# taz.de -- Arbeit des Sonntags-Club gesichert: „Das Kämpfen hat sich gelohnt“
       
       > Erst hieß es, der queere Sonntags-Club müsse erhebliche Kürzungen
       > hinnehmen. Nach Protesten aber wurden Fördermittel umgeschichtet, sagt
       > Nicole Otte.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Straßenfest für Erhalt des traditionsreichen Sonntags-Club in Berlin-Prenzlauer Berg im Septemer 2025
       
       taz: Frau Otte, mit welchen Gefühlen ist [1][der Sonntags-Club] ins neue
       Jahr gestartet? Noch im Dezember war zu befürchten, dass für 2026
       erhebliche Fördermittel für den [2][Frauen*Lesben-Freitag] und auch das
       Projekt Queerhome*, die Wohnraumberatung für LSBTIQ+ in Berlin, fehlen
       würden. Der Haushaltsplan für 2026/27 ist nun beschlossene Sache. Wie ist
       der Kampf um die seit zehn Jahren regelmäßig fließenden Fördergelder
       ausgegangen?
       
       Nicole Otte: Es ist für uns Gott sei Dank gar nicht so schlimm gelaufen,
       wie wir befürchtet haben. Wir haben gekämpft und viele Gespräche geführt,
       hauptsächlich mit den queerpolitischen Sprecher:innen und
       Gleichstellungsbeauftragten Sebastian Walter von den Grünen, und Franziska
       Breitenstein und natürlich Klaus Lederer von der Linken, und viel
       Unterstützung erfahren. Aber auch von Seiten der SPD – Wiebke Neumann, die
       Sprecherin für Queerpolitik, hat uns sehr unterstützt der Grünen-, Linken
       und SPD-Fraktion. Und am Ende hat ja die CDU – insbesondere ist hier die
       queerpolitische Sprecherin Lisa Knack zu nennen – zusammen mit der SPD den
       Antrag eingereicht, die Gelder aus dem Gleichstellungsbereich in den
       Antidiskriminierungsbereich zu verschieben.
       
       taz: Was bedeutet diese Umschichtung von Fördermittel genau? 
       
       Otte: Dass die Förderung für den Sonntags-Club aus dem
       Antidiskriminierungsbereich erhöht werden konnte. Das bedeutet, dass wir
       für das Jahr 2026 einen Zuschlag von 75.000 Euro – einen sogenannten
       Aufwuchs – für eines unseren beiden LADS-Projekte in der psychosozialen
       Beratung erhalten …
       
       taz: … LADS steht als Abkürzung für Landes-Antidiskriminierungsgesetz. 
       
       Otte: Ja, und im Antidiskriminierungsbereich ist jetzt der Schwerpunkt
       „Frauen, Lesben und bisexuelle Frauen“ neu enthalten. Das ist für uns sehr
       erfreulich.
       
       taz: Weil das heißt, dass der Frauen*Lesben-Freitag und die damit
       verbundene Stelle, die ja für die Organisation und die Durchführung
       zuständig ist, gesichert ist? 
       
       Otte: Ganz genau. Die gesamte Frauenarbeit ist weiterhin finanziert. Das
       steht so im Beschlussprotokoll des Abgeordnetenhauses zur 93. Sitzung vom
       3. Dezember. Ich hab es gerade vor mir, auf Seite 66 steht aber der
       Beschluss, dass wir 75.000 Euro mehr bekommen.
       
       taz: Damit ist es also amtlich. 
       
       Otte: Ja, das kann uns jetzt nicht mehr weggenommen werden. Das war ein
       sehr freudige Überraschung.
       
       taz: Glückwunsch! Wäre es anders gekommen … 
       
       Otte: … hätten wir insgesamt eine Kürzung von 81.000 Euro zu verkraften
       gehabt. 20.000 Euro weniger fürs [3][Projekt Queerhome*], 6.000 Euro
       weniger für die die psychosoziale Beratung, 55.000 Euro hätte die Stelle
       für den Frauen*Lesben-Freitag ausgemacht. Doch statt dieser Kürzungen haben
       wir jetzt 75.000 Euro mit dem Schwerpunkt „Frauen, Lesben und bisexuelle
       Frauen“ zur Verfügung. Das heißt, wir haben an der Stelle tatsächlich auch
       noch mal mehr Geld bekommen.
       
       taz: Den Frauen*Lesben-Freitag gibt es also weiter – und ununterbrochen? 
       
       Otte: Ja, wir haben gut vorgeplant, weil wir eben nicht wussten, wie es
       weitergeht. Wir haben eine wunderbare ehrenamtliche Orgagruppe, die mit der
       hauptamtlichen Person die Freitage organisiert und durchführt. Sie haben
       gemeinsam schon im September, Oktober damit begonnen, das erste Quartal
       2026 zu planen und umzusetzen. Es gibt jetzt etwas weniger Veranstaltungen
       als sonst, aber das Grundprogramm läuft. Doch so richtig aktiv werden wir
       wieder erst ab März.
       
       taz: Daran sieht man, dass es sich lohnt, auf die Barrikaden zu gehen. 
       
       Otte: Auf jeden Fall, das Kämpfen hat sich gelohnt. Es war toll, was wir
       für eine breite Unterstützung von der Öffentlichkeit bekommen haben, auch
       von eurer Seite, der Presse. Die Solidarität war sehr groß.
       
       taz: Auch untereinander, also anderen Projekten, die von Kürzungen bedroht
       waren. 
       
