# taz.de -- Rollschuhtänzerin über Sport: „Ich wünsche mir, dass Rollkunstlauf auch frei sein kann“
       
       > Influencerin und Rollschuhtänzerin Oumi Janta wirbt für ein weniger
       > leistungsorientiertes Sportverständnis. Und mehr nicht kommerzielle
       > Sporträume.
       
 (IMG) Bild: Kreativität ist wichtiger als Perfektion: Oumi Janta beim Training
       
       taz: Oumi Janta, würden Sie sich als Sportlerin bezeichnen? 
       
       Oumi Janta: Ja, aber nicht in dem klassischen Sinne, dass ich an
       Wettkämpfen teilnehme und jeden Tag trainiere.
       
       taz: Was ist denn Sport für Sie? 
       
       Janta: Es gibt zwei Arten für mich, den eher leistungsorientierten mit
       wirklich straffem Plan, alles im Leben geht um Sport. Und die zweite
       Variante, da ist Sport ein Teil meines Lebens. Ein sehr wichtiger Teil,
       aber ein Teil.
       
       taz: Sie sind professionelle Rollschuhfahrerin [1][mit großer Followership
       bei Social Media.] Kreativität ist Ihnen wichtiger als Perfektion. Kann
       Sportinfluencing Ideen von Sport verändern? 
       
       Janta: Es hat den Sport schon verändert. Aber man muss differenzieren. Es
       ist gut, dass jetzt jeder was öffentlich zu Sport sagen kann, nicht mehr
       nur Personen vom Fach Nationaltrainer. Aber auch sehr gefährlich, weil wir
       sofort glauben, was wir sehen. Es hat den Sport gut und schlecht
       beeinflusst.
       
       taz: Hat es ihn niedrigschwelliger gemacht? Ist es als Sportlerin of Color
       auf Social Media leichter als in klassischen Vereinsstrukturen? 
       
       Janta: Ich finde Vereine nicht per se schlecht. Aber was mir da fehlt, ist
       eine Option für Menschen, die [2][Freizeitsport ausüben möchten ohne
       Leistungsdruck.] Im Sport lernt man so viel über Gemeinschaft und sich
       selbst. Wenn aber dann direkt dieser Leistungsdruck kommt, entsteht auch
       der Vergleich: „Oh, du bist besser als ich. Das heißt, ich bin weniger
       wert.“ Ich finde es sehr wichtig, dass es auch Spaces gibt, wo Menschen dem
       nicht ausgesetzt sind.
       
       taz: Wettbewerb dringt überall rein, Subkulturen wie Breaking und Skating
       zum Beispiel wurden olympisch. Befürchten Sie, dass das auch mit
       Rhythmskating/Jamskating passieren könnte? 
       
       Janta: Ich empfinde Olympia nicht als Bedrohung für die Culture, eher als
       Türöffner. Aber Wettbewerb prägt die Leute anders. In der Rollschuhszene
       gibt es den wettbewerbsorientierten Rollkunstlauf, und die Rollkunstläufer
       sind nach dem Motto drauf: Genau so muss der Move sein. Das liebe ich auch,
       weil ich davon lerne. Aber da herrscht so ein Drill manchmal. Und es gibt
       für Kinder oft keine Kurse, die nicht wettbewerbsorientiert sind. Dagegen
       unsere Community, die Rhythmskater/Jamskater, gelten ihnen als die Freien.
       Und ich würde mir wünschen, dass der Rollkunstlauf auch frei sein kann.
       
       taz: Was braucht man im Sport, um solche Spaces zu schaffen? 
       
