# taz.de -- Academic Boycott Conference: Studierende planen den akademischen Boykott
       
       > Eine Konferenz liefert Vorträge über die Rolle der israelischen
       > Wissenschaft in „kolonialen und militärischen Strukturen“. Aber kaum
       > Diskussion dazu.
       
 (IMG) Bild: Der Name ist Programm bei der Konferenz für akademischen Boykott
       
       Junge Menschen mit Palitüchern sind am hippen Paul-Lincke-Ufer in
       Berlin-Kreuzberg nichts Ungewöhnliches. An diesem Samstagmittag zog es
       viele von ihnen in die Hausnummer 21. Vor der Tür standen praktischerweise
       Polizist*innen der 21. Hundertschaft, so konnte man das „bUm – Raum für
       solidarisches Miteinander“ gar nicht verfehlen.
       
       An diesem Wochenende hat hier das Internationalistische Bündnis Berlin, ein
       Zusammenschluss aus linken propalästinensischen Gruppen, eine dreitägige
       [1][„Academic Boycott Conference“] organisiert. Die gut 150
       Teilnehmer*innen wollten die Rolle der israelischen Wissenschaft in
       „kolonialen und militärischen Strukturen“ beleuchten und Strategien für
       eine bundesweite Kampagne zum akademischen Boykott entwickeln.
       
       Eine Teilnahme war nur nach vorheriger Anmeldung möglich,
       Pressevertreter*innen waren nur am Samstag zu bestimmten Panels
       zugelassen. Tatsächlich hatte die Veranstaltung etwas von einem
       Uni-Seminar, die Atmosphäre war unaufgeregt und konzentriert.
       
       An den drei Infotischen gab es Palästina-bezogenen Schmuck, Kufiyas in
       verschiedenen Farben und Che-Guevara-Shirts, ein Stand der „Kommunistischen
       Organisation“ bot marxistische Analysen zu verschiedensten Krisen an. Eine
       online-Umfrage wollte wissen: „Was findest du am Schwierigsten zu
       boykottieren?“
       
       ## Keine Aussagen, die strafrechtlich relevant sein könnten
       
       „Deutsche Universitäten unterstützen Völkermord“, stand auf einem Plakat,
       ansonsten gab es keine Transparente, keine Parolen, keine Aussagen, die
       strafrechtlich relevant sein könnten. Die Rechtswissenschaftlerin Nahed
       Samour drückte es später so aus: Man brauche keine aktivistische Rhetorik,
       denn in der internationalen Rechtsprechung gebe es alle Antworten.
       
       Daran hielt sich auch Tair, die Sprecherin der Konferenz, ihren Nachnamen
       nannte sie nicht: „Es geht darum, unsere Institutionen weiter unter Druck
       zu setzen und dazu zu bringen, sich an internationales Recht zu halten und
       ihre Kooperationen mit israelischen Institutionen und Universitäten zu
       stoppen, die zentral für die Aufrechterhaltung der Besatzung, des Genozids
       und des Siedlerkolonialismus sind.“
       
       Der Titel des Panels „Die Notwendigkeit von Boykott-Divestment-Sanktionen
       heute“ ließ keine Fragen offen. Die zugeschaltete Rechtswissenschaftlerin
       Nahed Samour referierte über die Bedeutung des internationalen Rechts für
       die BDS-Kampagne.
       
       Ihre frontale Powerpoint-Präsentation war gespickt mit Stichworten für die
       angestrebte bundesweite Kampagne zum akademischen Boykott. Ihre These: „Ein
       Boykott ist im Einklang mit internationalem Recht.“ Universitäten hätten
       einen Bildungsauftrag, so Samour, und angesichts eines Genozidverdachts
       könnten öffentliche Einrichtungen nicht einfach so weitermachen wie bisher.
       Auch deutsche Universitäten „müssen eine Kooperation vermeiden, die eine
       Beihilfe oder Anerkennung illegaler Situationen darstellen könnte“. Alles
       andere sei keine Neutralität, sondern berge das Risiko, internationales
       Recht zu brechen, so Samour.
       
       ## Seitenhieb auf die aktuelle Diskussion
       
       Die südafrikanische Aktivistin Barbara Schreiner gab einen Überblick über
       den langen Kampf gegen die Apartheid, bei dem Boykotte eine große Rolle
       gespielt haben. Viele südafrikanische Universitäten hätten einen
       akademischen Boykott abgelehnt, da er konservative Strukturen stärken
       würde, wagte sie einen Seitenhieb auf die aktuelle Diskussion. Das
       Gegenteil war schließlich der Fall: Die Universitäten hätten sich nicht
       länger als neutral darstellen können, „denn Neutralität unterstützt
       tatsächlich den Status Quo“.
       
       Der brasilianische Aktivist Lucas Febraro setzte darauf, dass man die
       internationale Rechtsprechung und eine Mehrheit der öffentlichen Meinung
       hinter sich habe (hier im Saal traf das auf jeden Fall zu). Man habe schon
       einiges erreicht und müsse strategisch vorgehen, so Febraro: Apartheid sei
       ein Verbrechen und BDS eine antirassistische Bewegung.
       
       Nach dem Input blieb kaum noch Zeit für Fragen. „Warum sind wir hier?“,
       fragte jemand. „Wir sind hier, weil wir sehen, wie ein schreckliches
       Unrecht passiert“, antwortete Febraro etwas wolkig. Auch die Frage, was
       denn nach einer eventuell erfolgreichen Boykottkampagne kommen soll, konnte
       nicht mehr klar beantwortet werden.
       
       Glaubt Tair denn, dass die deutschen Universitäten wirklich ihre
       Kooperationen mit Israel einstellen? „Wir müssen daran glauben, denn es
       gibt keine andere Option“, antwortete sie.
       
       25 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://academicboycott-confrence.com/de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Darius Ossami
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Mahmoud Khalil
 (DIR) