# taz.de -- Wirtschaft in den USA: Zwischen potenziellem Shutdown und KI-Hype
       
       > Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Ihr Chef Powell rät
       > seinem Nachfolger zu Distanz zu Trump. Tesla setzt auf Robotik und Meta
       > auf KI.
       
 (IMG) Bild: Fed-Chef Jerome Powell nach der Pressekonferenz zum Leitzins am 28. Januar
       
       ## US-Notenbank fasst Leitzins nicht an
       
       Eine Stabilisierung des Arbeitsmarkts und eine anhaltend hohe Inflation
       haben die US-Notenbank erstmals seit Monaten zur Beibehaltung des
       Leitzinses bewogen. Das Zinsniveau bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent.
       Es gebe derzeit anhand vorliegender Daten keinen Grund für eine
       Zinssenkung, sagte [1][Fed-Chef Jerome Powell] bei einer Pressekonferenz.
       
       Auf den Euro-Dollar-Kurs hatte die Zinsentscheidung keine großen
       Auswirkungen. Der Euro hatte am Tag zuvor bereits aufgrund irritierender
       Aussagen von US-Präsident Donald Trump deutlich gegenüber dem Dollar
       zugelegt. Dass der Euro nach Bekanntgabe des Leitzinses auf dem Niveau
       verblieb, dürfte auch damit zusammenhängen, dass eine Mehrheit der
       Volkswirte mit einem stabilen Zins gerechnet hatte und die Entscheidung
       bereits eingepreist war.
       
       Deutsche und Bürger anderer Euroländer, die eine Reise in die USA planen
       oder beim Online-Shopping in Dollar bezahlen, bekommen derzeit mit rund
       1,19 Dollar pro Euro etwas mehr umgetauscht als noch vor wenigen Tagen.
       
       Für das laufende Jahr rechnen Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins
       in zwei Schritten senken dürfte – also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Bis
       zum Sommer dürfte sich allerdings kaum etwas am derzeitigen Leitzins
       ändern, vermutet LBBW-Research-Analyst Elmar Völker: „Wir rechnen derzeit
       nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers
       von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung.“ (dpa)
       
       ## Powell rät Nachfolger zu Distanz zur Politik
       
       Inmitten von Spekulationen ‌über seine Zukunft und ⁠einer strafrechtlichen
       Untersuchung hat US-Notenbankchef Jerome Powell seinem künftigen Nachfolger
       einen klaren Rat erteilt. „Halten Sie sich aus der Parteipolitik heraus,
       lassen Sie sich nicht in die Parteipolitik hineinziehen. Tun Sie es nicht“,
       sagte Powell am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Zugleich wich er
       wiederholt Fragen zu einer Untersuchung des Justizministeriums sowie zu
       seinen eigenen Plänen nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai
       aus.
       
       Hintergrund der Fragen war eine ⁠Untersuchung ‍des US-Justizministeriums
       wegen Kostenüberschreitungen bei der Renovierung des Notenbankhauptsitzes,
       die Powell selbst Anfang Januar in einer Videobotschaft ⁠öffentlich gemacht
       hatte. Auf der Pressekonferenz lehnte er es jedoch ab, Details zu nennen
       oder zu sagen, ob er nach Mai im Vorstand der Fed bleiben werde. Seine
       Amtszeit als Vorstandsmitglied läuft noch zwei Jahre. „Ich habe Ihnen dazu
       heute wirklich nichts zu sagen“, wiederholte Powell mehrfach.
       
       Die Personalie Powell ist politisch hochbrisant. US-Präsident Donald Trump,
       der Powell ursprünglich nominiert hatte, wägt derzeit ab, wen er als
       nächsten Fed-Chef benennen wird. Trump hat Powell und die Notenbank
       ⁠wiederholt scharf für ihre aus seiner Sicht zu straffe Geldpolitik
       kritisiert und fordert aggressive Zinssenkungen, obwohl die Inflation
       weiterhin über dem 2-Prozent-Ziel der Fed liegt. Die Bereitschaft zu
       Zinssenkungen gilt ‍als entscheidendes Kriterium ⁠für Trumps
       Kandidatenwahl, was Sorgen um die gesetzlich verankerte Unabhängigkeit ‌der
       Notenbank schürt.
       
