# taz.de -- Bundeswehr-Rekrutierung auf dem Brocken: Im Tiefflug gegen die Ringdrossel
> Die Bundeswehr will auf dem Brocken ein zweiwöchiges „Karrierecamp“
> veranstalten. Beim Nationalpark Harz stößt das auf Widerspruch.
(IMG) Bild: 2024 war schon mal ein Bundeswehr-Hubschrauber am Brocken unterwegs – damals, um beim Löschen eines Waldbrandes zu helfen
Hubschrauber geht immer. Als die Bundeswehr und der Landkreis Harz am
vergangenen Donnerstag auf dem Brocken ihre Pläne für ein dort geplantes
„Karrierecamp“ der Truppe vorstellten, schwebte ein veritabler Helikopter
des Heeres ein und setzte vor dem Brockenhotel zur Landung an. Das habe,
berichtete eine Lokalzeitung, für einiges Aufsehen bei Ausflüglern gesorgt.
Auf dem mit 1.141 Metern höchsten Berg des Harzes will die Bundeswehr Mitte
Mai zwecks Nachwuchswerbung für zwei Wochen das Camp aufschlagen. Wo sonst
vor allem Wanderer unterwegs sind, sollen Zelte und Infostände aufgebaut,
Panzer und andere große Fahrzeuge präsentiert werden. Auch
Hubschrauberlandungen und Tiefflüge sind angekündigt.
Interessierte, so die Bundeswehr, sollen bei diesem „einmaligen
Werbeformat“ unkompliziert mit Soldaten ins Gespräch kommen und sich über
militärische und zivile Laufbahnen informieren können. Ziel sei es, die
Vielfalt der Karrieremöglichkeiten vor allem denjenigen nahezubringen, die
sonst vielleicht keine klassische Karriereveranstaltung besuchen.
Der Landkreis Harz freut sich über das Spektakel. Der Brocken mit seinen
zahlreichen Besuchern sei der ideale Ort, um viele Menschen zu erreichen,
sagt Landrat Thomas Balcerowski (CDU): „Die Bundeswehr gehört in die Mitte
der Gesellschaft.“
Dagegen hält der [1][Nationalpark Harz] wenig von dem geplanten
„Karrierecamp“. Der Brocken liegt im Zentrum des Schutzgebietes, das sich
über die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt erstreckt und mit
einer Fläche von knapp 250 Quadratkilometern der größte Waldnationalpark in
Deutschland ist.
Die Ablehnung der Bundeswehrveranstaltung begründet die
Nationalparkverwaltung mit Naturschutzbelangen. Die Brockenkuppe sei
Lebensraum, Ruhe- und Reproduktionsstätte seltener und bedrohter Arten,
[2][etwa der Ringdrossel]. Für diese sei der Berg sogar das einzige
Brutgebiet in einem Umkreis von mehreren Hundert Kilometern. Auch seltene
durchziehende Vogelarten legten gern mal einen Zwischenhalt auf dem Brocken
ein.
Hubschrauberflüge störten Vögel durch den einsetzenden starken Lärm und die
optischen Einflüsse, heißt es weiter in der Stellungnahme des
Nationalparks. Unter anderem könnten während der Brutzeit Nester verlassen
werden. Auch bei Fledermäusen könnten starke akustische Störungen dazu
führen, dass sie ihre Quartiere aufgeben.
Die PR-Pläne der Bundeswehr auf dem Brocken halte man deshalb „für
außerordentlich bedenklich“. Gleichzeitig äußert der Nationalpark „volles
Verständnis“ für das Ansinnen der Bundeswehr. Doch um gerade junge Menschen
anzusprechen, gebe es viel besser geeignete Orte, an denen „die Werbung für
die Bundeswehr nicht unvermeidlich in Konflikt mit dem Artenschutz tritt“.
Auch der [3][Nationalpark-Förderverein] stehe „uneingeschränkt zur
Landesverteidigung“, sagte dessen Vorsitzender Friedhart Knolle der taz.
„Mit dieser geplanten Aktion überschreitet die Bundeswehr aber eine rote
Linie, denn Militärfahrzeuge, ein Camp, Überflüge des Brockens und
Hubschrauberlandungen haben absolut nichts in der Kernzone eines
Nationalparks zu suchen!“ Hier stehe die Glaubwürdigkeit der Bundeswehr auf
dem Spiel, die auf ihren [4][Truppenübungsplätzen durchaus sehenswerten
Naturschutz] betreibe. „Warum respektiert sie dann hier nicht einmal den
Schutzzweck des Nationalparks und will brütende Vögel unnötig aus ihren
Nestern verjagen?“
## Rechtlich ist das „Karrierecamp“ nicht zu verhindern
Über Jahrhunderte gehörte der Brocken zu wechselnden Königshäusern und
Fürstentümern. 1937 wurde er zum Naturschutzgebiet erklärt und somit
Staatsbesitz. Am 20. April 1945 erstürmten US-Truppen den Brockengipfel,
auf dem sich letzte Verbände von Wehrmacht und SS verschanzt hatten. Später
wurde er der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen.
Der Brocken wurde militärisches Sperrgebiet, Sowjetarmee und
Staatssicherheitsdienst der DDR errichteten eine Festung mit
Spionageanlagen, die weit in das westdeutsche Gebiet hineinhorchen konnten.
Nach der Wende ging die Brockenkuppe mitsamt den technischen Anlagen an die
Deutsche Telekom. 2008 kaufte ein Konsortium aus Harzsparkasse und
Norddeutscher Landesbank das knapp 13.000 Quadratmeter große Gelände. Im
vergangenen Jahr [5][erwarb der Landkreis Harz das Areal] für 3,5 Millionen
Euro. „Die Brockenkuppe ist endlich wieder Gemeinschaftseigentum“, sagt
Landrat Balcerowski. Der Kreis kann nun darüber verfügen.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.nationalpark-harz.de/
(DIR) [2] /Der-Wald-in-Sachsen-Anhalt/!5771949
(DIR) [3] https://www.gfn-harz.de/
(DIR) [4] https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/deutschland/11646.html
(DIR) [5] /Brocken-mit-neuem-Besitzer/!6094325
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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