# taz.de -- Werksschließung bei Jungheinrich: Seit 78 Tagen im Streik
       
       > Der Arbeitskampf in einem Lüneburger Werk des Maschinenbaukonzerns
       > Jungheinrich dauert an. Es wird wohl aber nur noch über Abfindungen
       > verhandelt.
       
 (IMG) Bild: Sein Job ist bedroht: Mitarbeiter im Jungheinrich-Werk in Lüneburg
       
       Über den Köpfen schwenken sie Fahnen der IG Metall und Schilder mit der
       Forderung nach einem Tarifvertrag, sie halten Banner mit der Aufschrift
       „Zukunft oder Widerstand“ und „Nachhaltig unsozial“ – das sind die Bilder,
       die seit Ende November vergangenen Jahres von den Mitarbeitenden [1][am
       Lüneburger Standort der Maschinenbaufirma Jungheinrich] im Netz kursieren.
       
       Seit 78 Tagen befinden sie sich schon im Streik. Ursprünglich wollten sie
       ihren Arbeitgeber damit zu Verhandlungen über den Erhalt der Arbeitsplätze
       zwingen. Jungheinrich hatte im Sommer 2025 angekündigt, das Werk bis Ende
       2027 schließen zu wollen.
       
       Die Hoffnung auf eine Rettung der Produktion ist begraben. Von den rund 380
       Arbeitsplätzen in Lüneburg sollen lediglich 140 Stellen in der Konstruktion
       und Verwaltung erhalten bleiben. Für die verbleibenden 190
       Industriearbeiter:innen bedeutet das geplante Ende des Werks bis
       2027 den Verlust ihres Jobs.
       
       Dieser Kahlschlag ist Teil eines globalen Sparprogramms, mit dem
       Jungheinrich insgesamt 1.000 Stellen streichen will – neben Lüneburg trifft
       es im Norden vor allem Norderstedt mit 235 wegfallenden Jobs.
       
       ## Gerichtsverhandlung abgesagt
       
       Somit scheint ein Ende des Streiks absehbar. Beide Seiten verhandeln ab
       nächster Woche über Abfindungen. Diese sollen die Mitarbeitenden in
       Lüneburg erhalten, die voraussichtlich ihre Stellen verlieren werden. Auch
       über zusätzliche Abfindungen für Mitglieder der IG Metall wird verhandelt.
       
       Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite hätten sich darauf verständigt, die
       Gespräche in der kommenden Woche von Montag bis Donnerstag fortzusetzen,
       heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag dieser Woche. Über konkrete
       Absprachen und künftige nächste Schritte hätten beide Parteien
       Stillschweigen vereinbart.
       
       Eine Gerichtsverhandlung, die am Arbeitsgericht Lüneburg angesetzt war,
       wurde kurzfristig abgesagt. Dabei ging es um einen Antrag vonseiten des
       Arbeitgebers auf eine einstweilige Verfügung gegen die Streikenden. Diese
       hatten am 15. Januar im Rahmen des Streiks für fünfeinhalb Stunden die
       Zufahrt des Werks blockiert.
       
       Laut dem Gericht hätten beide Parteien „vor dem Hintergrund der
       mittlerweile aufgenommenen Verhandlungen eine Zwischenregelung getroffen“.
       Der Gerichtstermin sei somit aufgehoben. Das bestätigte ein Pressesprecher
       der Firma Jungheinrich gegenüber der taz.
       
       ## Rekordverdächtig
       
       Der Arbeitskampf in Lüneburg war besonders intensiv. Die Streikenden
       blockierten nicht nur die Tore, sie demonstrierten unter anderem auch in
       Wohltorf in Schleswig-Holstein, einem Wohnort der Eigentümerfamilien, sowie
       vor dem Maritim-Hotel in Düsseldorf. [2][Dort fand die Gala des „Deutschen
       Nachhaltigkeitspreises“ statt, für den die Firma Jungheinrich ausgezeichnet
       worden war.]
       
       Dass ein Arbeitskampf so lange dauert, ist selten. Zuletzt knackten
       [3][Beschäftigte eines Recyclingunternehmens in Espenhain in Sachsen] um
       den Jahreswechsel 2023/24 die Rekordmarke des längsten Streiks der
       Metallindustrie und der Geschichte der IG Metall. Über ein halbes Jahr
       streikten sie.
       
       Auch wenn der Kampf um den Erhalt der Stellen verloren ist, geht es
       weiterhin um einen Tarifvertrag. Jan Mentrup, Pressesprecher der IG Metall,
       spricht von einem unveränderten Sachstand. „Die Beschäftigten befinden sich
       seit November und aktuell weiterhin im Streik“, sagt er.
       
       5 Feb 2026
       
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