       Die Spannungen zwischen der Regierung und der Fed zeigten sich zuletzt auch
       bei einem Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof. Powell nahm an der
       Anhörung zu Trumps Versuch teil, die Notenbankgouverneurin Lisa Cook aus
       dem ‌Amt zu entfernen. „Ich würde sagen, dass dieser Fall vielleicht der
       wichtigste Rechtsfall in der 113-jährigen Geschichte der Fed ist“, sagte
       Powell. Es wäre schwer zu erklären gewesen, warum er als Fed-Chef nicht
       daran ⁠teilgenommen hätte. (rtr)
       
       ## USA und Mexiko wollen Handelsabkommen überarbeiten
       
       Die USA ⁠und Mexiko wollen ihr gemeinsames Handelsabkommen (USMCA)
       überarbeiten und formale Gespräche über mögliche Reformen beginnen. Das
       teilte das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer am Mittwoch nach
       einem Treffen mit dem mexikanischen Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard mit.
       Mögliche ⁠Reformen ‍umfassen demnach stärkere Ursprungsregeln für
       Industriegüter und Maßnahmen gegen ⁠das, was die US-Regierung als
       unerbitterliches Dumping von Industriegütern in der Region bezeichnet.
       
       Die Gespräche sind vor allem für die deutsche Automobilindustrie von hoher
       Bedeutung. Konzerne wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz betreiben große
       Werke in Mexiko, um von dort aus zollfrei den US-Markt zu ⁠beliefern. Eine
       Verschärfung der Ursprungsregeln könnte dazu führen, dass ihre Fahrzeuge
       nicht mehr für den zollfreien Zugang qualifiziert ⁠sind. Hintergrund ist
       eine im Abkommen verankerte Überprüfungsklausel, die bis zum 1. Juli
       greift. US-Präsident Donald ‍Trump ⁠hatte das Abkommen als irrelevant
       bezeichnet. ‌Handelsbeauftragter Greer erklärte, eine einfache Verlängerung
       sei nicht im nationalen Interesse der USA. (rtr)
       
       ## Bald wieder Shutdown in den USA?
       
       Es gab Tausende Flugausfälle, Beamte bekamen kein Gehalt, Bedürftige keine
       Essensmarken – und viele US-Behörden arbeiteten nicht mehr: Erst im
       November, als sich Demokraten und Republikaner nach langem Streit auf einen
       Übergangshaushalt einigen konnten, endete der bislang längste
       Teilstillstand der US-Regierungsgeschäfte. An diesem Freitag läuft der
       Überbrückungsetat nun aus – und die Anschlussfinanzierung ist längst nicht
       gesichert.
       
       Damit könnte es zum zweiten Mal in der noch relativ jungen Amtszeit von
       Präsident Donald Trump zu einem sogenannten [2][Shutdown] kommen. Das hat
       auch mit den tödlichen Schüssen bei einem Einsatz von Bundesbeamten in
       Minneapolis zu tun, die den [3][US-Bürger Alex Pretti] das Leben kosteten
       und seit einer Woche das ganze Land aufwühlen.
       
       Die folgenschweren Schüsse auf zwei weiße US-Bürger durch Bundesbeamte in
       Minneapolis lösten landesweit Proteste aus. Wenige Wochen vor dem Tod des
       Krankenpflegers Pretti hatte ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE dort
       schon die US-Bürgerin Renée Good in ihrem Auto erschossen. Die Wut und die
       Empörung, die das in der Stadt im nördlichen Bundesstaat Minnesota
       auslöste, spiegelt sich auch auf politischer Ebene wider. Die Demokraten
       wollen der rigorosen Abschiebepolitik unter Trump mit Razzien vor allem in
       demokratisch regierten Städten einen Riegel vorschieben. Über den Haushalt
       versuchen sie, eine Abkehr von den brutalen Einsatzmethoden zu erzwingen.
       (dpa)
       
       ## Musk rüstet Tesla auf Roboter und Robotaxis um
       
       Nach dem ersten Jahr mit einem Umsatzrückgang schwört Elon Musk Tesla auf
       eine Zukunft mit Robotern und Robotaxis ein. Die älteren Modelle S und X
       werden eingestellt, um Kapazitäten für die Roboterproduktion freizumachen.
       Sie begründeten einst den Ruf Teslas, wurden zuletzt aber kaum mehr
       ausgeliefert. In diesem Jahr soll die Fertigung des Robotaxi-Fahrzeugs
       Cybercab ohne Lenkrad und Pedale beginnen. Davon werde man mit der Zeit
       vielfach mehr Wagen bauen als von allen anderen Modellen zusammen, so die
       Hoffnung des Tesla-Chefs.
       
       In den beiden neuen Bereichen trifft Tesla auf starke Rivalen und muss erst
       noch beweisen, dass die Technologie des Elektroautovorreiters am Markt
       bestehen kann. So hat Tesla bisher nur einige fahrerlose Robotaxis in der
       texanischen Stadt Austin im Einsatz. Sie wurden zuletzt noch von Aufpassern
       im Beifahrersitz begleitet. Die Google-Schwesterfirma Waymo betreibt
       unterdessen mehr als 2.500 fahrerlose Wagen in mehreren US-Städten und ist
       auf Expansionskurs.
       
