# taz.de -- Nominierung für Vorsitz der US-Notenbank: Vom Ex-Direktor zum Chef
> Ökonom Kevin Warsh hat sich im Rennen um den Vorsitz der US-Notenbank
> durchgesetzt. US-Präsident Trump nominierte ihn als Nachfolger Jerome
> Powells.
(IMG) Bild: Ist Anhänger niedrigerer Leitzinsen: der US-Ökonom Kevin Warsh
reuters | Der Ökonom und frühere Fed-Direktor Kevin Warsh hat sich im
Rennen um den künftigen Vorsitz der [1][US-Notenbank] durchgesetzt. Damit
gelangt ein ausgewiesener Finanzexperte an die Spitze der einflussreichsten
Zentralbank der Welt, die von politischen Weisungen unabhängig ist.
Zugleich hat US-Präsident Donald Trump bereits vor der Nominierung betont,
dass der Nachfolger von [2][Fed-Chef Jerome Powell] ein Anhänger
niedrigerer Leitzinsen sein werde. Für den derzeit an der
US-Eliteuniversität Stanford tätigen Warsh ist es eine Rückkehr an seine
alte Wirkungsstätte, denn er saß bereits von 2006 bis 2011 im Board der
US-Notenbank.
In diese Zeit fielen die globale Finanzkrise und die dadurch ausgelösten
Erschütterungen, die die Arbeitslosenzahlen hochtrieben. Anders als damals
läuft die US-Wirtschaft zwar rund. Doch die auch wegen der Folgen der
Zollpolitik Trumps weiter hartnäckig erhöhte Inflation und ein merklich
abgekühlter Arbeitsmarkt stellen die Fed vor neue Herausforderungen,
während sie von Trump immer wieder zu Zinssenkungen gedrängt wird.
## Fed-Chef Powell im Visier der Justiz
Powell ist im Zuge von Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden
US-Dollar teuren Renovierungsprojekt am Sitz der Fed in Washington sogar
[3][ins Visier der Justiz geraten]. Der Fed-Chef bezeichnete das Vorgehen
als Vorwand, um ihn wegen der von Trump geforderten Zinssenkungen unter
Druck zu setzen. Warsh (55) hatte in einem Interview mit Fox News Mitte
vorigen Jahres klargemacht, dass er für eine Lockerung des geldpolitischen
Kurses eintreten würde, wenn er darüber mitzubestimmen hätte.
Warsh wurde in Albany im US-Bundesstaat New York geboren. Er studierte
Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften und Statistik
an der Stanford University, wo er 1992 seinen Bachelor-Abschluss mit
Auszeichnung erwarb. Anschließend studierte er an der Harvard Law School
an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Regulierungspolitik und
schloss sein Jurastudium 1995 ab.
In seiner beruflichen Karriere hat er Erfahrung im Finanzsektor und in der
Politik gesammelt. Warsh arbeitete unter anderem für die US-Großbank Morgan
Stanley und später auch im wirtschaftlichen Beratergremium von Präsident
George W. Bush, bevor er zur Fed wechselte.
## Soll Fed näher ans Finanzministerium rücken?
Warsh hatte Mitte Juli 2025 mit Vorschlägen zum Verhältnis zwischen Fed und
Finanzministerium für Aufsehen gesorgt. In einem Interview mit dem
Fernsehsender CNBC lancierte er die Idee, die 1951 beschlossene
Übereinkunft aufzuweichen, wonach das Schuldenmanagement des
US-Bundesstaates von der Geldpolitik getrennt ist. Eine Reform könnte aus
Sicht von Warsh den Prozess der Bilanzreduzierung der Fed erleichtern,
indem beide Institutionen ihre Absichten gemeinsam kommunizierten. Dies
bedeute jedoch nicht per se eine Zusammenarbeit mit der Regierung.
Die Vereinbarung vom März 1951 beendete eine Periode, in der sich die
Zentralbank auf Ersuchen des Finanzministeriums zu einer Niedrigzinspolitik
verpflichtet hatte, um günstigere Bundesanleihen zur Finanzierung der
Kriegsanstrengungen im Zweiten Weltkrieg zu ermöglichen. Historiker
betrachten diese Vereinbarung als einen entscheidenden Moment, der ihre
praktische Unabhängigkeit von der Regierung etablierte und den Grundstein
für die zukünftige Geldpolitik legte. Nunmehr hat Trump mit seinen Attacken
auf die Notenbank eine Debatte darüber entfacht, ob diese Unabhängigkeit in
Gefahr gerät. Der US-Präsident hat bereits die Erwartung geäußert, dass er
vor Zinsentscheidungen gehört werden möchte.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Drohende-Anklage-gegen-US-Notenbank/!6144878
(DIR) [2] /Fed-Chef-Powell-bleibt-stur/!6095199
(DIR) [3] /Trump-gegen-Jerome-Powell/!6145024
## TAGS
(DIR) Jerome Powell
(DIR) Fed
(DIR) US-Notenbank
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) USA
(DIR) Donald Trump
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Fed
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nominierter neuer Fed-Chef: Keine Angst vor Warsh
Die Börsen bleiben angesichts der neuen Personalie gelassen. Denn der
mögliche neue Fed-Chef ist kein allmächtiger Zinszar.
(DIR) Streit um neuen Chef der US-Notenbank: Widerstand gegen Powell-Nachfolger aus den eigenen Reihen
Ein republikanischer Senator will Donald Trumps Kandidaten für die Spitze
der US-Notenbank Fed blockieren. Gegenwind droht auch von den Demokraten.
(DIR) Wirtschaft in den USA: Zwischen potenziellem Shutdown und KI-Hype
Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Ihr Chef Powell rät seinem
Nachfolger zu Distanz zu Trump. Tesla setzt auf Robotik und Meta auf KI.
(DIR) Trump gegen Jerome Powell: Die Inflation würde zulegen
Der US-Präsident droht dem Notenbankchef mit einer Anklage. Trump will die
Zinsen senken, aber das wäre fatal für die US-Wirtschaft.
(DIR) US-Justiz geht gegen Fed vor: Die Unabhängigkeit der US-Notenbank steht auf dem Spiel
Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und der Fed eskaliert. Das
Justizministerium lädt die Behörde vor. Das kritisieren auch Republikaner.