       Janta: Die Politik muss mehr investieren [3][in alternativen Sport], der
       nicht wettbewerbsorientiert ist. In den 1990ern gab es in Berlin so viele
       Horte und Jugendzentren. Jetzt gibt es das kaum mehr. Gelder für kleine
       Räume sind so wichtig, vor allem für Kinder, die sich einen Verein nicht
       leisten können. Der einzige Space, der mir diese Freiheit gegeben hat, war
       das Tempelhofer Feld. Denn um Sportstätten oder Sporthallen zu mieten,
       braucht es einen Verein. Ich habe in meiner Laufbahn oft versucht, so was
       für Skater möglich zu machen, aber es ist nicht einfach. Ein Verein braucht
       so viel Arbeit, das kann ich mir gerade einfach nicht leisten. Mein Wunsch
       wäre ein staatlich geförderter, nicht kommerzieller Sportraum.
       
       taz: Bräuchten freie Sportarten aber nicht auch eine gemeinsame
       Lobbyorganisation? 
       
       Janta: Es wäre schön, wenn man sich zusammentun könnte, dann wären wir
       stärker. Oder man gründet doch Vereine. Aber welche, die nicht
       leistungsorientiert sind.
       
       taz: Sie sind als Studentin zum Rollschuhfahren gekommen und dann auf
       Social Media groß geworden. Hatten Sie Schwarze Frauen als Vorbilder? 
       
       Janta: Für mich gab es nicht unbedingt Role Models im Skaten. Die Einzige
       war die Schwarze Eisskaterin Surya Bonaly, die den verbotenen Backflip
       gemacht hat. Ich habe Eiskunstlauf früher sehr gern angeschaut. Und es hat
       was mit mir gemacht, als ich von dieser Eiskunstläuferin gehört hab, die
       Schwarz war, und ich dachte so: wow. Dann fällt es einem leichter, sich da
       selbst zu sehen.
       
       taz: Wie haben Sie in Ihrer Kindheit Diversität im deutschen Sport erlebt? 
       
       Janta: Ich bin in den Neunzigern geboren und da war es gleich null. Im
       Karate war ich die einzige Person of Color, in der Leichtathletik auch.
       Trotzdem habe ich mich im Sport am wohlsten gefühlt, weil ich da die
       Rassismuserfahrungen nicht richtig spüren musste. Es ging eher um Leistung,
       das war ein Safe Space für mich. Ich war die Beste im Sprint, ich habe mich
       einfach aufgehoben gefühlt.
       
       taz: Hat sich seitdem etwas verändert? 
       
       Janta: Es gibt auf jeden Fall mehr Diversität. Ich habe das Gefühl, dass
       sich Deutschland auch im Sport mehr mit dem Thema befasst. Aber ich will
       nicht für jeden sprechen.
       
       taz: Es wird mehr gesprochen, gleichzeitig wird der Rechtsruck immer
       heftiger. Verändert das Ihr Skaten? Gibt es Orte, wo Sie nicht mehr
       hingehen? 
       
       Janta: Auf jeden Fall. Man kann dort von Triggern ausgehen und hat ein
       schlechtes Bauchgefühl. Ich meide bestimmte Orte. Und wenn, dann gehe ich
       mit mehreren Leuten.taz: Sie äußern sich sowohl für Black Empowerment als
       auch für Feminismus, trotzdem ist Ihr Kanal eher unpolitisch. Weil ein
       politischerer Kanal ein Problem für Ihre Vermarktbarkeit wäre?
       
       Janta: Wenn man sich politisch äußert, kommen ganz klar weniger
       Kooperationen rein. Aber das ist nicht der Grund für mich. Ich muss nicht
       jeden Aspekt in meinem Leben politisieren. Ich möchte, dass es dort nur um
       Bewegung und Selbstbestimmung geht. Ich reposte und like politische Videos.
       Aber ich habe mich einmal geäußert und wurde so hart verbal attackiert. Ich
       mache mich noch angreifbarer, weil ich PoC bin. Das heißt nicht, dass ich
       die Augen zumache. Ich habe kein Problem damit, mich im echten Leben
       politisch auseinanderzusetzen. Nur auf meiner Page nicht.
       
       taz: Wozu haben Sie sich geäußert? 
       
