# taz.de -- Phosphor-Recycling: Wer nicht fertig ist, soll zahlen
       
       > Ab 2029 müssen die Kommunen den Nährstoff Phosphor aus Klärschlamm
       > zurückgewinnen. Nach Debatten hat der Umweltminister jetzt betont: Die
       > Frist gilt.
       
 (IMG) Bild: Aus dem Schlamm von Klärwerken wie diesem in Berlin soll künftig Phosphor recycelt werden
       
       Das Bundesumweltministerium hält an der Pflicht zum Phosphorrecycling ab
       2029 fest. Die „Frist ab 2029 für die Phosphorrückgewinnung aus
       Klärschlamm“ sei ein „unabdingbarer Schritt hin zu einer nachhaltigeren und
       importunabhängigeren Wirtschaft“, heißt es in einem Schreiben von
       Umweltminister Carsten Schneider (SPD) an den Präsidenten der Deutschen
       Vereinigung für Wasserwirtschaft, Uli Paetzel.
       
       Dieser hatte sich Ende Dezember an den Minister gewandt und darum gebeten,
       die gesetzlichen Vorgaben zur Phosphor-Rückgewinnung um zehn Jahre zu
       verschieben. Sie seien weder technisch noch organisatorisch umsetzbar.
       
       In der Branche hatte dies heftige Unruhe ausgelöst. Der Abfallverband BDE
       wertete das Schreiben als „fatales Signal für Umwelt- und Ressourcenschutz
       in Deutschland“. Das Branchennetzwerk „Deutsche Phosphor-Plattform“ warnte,
       eine Fristverschiebung schwäche das Vertrauen in gesetzliche Vorgaben und
       forderte klare Übergangslösungen mit Anreizen für Kommunen, Betreiber und
       Investoren.
       
       Phosphor ist ein kritischer Rohstoff, der als zentraler Pflanzennährstoff
       eine wichtige Rolle als Dünger in der Landwirtschaft spielt. [1][Natürliche
       Vorkommen in Marokko, China oder Ägypten gehen zur Neige.] Ein Viertel der
       europäischen Phosphorimporte stammt aus Russland, eine Abhängigkeit, aus
       der die EU sich lösen möchte. Die Rückgewinnung von Phosphor aus heimischen
       Klärschlämmen gilt dazu als Mittel der Wahl. Ab 2029 sieht die
       Klärschlammverordnung vor, Phosphor aus Abwasser zurückzugewinnen.
       
       ## Technische Schwierigkeiten hemmen Rückgewinnung
       
       [2][Allerdings ist absehbar, dass 2029 jährlich nur ein Drittel der 1,3
       Millionen Tonnen Klärschlamm-Trockenmasse der Rückgewinnung zugeführt
       werden], die der Rückgewinnungs-Pflicht unterliegt.
       
       „Hemmend“ wirkten „trotz frühzeitiger Technologieentwicklung nach wie vor
       bestehende große technische Schwierigkeiten hinsichtlich der
       unterschiedlichen Verfahren“ führte DWA-Präsident Paetzel aus. In der
       Konsequenz fehlten Erfahrungswerte hinsichtlich großtechnischer Verfahren,
       und damit für viele Entsorger verlässliche Entscheidungsgrundlagen für
       Investitionsstrategien.
       
       In seinem Antwortschreiben teilt Minister Schneider am Freitag mit, das
       Umweltministerium prüfe ein „Fondskonzept“. Es sieht vor, dass
       Klärschlammaschen auch nach 2029 weiter abgelagert werden dürfen, wenn
       nicht ausreichend Kapazitäten zur Rückgewinnung zur Verfügung stehen
       würden. Verbunden sei dies mit einer Abgabe, aus der die Rückgewinnung von
       Phosphor gefördert werden solle.
       
       Damit eine solche Übergangslösung möglichst kurz vonnöten bleibe und sich
       keinesfalls eine dauerhafte Sonderabgabe ergebe, „möchte ich Sie bitten,
       weiterhin Ihre Mitglieder konstruktiv bei einer zügigen Umsetzung der
       Phosphorrückgewinnung zu unterstützen“, schreibt Schneider an den
       Verbandspräsidenten.
       
       8 Feb 2026
       
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