# taz.de -- Neuauflage der „Muppet Show“ auf Disney+: Die Kunst des zeitlosen Unsinns
       
       > 50 Jahre nach dem Original feiern Kermit & Co. bei Disney+ ein Comeback –
       > überraschend werkgetreu, nostalgisch und doch erstaunlich zeitgemäß.
       
 (IMG) Bild: Ein Duo wie kein anderes
       
       50 Jahre ist es in diesem Jahr her, dass die „Muppet Show“ erstmals auf den
       Bildschirmen in den USA und Großbritannien zu sehen war. In Deutschland
       lief die erste Folge im Dezember 1977. Es ist wohl keine Übertreibung, dass
       sich die Puppen aus dem [1][Hause Jim Henson] mindestens für die Generation
       X fest ins popkulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben.
       
       Dass Kermit, [2][Miss Piggy] und Co. nun aktuell mit einer Neuauflage eben
       dieser Sendung bei Disney+ ein Comeback feiern, ist trotz Jubiläumsjahr und
       anhaltender Nostalgie-Welle nicht selbstverständlich. Eigentlich hatte man
       seit etlichen Jahren den Eindruck, dass die Muppets sich eher schwertun,
       einen für sie passenden Platz in der gegenwärtigen Streaming- und
       Content-Landschaft zu finden.
       
       Lange Zeit war die Chaos-Truppe rund um den berühmten Frosch ziemlich
       erfolgsverwöhnt. Die Mischung aus Anarcho-Humor, Albernheit und
       Anspielungen aufs Showgeschäft, gepaart mit musikalischen Varieté-Nummern
       traf in den späten 70er-Jahren einen Nerv, gerade weil sie sich – trotz
       bunter Filz- und Schaumstoff-Kreaturen als Protagonist*innen – an ein
       erwachsenes Publikum richtete – und dennoch auch Kinder amüsierte.
       
       Nach fünf Staffeln war damals Schluss für [3][„Die Muppet Show“],
       wohlgemerkt nicht wegen Quotenschwäche, sondern weil Henson seine
       Emmy-prämierte Schöpfung nicht zu Tode reiten wollte. Doch da waren die
       Muppets ohnehin längst abseits ihres Theaters zu neuen Ufern aufgebrochen:
       Schon 1979 gaben sie mit „Muppet Movie“ ihren Oscar-nominierten
       Kino-Einstand, weitere Filme folgten und mit ihrer Version von Charles
       Dickens’ Weihnachtsgeschichte waren sie für einen bis heute verehrten
       Feiertags-Favoriten verantwortlich.
       
       ## 74 Millionen Dollar
       
       So etabliert und erfolgreich waren die Muppets als Marke (auch dank ihres
       Merchandise-Potenzials, das von Spielzeug über Bekleidung bis zu hin zu
       Haushaltswaren reichte), dass die Walt Disney Company im Jahr 2004, 14
       Jahre nach Hensons frühem Tod, 74 Millionen Dollar dafür bezahlte.
       
       Peanuts im Vergleich zu den Summen, die der Konzern wenig später für Pixar
       oder die Star-Wars-Rechte bezahlte. Entsprechend stiefmütterlich und
       planlos schien man bei Disney mit Kermit und seinen Freund*innen
       umzugehen.
       
       Nach ein paar wenig beachteten Fernsehfilmen durfte Jason Segel die Muppets
       2011 zurück auf die große Leinwand holen und machte recht erfolgreich das
       Ringen um ein Comeback zum zentralen Plot. Doch als drei Jahre später ein
       weiterer Film floppte, wurde das neue Kino-Kapitel schon wieder
       geschlossen.
       
       Die Serie „The Muppets“, eine linear ausgestrahlte Mockumentary rund um
       eine von Miss Piggy moderierte Late-Night-Talkshow, wurde 2016 nach einer
       Staffel wieder abgesetzt. Das gleiche Schicksal ereilte sechs Jahre später
       „The Muppets Mayhem“, einer für Disney+ produzierten Serie rund um die
       hauseigene Muppet-Band.
       