       Janta: Zu Palästina und Israel. Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein
       Shitstorm so mitnimmt. Ich habe Angst gehabt. Ich habe im Bett geweint. Da
       kriegt man Drohnachrichten, Mordnachrichten. Diese heftige Cancel Culture
       ist so schade, man kommt nicht mal mehr in Diskurs. Und es ist so wichtig,
       dass Menschen verschiedene Meinungen haben, miteinander darüber reden,
       diskutieren und auch verzeihen können. Jeder hat Angst, irgendwas zu sagen.
       Und dann wird's gefährlich.
       
       taz: Von Sportler:innen wird oft gefordert, dass sie sich politisch
       äußern. Wenn sie es tun, ist die Empörung sofort riesig. 
       
       Janta: Ich bin die ganze Zeit in einem Streit mit mir. Ich denke gar nicht
       so sehr darüber nach, was es für Auswirkungen auf meine Page hat, sondern
       vor allem: Was hat das für Auswirkungen auf meine Seele? Wenn ich nochmal
       politische Videos mache, dann separat und recherchiert.
       
       taz: Rythmskating/Jamskating ist eine Kultur, die ganz maßgeblich aus
       Schwarzen Communitys in den USA kommt. Was bedeutet es für Sie, dass Sie
       gerade diesen Sport betreiben? 
       
       Janta: Sehr viel. Und das ist ganz lustig, weil ich vorher die Wurzeln gar
       nicht kannte. Mein Impuls zum Rollschuhlauf kam, weil ich die ganze Zeit
       Eiskunstlauf geguckt habe. Und als ich es dann wusste, hat es das einfach
       noch ein bisschen schöner gemacht.
       
       taz: Wie divers ist die Szene in Deutschland? 
       
       Janta: Hält sich in Grenzen. In Paris oder London skaten sehr viele Leute
       aus karibischen oder afrikanischen Ländern. Dann kann diese Black Culture
       entstehen. Und manchmal vermisse ich das hier. Man tanzt dort viel freier,
       viele Deutsche mögen gern Routinen und Choreos. In Großbritannien haben die
       ein ganz eigenes Ding erfunden, das Rückwärtsfahren. Dort lerne ich viel
       schneller als in Deutschland. Und wenn du in den USA skatest, kann dich eh
       keiner aufhalten. In Deutschland haben wir schon allein viel weniger
       Rollerrinks, deswegen fällt es uns auch schwerer, kulturell einen Halt zu
       finden.
       
       taz: In den letzten Jahren gibt es trotzdem auch hier wieder einen krassen
       Boom. Was fasziniert Leute so am Rollschuhfahren, dass es immer
       wiederkommt? 
       
       Janta: Bei den einen ist das wie eine Nostalgie, das haben sie nur in
       Filmen gesehen. Aber für die meisten Leute hier in Deutschland ist es so,
       sie sind nur mit der Vereinsstruktur aufgewachsen. Und wenn man dann
       alternative Sportarten sieht, wow. Du musst nicht unbedingt gut sein, um
       Teil der Community zu sein. Du kommst mit so vielen Leuten in Kontakt. Ich
       rolle und ich sehe Leute, die tanzen. Es macht so viel Spaß. Du treibst
       Sport, ohne es überhaupt zu merken.
       
       taz: Ist das eine Vision auch für einen besseren Sport? 
       
       Janta: Auf jeden Fall. Rollschuhfahren wird nicht den Weltfrieden bringen,
       aber es vereint so viele Personen. Und es ist sehr einfach, Zugang zu
       finden, ohne beurteilt zu werden.taz: Klänge auch verlockend für
       Olympiavermarkter. Wenn man dort Roller Dance ins Programm aufnähme, würden
       Sie antreten?
       
       Janta: Ich sehe mich da eher nicht, aber vor allem, weil es in den Staaten
       so viele Skaterinnen gibt, die so viel krasser drauf sind. Aber ich würde
       zugucken.
       
       3 Feb 2026
       
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