# taz.de -- Terrorismus in Südasien: Mit den Explosionen kehren die Spannungen zurück
> Zwei mutmaßliche Anschläge in den Hauptstädten Indiens und Pakistans
> verschärfen die Lage in der Region. Beide Länder suchen nun nach
> Schuldigen.
(IMG) Bild: Nach den Explosionen kommen die Spannung und gegenseitige Schuldzuweisungen
Seit der Regierungszeit des Hardliner-Premierministers Narendra Modi (BJP),
der seit 2014 regiert, galten Indiens Metropolen als weitgehend sicher vor
Anschlägen. [1][Das änderte sich am vergangenen Montag], als in der Nähe
des Roten Forts im Zentrum der indischen Hauptstadt Delhi ein Auto
explodierte und laut [2][Times of India] zwölf Menschen starben – andere
Quellen sprechen von 13 Toten.
An diesem Tag war die Touristenanlage wie jeden Montag geschlossen – ein
Hinweis darauf, dass der laut offiziellen indischen Stellen inzwischen
identifizierte Täter Umar Un Nabi aus Jammu und Kaschmir überstürzt
handelte. [3][Medien berichten], die Verdächtigen hätten mehrere Ziele ins
Visier genommen, darunter das India Gate und einen Hindu-Tempel.
Der Anschlag scheint improvisiert – ausgelöst womöglich durch die vorherige
Festnahme von Komplizen. Ermittler:innen prüfen Verbindung zur
pakistanisch unterstützten [4][Terrororganisation Jaish-e-Mohammed (JeM)],
die als Drahtzieherin des Anschlags auf das indische Parlament im Jahr 2001
gilt. Nach dem Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Städten
verschärft. Mumbai wie Delhi waren – zuletzt 2008 und 2011 – Ziel schwerer
[5][Anschläge].
Keine 24 Stunden später erschütterte eine Explosion Pakistans Hauptstadt
Islamabad: Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Dienstag in der Nähe
eines Gerichtsgebäudes in die Luft und tötete ebenfalls zwölf Menschen –
der erste Anschlag dieser Art seit fast drei Jahren. Eine direkte
Verbindung zu Delhi ist bislang nicht bekannt.
## Schuldzuweisungen in beide Richtungen
[6][Pakistans] Premierminister Shehbaz Sharif beschuldigte seine Nachbarn
Indien und Afghanistan, in die Anschläge verwickelt zu sein. Laut der
pakistanischen Zeitung [7][Dawn] bekannten sich die verbotenen
pakistanischen Taliban ([8][Tehreek-i-Taliban Pakistan – TTP)] zu dem
Attentat. Indiens Premier Modi sprach unterdessen von einer „Verschwörung“,
ohne Pakistan zu nennen.
Delhi wies die „[9][haltlosen und unbegründeten Anschuldigungen]“ zurück.
Indien wirft Pakistan seit Langem vor, militante Gruppen im Land zu
unterstützen. In den vergangenen Jahren hat Pakistan seine ähnlichen, gegen
Indien gerichteten Behauptungen verstärkt, wodurch die ohnehin fragile Lage
sich weiter verschärft.
In Indien wurde der Fall an die führende Anti-Terror-Behörde NIA übergeben.
Sie verfolgt Verbindungen in den indischen Teil Kaschmirs, wo es zuletzt zu
Festnahmen kam. Eine Gruppe radikalisierter Ärzte um den 29-jährigen Umar
Un Nabi soll sich über Telegram organisiert haben. Bei Razzien
beschlagnahmten Ermittler:innen fast drei Tonnen Sprengstoff und
zahlreiche Waffen.
## Angespannte Lage nach Konflikt
Für Indien und Pakistan sind die Anschläge ein weiterer Beleg für die
anhaltende Instabilität in Südasien. Die regionale Dynamik ist seit der
Machtübernahme der Taliban in Afghanistan 2021 noch komplizierter geworden.
Die Beziehungen zwischen Kabul und Islamabad haben sich verschlechtert. Am
Mittwoch kündigte [10][Kabul] an, seinen Handel mit Islamabad einzustellen.
Delhi hingegen bemüht sich, die [11][Kontakte zum Talibanregime] zu
stabilisieren.
Die Explosionen ereigneten sich nur Monate nach einem tödlichen Anschlag im
indischen Teil Kaschmirs, der im Mai zu einem [12][militärischen
Schlagabtausch] der beiden Erzfeinde führte. „Wir beobachten eine zunehmend
instabile Sicherheitslage in ganz Südasien“, sagte Farwa Aamer, Direktorin
der Südasien-Initiativen am Asia Society Policy Institute, gegenüber dem
[13][TV-Sender CNN]. „Die Region wird durch fragile Waffenstillstände
zusammengehalten. Was jetzt gebraucht wird, ist Zurückhaltung, Reflexion
und die Verpflichtung, den Kurs der Region wieder in Richtung Stabilität zu
lenken.“
Derzeit deutet jedoch wenig auf eine neue militärische Eskalation hin.
Indien steckt mitten in Verhandlungen über Freihandelsabkommen mit der EU
und den USA und versucht zugleich, das frostige Verhältnis zu China zu
entspannen. Islamabad setzt auf Rückendeckung aus Peking und hat seine
Beziehungen zu Washington zuletzt auf Kosten Delhis ausgebaut.
12 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Explosionen-in-Delhi-und-Islamabad/!6128812
(DIR) [2] https://timesofindia.indiatimes.com/india/delhis-red-fort-blast-explained-who-was-in-the-car-how-the-bomb-worked-and-what-comes-next/articleshow/125266161.cms
(DIR) [3] https://www.ndtv.com/india-news/delhi-red-fort-blast-live-updates-car-explosion-many-feared-dead-after-explosion-in-car-near-red-fort-in-delhi-pm-modi-rekha-gupta-delhi-9609750
(DIR) [4] https://indianexpress.com/article/india/explosives-in-faridabad-doctors-house-transnational-terror-module-busted-j-k-police-probe-10356894/
(DIR) [5] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_terrorist_incidents_in_India
(DIR) [6] https://www.aljazeera.com/news/liveblog/2025/11/11/islamabad-bomb-blast-live-12-dead-in-pakistan-capital-in-suicide-attack
(DIR) [7] https://www.dawn.com/news/1954656/cowardly-attacks-will-not-weaken-resolve-to-deal-with-menace-of-terrorism-says-dar
(DIR) [8] /Pakistans-Umgang-mit-den-Taliban/!5806802
(DIR) [9] https://x.com/meaindia/status/1988285185851617402?%20s=48&t=umuMvVf9Ev0I0BGkceS-FA
(DIR) [10] https://dailytimes.com.pk/1399229/three-month-ultimatum-afghan-traders-must-stop-pakistan-trade/
(DIR) [11] /Diplomatische-Anerkennung-in-Aussicht/!6119769
(DIR) [12] /Kaempfe-zwischen-Pakistan-und-Indien/!6084325
(DIR) [13] https://edition.cnn.com/2025/11/12/asia/delhi-islamabad-blast-analysis-intl-hnk
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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