       Auch die Impro-Kurzserie „Muppets Now“ oder das 50-minütige
       Halloween-Abenteuer „Muppets Haunted Mansion“ schlugen keine allzu hohen
       Wellen. Nach 34 Jahren ersetzte man 2025 dann im Vergnügungspark Disney
       World auch noch „Muppets*Vision 3D“ durch eine neue Attraktion.
       
       Sind der übereifrige Frosch, die zickige Schweine-Diva und all ihre
       Wegbegleiter*innen also wirklich aus der Zeit gefallen? Hat sich ihr
       Humor mit Hang zu dadaistischen Absurditäten und frechen Parodien schlicht
       überholt?
       
       ## Echte Rückkehr zu den Wurzeln
       
       Oder fehlte schlicht die richtige Vision, wo und wie sich die Talente der
       Muppets (und der begnadeten Puppenspieler*innen) jenseits von
       Gastauftritten bei Lady Gaga oder in Werbespots am besten einsetzen lassen?
       Von Letzterem war nicht zuletzt der Schauspieler, Produzent und
       lebenslanger Muppet-Fan Seth Rogen überzeugt, der nun gemeinsam mit
       Kreativpartner Evan Goldberg für die Rückkehr von „Die Muppet Show“
       verantwortlich zeichnet.
       
       Was Rogen sich für das neuerliche Comeback der Muppets überlegt hat, ist so
       schlicht wie bezwingend. Statt abermals ein neues Format auszuprobieren
       oder die Gang in einen komplett neuen Kontext zu verfrachten, ist dieses
       Mal eine echte Rückkehr zu den Wurzeln angesagt. Der Titel deutet es an:
       Auf dem Programm steht eine Neuauflage jener Show, mit der vor 50 Jahren
       alles begann.
       
       Gleich nachdem Kermit die Lichter im Muppet-Theater wieder anschaltet, wird
       mit einem Gang durch die Ahnengalerie einstiger Gaststars kurz der eigenen
       Vergangenheit gedacht. Doch ansonsten ist, von ein paar Sprüchen über das
       eigene Eingerostet-Sein und noch mehr Überforderung im Backstage-Bereich
       abgesehen, business as usual angesagt.
       
       Gonzo wagt sich mehr schlecht als recht an einen tollkühnen Stunt, Dr.
       Honigtau Bunsenbrenner und Assistent Beaker scheitern mit einem
       wissenschaftlichen Experiment und im Saal sitzen Waldorf und Stettler in
       ihrer Loge und lästern über das Programm auf der Bühne.
       
       Popsängerin Sabrina Carpenter bringt alles mit, was einen idealen
       Muppet-Gaststar ausmacht. Nicht nur musikalisches Talent für ein paar
       Show-Einlagen, auch die sichtbare Freude daran, gemeinsam mit tanzenden
       Hühnern aufzutreten. Dass Miss Piggy sich von ihr auf gar keinen Fall die
       Schau stehlen lassen will, versteht sich von selbst. Die Hauptrolle in
       einem herrlichen „Pigs in Wigs“-Sketch ist ihr immerhin sicher.
       
       Von Ratten, die Pop-Gassenhauer covern, über Maya Rudolph im Publikum bis
       hin zu alten Muppet-Bekannten wie Königskrabbe Pepe, Kermits Neffe Robin
       oder Mahna Mahna & The Snowths – die Rückkehr der Muppet Show trifft genau
       den richtigen Ton und dürfte nicht nur alte Fans begeistern. Ohne den
       Nostalgie-Faktor zu überreizen, aber auch frei von verkrampften
       Modernisierungsversuchen zeigt sich: Der Humor und das Gesamtkonzept
       funktionieren auch heute noch.
       
       Dank der Nummernrevue-Struktur ist „Die Muppet Show“ eigentlich wie gemacht
       dafür, nicht nur im Ganzen, sondern auch in Form viraler Clips und Memes
       konsumiert zu werden. Das Gaststar-Konzept könnte dafür sorgen, dass ein
       Besuch auf Kermits Bühne künftig zum Pflichttermin für Promis auf
       Promo-Tour wird, die anderswo auch scharfe Chicken-Wings verputzen.
       
       Fürs Erste ist diese neue halbstündige Folge allerdings bloß ein
       Testballon. Nur wenn genug Menschen einschalten, dürfen die Muppets
       tatsächlich wieder in Serie gehen.
       
       5 Feb 2026
       
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