       Zudem ist umstritten, ob Musks Entscheidung, beim autonomen Fahren nur mit
       Kameras auszukommen, ausreichende Sicherheit bringt. Waymo und andere
       Hersteller setzen zusätzlich auf weitere Sensoren, vor allem Laserradare,
       die die Umgebung der Fahrzeuge abtasten. Geht Musks Rechnung auf, hätte
       Tesla einen enormen Kostenvorteil.
       
       Laut Musk testet Tesla seinen Robotaxidienst aktuell mit rund 500
       Fahrzeugen in Austin und im Bundesstaat Kalifornien. Allerdings muss in
       Kalifornien nach wie vor ein Sicherheitsfahrer am Steuer sitzen. Für Teslas
       Roboter mit dem Namen Optimus seien unterdessen nur chinesische Entwickler
       eine nennenswerte Konkurrenz, sagte Musk. Allerdings gibt es auch in den
       USA Firmen, die bereits ihre Roboter in Fabriken getestet haben – etwa
       Figure AI im US-Werk von BMW. Tesla will die Optimus-Produktion in diesem
       Jahr beginnen – und Musk stellte jüngst auch in Aussicht, dass die bis Ende
       2027 „der Öffentlichkeit“ zum Verkauf angeboten werden könnten.
       
       Um Platz für die Roboterproduktion zu machen, werde im kommenden Quartal
       die Herstellung der größeren Modelle S und X im kalifornischen Stammwerk
       Fremont eingestellt, sagte Musk. Besitzer der Wagen würden über die
       Lebenszeit der Fahrzeuge weiterhin technische Unterstützung bekommen,
       versicherte er. (dpa)
       
       ## Meta schraubt KI-Investitionen hoch
       
       Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will seine Online-Plattformen mit
       künstlicher Intelligenz stärker auf einzelne Nutzer zuschneiden. Heute
       seien Dienste des Facebook-Konzerns Meta dazu da, mit Freunden in Kontakt
       zu bleiben oder interessante Dinge zu entdecken, sagte Zuckerberg. Bald
       werde man beim Öffnen der Meta-Apps aber auf eine KI treffen, „die einen
       versteht“.
       
       Diese Software werde „einzigartige persönliche Ziele“ der Menschen erkennen
       können, versprach er. Mit diesem Wissen sollen dann jedem Einzelnen
       „Inhalte angezeigt werden, die ihnen helfen, ihr Leben so zu verbessern,
       wie sie das möchten“, kündigte der Meta-Chef an.
       
       Zu Meta gehören unter anderem auch Instagram und der Chatdienst WhatsApp.
       Der Konzern verdient sein Geld mit Online-Werbung auf den Plattformen – und
       auch hier soll künstliche Intelligenz eine größere Rolle spielen. So werde
       man Nutzern helfen, Produkte zu finden, die sie interessieren, sagte
       Zuckerberg.
       
       ## Gewaltige Investitionen
       
       Die Beiträge in den Apps sollen mit dem KI-Wandel zudem interaktiver
       werden. Ein Nutzer werde zum Beispiel per Sprachbefehl an die Software ein
       eigenes Spiel gestalten und es mit anderen teilen können, stellte
       Zuckerberg in Aussicht. Heute seien auf den Plattformen vor allem Videos zu
       finden – aber bei Meta gehe man nicht davon aus, dass dies das „endgültige
       Format“ sein werde.
       
       Um diese KI-Zukunft herbeizuführen, ist Zuckerberg zu gewaltigen
       Investitionen bereit. Für das laufende Jahr stellte Meta
       Kapitalinvestitionen zwischen 115 und 135 Milliarden US-Dollar in Aussicht.
       2025 gab der Konzern vor allem für den Ausbau von Rechenzentren für
       künstliche Intelligenz gut 72 Milliarden Dollar aus. Zuckerberg hat große
       Ambitionen, Rivalen wie den ChatGPT-Entwickler OpenAI sowie Google und Elon
       Musks KI-Firma xAI bei künstlicher Intelligenz zu überflügeln. Dafür ist er
       bereit, viele Milliarden auszugeben – selbst mit dem Risiko, zu viele
       Rechenzentrenkapazitäten aufzubauen.
       
       Das Geld für den KI-Ausbau kommt weiterhin vor allem aus dem boomenden
       Geschäft mit Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram. Im
       vergangenen Quartal sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 24 Prozent auf
       knapp 59,9 Milliarden Dollar hoch. Das lag über den Erwartungen der
       Analysten. Unterm Strich legte der Quartalsgewinn um 9 Prozent auf 22,77
       Milliarden Dollar zu. (dpa)
       
       29 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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