# taz.de -- Rapperin Nicki Minaj für Trump: Queen of Cringe
       
       > Die Rap-Ikone Nicki Minaj unterstützt plötzlich Trump. Für ihre Fans ist
       > das eine herbe Enttäuschung.
       
 (IMG) Bild: Schön, dass sie noch lachen kann, ihre Fans möchten bei diesem Auftritt lieber weinen
       
       Nicki Minaj hätte eine feministische Ikone sein können. Sie ist in den
       frühen 2010ern mit Rap Songs bekannt – und mit bekannt meine ich
       weltberühmt – geworden, als es noch überhaupt keine Selbstverständlichkeit
       war, dass Frauen in diesem Genre mitspielen, geschweige denn fett gefeierte
       Stars werden.
       
       Sie hat den Weg bereitet für immer mehr exzellente Frauen im Rap – wer
       weiß, wo Cardi B, Lil Simz oder Doechii heute wären, hätte Nicki Minaj 2010
       nicht ihr Ding gemacht. Minaj gilt aufgrund der schieren Massen, ihrer
       verkauften Musik und der damit angehäuften Massen an Werbeverträgen und
       Geld als musikalisch und kommerziell erfolgreichste Rapperin aller Zeiten.
       Als die Queen of Rap.
       
       Das ist sie nicht mehr. Denn spätestens seit ihrem gemeinsamen Auftritt mit
       US-Präsident Donald Trump am Mittwoch hat sie sich einen neuen Titel
       verdient – die Queen of Cringe.
       
       Anders lässt sich das Gefühl nicht beschreiben, das einen zwangsläufig
       durchfährt, wenn man sich die Videos von dieser Veranstaltung anschaut.
       Nicki Minaj steht vor einem Rednerpult, die Haare glatt und ordentlich
       gescheitelt, ihr Top hochgeschlossen, in einer weißen Felljacke. Die Frau,
       die mit pinken Haaren und freizügigen Outfits früher selbstbewusst
       provozierte, wirkt plötzlich konservativ. Hinter ihr steht der etwas
       dümmlich grinsende Präsident.
       
       ## Fans sind fassungslos
       
       „Ich bin wahrscheinlich der größte Fan des Präsidenten und das wird sich
       nicht ändern“, sagt sie. „Wir werden es nicht zulassen, dass sie ihn
       mobben.“ Das klingt, als stelle Minaj sich schützend vor ein Kind, das in
       der Schule gehänselt wird. Dabei liefert sie direkt hinterher, dass der
       Präsident viel „Kraft“ hinter sich habe – was in diesem Kontext auch mit
       „Gewalt“ übersetzt werden kann. Wie bezeichnend.
       
       Denn Donald Trump ist kein gehänselter Schuljunge, auch wenn er sich
       manchmal so aufführt. Er ist der mächtigste Mann der Welt und verfügt über
       die schlagkräftigste Armee des Planeten. Seine Einwanderungsbehörde
       erschießt in diesen Tagen auf offener Straße friedliche Menschen, die sich
       ihr in den Weg stellen.
       
       Dass gerade Nicki Minaj ihn währenddessen unterstützt, macht viele zu Recht
       fassungslos. Denn sie ist selbst mit fünf Jahren als Kind illegaler
       Einwanderer in die USA gekommen und hat sich noch während Donald Trumps
       erster Amtszeit öffentlich dagegen ausgesprochen, dass Kinder von
       Einwanderern von ihren Eltern getrennt werden.
       
       Auf Instagram postete sie 2018: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie
       schrecklich es sein muss, an einem fremden Ort zu sein und im Alter von 5
       Jahren von meinen Eltern getrennt zu werden. Das macht mir große Angst.
       Bitte hört damit auf.“
       
       ## Nicki Minaj für Nicki Minaj
       
       Man könnte Minaj noch zugutehalten, dass es bei der Veranstaltung am
       Mittwoch mit Trump ebenfalls um Kinder ging. Denn was dort gefeiert wurde,
       sind die neu aufgelegten „TrumpAccounts“ – ein Programm, mit dem jedem
       neugeborenen Kind in den USA ein Konto mit 1.000 Dollar zur Verfügung
       gestellt werden soll. Minaj kündigte an, großzügig dafür zu spenden, obwohl
       Ökonom:innen schon davor warnten, dass es wohl überproportional den
       Kindern zugutekommen wird, die ohnehin aus wohlhabenden Familien stammen.
       
       Wenn es Minaj also wirklich um Chancengleichheit ginge, könnte sie mit
       ihrem Vermögen auch einfach eigene Programme aufsetzen – anstatt einen
       Präsidenten zu verteidigen, dessen Handeln offensichtlich von seinem
       eigenen Profit und dem seiner Milliardärs-Freunde getrieben ist.
       
       Wahrscheinlich geht es Nicki Minaj aber einfach um Nicki Minaj. Vielleicht
       war sie nie eine feministische Ikone, sondern wollte einfach Rapstar
       werden. Vielleicht stören sie die gewaltvollen Abschiebungen nicht, solange
       sie selbst davon nicht betroffen ist. Und vielleicht findet sie es auch
       ganz angenehmem, unter Trump selbst keine erhöhten Steuern fürchten zu
       müssen – mit denen Chancenungleichheit tatsächlich nachhaltig bekämpft
       werden könnte.
       
       Vor wenigen Wochen saß Nicki Minaj auf einer Bühne mit Erika Kirk – [1][der
       Witwe des rechten Meinungsmachers Charlie Kirk]. Einen Rant gegen
       Transpersonen beendete sie dort eleganter Weise mit einem Ausdruck, der
       regelmäßig genutzt wird, um sexuelle Übergriffe von Männern zu
       bagatellisieren: „Boys will be Boys.“
       
       Das und dieser peinliche Support-Auftritt für Donald Trump, der selbst
       wegen sexuellem Missbrauch verurteilt ist, zeigen deutlich, dass Nicki
       Minaj den Feminismus, den sie im Rap selbst vorangetrieben hat, verrät,
       genauso wie das Genre selbst, deren Künstler:innen sich immer als Stimme
       der Unterdrückten verstanden. Aber vor allem [2][verrät Nicki Minaj damit
       die Frauen], Queers und migrantischen Menschen in ihrer Fanbase. Das ist
       nicht nur cringe, sondern leider auch ziemlich traurig.
       
       29 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-dem-Attentat-auf-Charlie-Kirk/!6114519
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alice von Lenthe
       
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