade an diesem Anspruch gescheitert war.
       
       Ventura hat dennoch eine wichtige Position in der portugiesischen Politik.
       Seine Chega lag bei den vergangenen Parlamentswahlen mit den Sozialisten
       gleich auf. Und einer unterstützte die Brandmauer gegen Ventura und seine
       Chega nicht – der konservative Ministerpräsident Luis Montenegro. Er gab
       keine Wahlempfehlung ab. Der Ministerpräsident regiert Portugal in
       Minderheit und wird dabei von der Chega unterstützt. Dabei übernimmt er
       zusehends Programmpunkte der Rechtsextremen, zum Beispiel in Sachen
       Einwanderung. Seguro, der als Präsident das Recht hat, Gesetze abzulehnen
       und sie an das Verfassungsgericht zu verweisen, wird über die Politik
       Montenegros und Venturas fortan wachen.
       
       9 Feb 2026
       
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