# taz.de -- Reggae-Drummer Sly Dunbar ist gestorben: Der große Nachdoppler
> Sly Dunbar war einer der wichtigsten Schlagzeuger des Reggae. Mit dem
> Bassisten Robbie Shakespeare bildete er das Duo Sly & Robbie, das auch
> Hits von Grace Jones veredelte.
(IMG) Bild: Sly Dunbar, London 1984
Drums und Bass bilden das Fundament des Dub, es ist die Rhythmussektion,
die den Signatursound kreiert, mit dem dann am Mischpult und diversen
Effektgeräten radikal experimentiert wird. Dub verhält sich also zu Reggae
wie modaler Jazz zum Bebop. „Ein Weg, die harmonische Songstruktur zu
zerlegen, um Platz für freiere Improvisationen zu schaffen.“ So definiert
der US-Ethnomusikologe Michael E. Veal die erweiterte Klangpalette von
Dubreggae.
Ein zentraler Akteur dieser um 1970 einsetzenden musikalischen Zäsur war
der jamaikanische Drummer Lowell „Sly“ Dunbar. Geboren 1952 in Kingston,
spielte er schon als Teenager in Ska- und Rocksteady-Bands. Sein
Rhythmusgefühl bildete er am Radio aus, wo er den Soulsongs von Booker T. &
the MGs und dem „Phillysoul“ genannten Studiosound des
US-Produzentengespanns Gamble & Huff sehr genau zuhörte und seine eigenen
Schlüsse daraus zog: „Wir sind mit dem Soulsound frei umgegangen“,
formulierte es Sly Dunbar.
Reggaedrums leben von der verschleppten Bassdrum und der Snare, die
gleichzeitig mit ihr gespielt wird, um den Wumms zu erhöhen. Sly Dunbar
perfektionierte das sogenannte „Double Drumming“, er behielt das
Phillysoul-Tempo, aber spielte es mit doppelten Rimshots (Schlägen auf den
Blechrahmen der Snare). Der Song „Right Time“ von den Mighty Diamonds
(1972) highlightet seinen Stil. Dunbar ist der pfeilgerade Antreiber,
dessen funky Doubledrumming die Knie stante pede erweicht.
## Ausgeschlafen und cool
Anfang der 1970er gründet Sly Dunbar mit dem Keyboarder Ansell Collins die
Band Skin, Flesh & Bones. Damals werden die Kingstoner Studios Channel One
und Black Arc und ihre Produzenten (die Brüder Jo Jo und Ernest Hookim und
Lee „Scratch“ Perry) auf den Drummer aufmerksam. Er gehört bald zum
rotierenden Personal der wechselnden Backingbands, das für diverse
Sänger:Innen bei Plattenaufnahmen verpflichtet wird. Und so taucht sein
Name etwa [1][auf Songs von Junior Murvin („Police and Thieves“)], Junior
Byles („Fade Away“), oder George Faith („Midnight Hour“) auf. Längst zu
Klassikern avanciert.
Bei einer Session im Channel One Studio trifft er 1972 auf den Bassisten
Robbie Shakespeare. „Vorher war er schon gut, aber noch nicht cool. Das kam
erst durch Robbie. Die Vibes von Sly und Robbie waren der reine Wahnsinn.
Die beiden haben mit ihrem staubtrockenen Sound Kingston über Jahre
regiert. Alle haben ihren Stil kopiert.“ Sagt der Sänger Junior Delgado im
Oral-History-Buch „Bass Culture“ von Lloyd Bradley. Der Autor beschreibt
Sly Dunbar als „laid back“, ausgeschlafen. Aber wehe, er sitzt an der
Schießbude.
Wurde Reggae in der westlichen Popkultur zunächst von den (leichter
vermarktbaren) Sängern wie Bob Marley und Jimmy Cliff geprägt, waren Sly
und Robbie die ersten musikalischen Botschafter, die das Rhythmuskonzept
abseits von Jamaika auch in anderen Genres zur Geltung brachten: [2][Ohne
die beiden hätte Grace Jones nicht Mitte der 1970er von New York aus zu
ihrer Disco-Diva-Karriere abheben können.]
## Auch Bob Dylan spielte mit Sly & Robbie
Wer jemals die Hüften zu [3][„Padlock“ von Gwen Guthrie] geschwungen hat,
weiß, dass Disco erst durch Dub alle Facetten seiner flamboyanten
Persönlichkeit kennenlernen konnte. Auch hier sind Sly und Robbie
federführend am Werk. Ab Ende der 1970er veredeln sie als vertrauenswürdige
Studiomucker unzählige (Pop-)Alben, oft wurden sie etwa für Sessions im
Compass Studio in Nassau auf den Bahamas verpflichtet. Auch
Nobelpreisträger Bob Dylan spielte mit ihnen zusammen Alben ein.
Noch etwas zeichnet Sly und Robbie aus: Spürnasigkeit im ökonomischen
Handling. Um 1980 gründet das Duo mit Taxi Records ein eigenes Label,
sicherte sich fortan das Publishing an allen Songs und schaffte mit der
Studioband Taxi Gang zudem den Übergang ins digitale Zeitalter.
Alle kennen den Dancehall-Killersong „Murder She Wrote“ von Chaka Demus &
Pliers: der unwiderstehliche Beat stammt von Sly Dunbar, er konnte die
Drums auch programmieren. Am Montag ist er im Alter von 73 Jahren auf
Jamaika gestorben. Sein Beat läuft weiter.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Londoner-Dubpoet-Linton-Kwesi-Johnson-/!6096603
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(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=qPil0Pt6M5E
## AUTOREN
(DIR) Julian Weber
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