       Otte: Ja, und auch bei anderen Projekten, etwa der [4][Beratungsstelle
       BerTa in Buch] (in Trägerschaft der Albatros gemeinnützige Gesellschaft für
       soziale und gesundheitliche Dienstleistungen mbH – Anm. d. Red.) wurden die
       Kürzungen wieder zurückgenommen. Da gab es also ein politisches
       Zurückrudern und vielleicht dann doch die Einsicht, dass die Arbeit für die
       Gleichstellung und Gleichberechtigung von Frauen* ein wichtiges Zeichen ist
       
       taz: Kann der Sonntags-Club denn aber die fehlenden 20.000 Euro für
       Queerhome* kompensieren? Oder steht das Projekt damit vor dem Aus? 
       
       Otte: Das müssen wir jetzt besprechen und klären. Wir hatten bis zum
       Schluss gehofft, dass wir diese 75.000 Euro entsprechend aufteilen könnten.
       Aber laut Beschlussprotokoll ist das nicht so, und ich vermute, dass die
       Senatsverwaltung diesen Beschluss genau so übernimmt.
       
       taz: Was bedeutet das fürs Projekt? 
       
       Otte: Dass wir weniger Honorarkräfte und Ehrenamtler:innen vergüten
       können. Was heißt, dass wir mit dem Projekt in diesem Jahr etwas an
       Sichtbarkeit verlieren werden. Ja, es bleibt weiter durchführbar und wir
       können viel machen. Wir haben das Projekt etwas umgestrickt, weil die
       Arbeit in der Wohnungslosenberatung auf verschiedenen Ebenen sehr dynamisch
       ist. Und auch, weil der Umgang mit queeren Menschen mit oder ohne
       Fluchthintergrund immer problematischer wird. Die Situation auf dem
       Wohnungsmarkt verschärft sich zunehmend.
       
       taz: Was heißt umgestrickt? 
       
       Otte: Dass wir nun weniger Vollzeit- und mehr Teilzeitstellen und mehr
       Honorarkräfte haben, damit wir an mehreren Baustellen gleichzeitig aktiv
       werden können. Gleichzeitig müssen wir uns fokussieren.
       
       taz: Ihr geht also mit einem lachenden und einem weinenden Auge ins neue
       Jahr? 
       
       Otte: Ja, das kann man so sagen. Wir hatten ohnehin für zwei Szenarien
       geplant, also mit und ohne Kürzungen. Mit der Fördermittelzusammenlegung
       vereinfacht sich nun auch die Verwaltung. Wir werden ein bisschen Kosten
       sparen. Die Stelle für den Frauen*Freitag ist jetzt Teil des
       psychosozialen Beratungsteams. Das heißt, dass wir die Frauenstelle
       ausbauen und stärker in die Beratung gehen können. Im Bereich Frauen* sind
       wir deutlich handlungsfähiger als vorher, was sehr gut ist. Und vielleicht
       können wir bestimmte Bereiche, die wir bei Queerhome* jetzt verlieren,
       dadurch ein bisschen kompensieren. Das alles müssen wir nun mit allen
       Projektbeteiligten und dem Vorstand klären.
       
       taz: Viel Glück und Kraft bei der Umsetzung. 
       
       Otte: Ja, wir müssen für uns erst mal einen Weg nach diesem sehr
       anstrengenden Jahr mit den drohenden Kürzungen finden. Dieses Ungewisse
       stellte einen hohen Stresslevel fürs gesamte Team dar. Eine Belastung, die
       ja nicht nur der Sonntags-Club, sondern die gesamte soziale, kulturelle und
       Bildungsstruktur aushalten musste. Die Art und Weise, wie man diesen
       Haushalt aufgestellt hat, das muss man auch mal sagen, war sehr schwierig.
       
       taz: Gelinde gesagt … 
       
       Otte: Wie da mit Menschen umgegangen wird, ist kritisch. Man hätte von
       vornherein den Haushalt anders stricken können, so dass wir nicht sechs
       Monate mit Existenzängsten leben müssen. Die psychische Mehrbelastung
       erschwert die Arbeit extrem, Krankheitsstände schnellen in die Höhe. Das
       Horrorszenario hat sich ja durch das ganze Jahr gezogen, wir sind alle ganz
       schön fertig. Zumal man bei dieser aktuellen Regierung überhaupt nicht
       weiß, ob sie es wirklich ernst meint oder ob es im Sommer vielleicht nicht
       doch heißt, jetzt streichen wir euch mal eben Fördergelder … So eine
       Situation gab es in den letzten 20 Jahren, die wir mit dem Senat
       zusammenarbeiten, so noch nie, auch wenn es immer schwierige
       Haushaltssituationen gab. Früher hat man sich an Zusagen gehalten.
       
       taz: Der Senat hat es sich zu leicht gemacht. 
       
       Otte: Genau. Der Senat lagert staatliche Aufgaben, die laut Gesetz zu
       erfüllen sind, an Dritte aus und lässt sie dann so hängen. Wenn das noch
       ein paar Jahre so weitergeht, wird die ganze Projektlandschaft irgendwann
       zusammenbrechen, weil das keine vernünftige Art ist, miteinander zu
       arbeiten.
       
       4 Feb 2026
       
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