# taz.de -- USA und die Proteste im Iran: Trump wirbt für diplomatische Lösung und droht mit „Armada“
       
       > Bezüglich der Proteste im Iran hat der US-Präsident wohl noch nicht über
       > sein Vorgehen entschieden. Aber er verweist auf Venezuela.
       
 (IMG) Bild: Teheran, Iran, 26. Januar: Passantin vor riesigem Anti-US-Plakat
       
       dpa | Iran ist nach Darstellung von US-Präsident Donald Trump an einer
       diplomatischen Lösung der Spannungen mit den USA interessiert. Die Lage mit
       Iran sei „im Fluss“, weil die US-Regierung eine große Kriegsflotte in die
       Region entsandt habe, sagte Trump dem US-Nachrichtenportal „Axios“ in einem
       Interview. „Wir haben eine große Armada neben Iran. Größer als (vor der
       Küste von) Venezuela“, sagte der Republikaner. Er glaube aber, dass Teheran
       ein Abkommen schließen wolle.
       
       ## US-Flugzeugträgerverband in der Region angekommen
       
       „Sie wollen einen Deal machen. Das weiß ich. Sie haben mehrfach angerufen.
       Sie wollen reden“, fügte der US-Präsident hinzu. Eine Flotte von
       Kriegsschiffen samt dem Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ ist
       unterdessen in der Region angekommen, wie das Regionalkommando des
       US-Militärs Centcom mitteilte. Nähere Angaben zur genauen Position des
       Schiffsverbunds gab es nicht.
       
       Trump hatte ein militärisches Eingreifen seines Landes in Iran [1][wegen
       der Tötung Tausender Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten in der
       Islamischen Republik] zuletzt nicht ausgeschlossen.
       
       Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete unterdessen
       6.126 bestätigte [2][Todesopfer in Iran], unter ihnen 5.777 Protestierende.
       Zusätzlich prüft HRANA nach eigenen Angaben 17.091 weitere mutmaßliche
       Fälle. Zudem sollen 11.009 weitere Menschen schwer verletzt worden sein.
       Nach Angaben der Aktivisten haben Sicherheitskräfte 41.880 Menschen
       festgenommen. Alle Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
       
       ## Chamenei und Trump verschärften den Konflikt
       
       In einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Politico“ hatte sich Trump
       kürzlich für einen Regierungswechsel in Iran ausgesprochen: „Es ist Zeit,
       nach einer neuen Führung in Iran zu suchen.“ Irans oberster Führer
       Ajatollah Ali Chamenei hatte Trump zuvor für die Proteste verantwortlich
       gemacht und als „Verbrecher“ bezeichnet. Amerika müsse zur Verantwortung
       gezogen werden.
       
       Irans Präsident Massud Peseschkian erklärte, jede Aggression gegen Chamenei
       wäre gleichbedeutend mit einem umfassenden Krieg gegen die iranische
       Nation. Das US-Außenministerium warnte daraufhin Iran vor Angriffen auf
       US-Stützpunkte und kündigte für diesen Fall eine entschlossene Reaktion an.
       
       ## Iran: Beobachten die Bewegungen der Feinde
       
       „Ich würde es vorziehen, wenn nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr
       genau“, sagte Trump über Iran. Eine Reaktion aus Iran folgte prompt. „Die
       Streitkräfte der Islamischen Republik Iran beobachten die Bewegungen der
       Feinde“, sagte ein hochrangiger Militärvertreter im zentralen
       Einsatzkommando dem staatlichen Rundfunk. Die Anwesenheit „fremder Kräfte“
       im maritimen Umfeld verwandle sie in „leicht erreichbare Ziele“, hieß es
       weiter.
       
       Das Außenministerium in Teheran warnte vor den regionalen Auswirkungen
       einer Eskalation. „Unsicherheit ist ansteckend, und daher besteht unter den
       Ländern der Region eine gemeinsame Sorge“, sagte Außenamtssprecher Ismail
       Baghai. „Wir werden stärker denn je auf jede Form der Aggression gegen Iran
       mit einer umfassenden und schmerzhaften Antwort reagieren.“
       
       ## Bericht: Trumps Entscheidung noch offen
       
       Nach Informationen von „Axios“ hat Trump noch keine Entscheidung zum
       weiteren Vorgehen getroffen. Er werde wahrscheinlich diese Woche weitere
       Konsultationen abhalten und von seinen Sicherheitsberatern zusätzliche
       militärische Optionen vorgelegt bekommen, zitierte das Nachrichtenportal
       Quellen, die mit der Situation vertraut seien.
       
       Mit dem Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ und den ihn begleitenden
       Kriegsschiffen erhalte Trump zusätzliche Offensiv- und
       Defensivmöglichkeiten für den Fall, dass er sich für einen Angriff auf Iran
       entscheiden sollte, berichtete das Wall Street Journal. Drei Zerstörer in
       Begleitung des Flugzeugträgers könnten Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern,
       zitierte die Zeitung einen Verteidigungsbeamten. Zudem verfügten die USA
       über zusätzliche Kampfflugzeuge vom Typ F-35C und F-18 sowie über EA-18
       Growler-Flugzeuge für die elektronische Kriegsführung, hieß es weiter.
       
       Ferner hätten die USA zwei weitere Zerstörer in der Nähe der Straße von
       Hormus stationiert. Laut dem Verteidigungsbeamten seien außerdem drei
       Kampfschiffe im Persischen Golf im Einsatz. Überdies hätten die USA
       F-15E-Kampfflugzeuge auf einem Stützpunkt in Jordanien und verlegten
       Luftabwehrsysteme in die Region, um US-Einrichtungen und Partner vor
       möglichen iranischen Gegenangriffen zu schützen, berichtete die US-Zeitung
       unter Berufung auf Flugverfolgungsdaten und Angaben zweier US-Beamter.
       
       27 Jan 2026
       
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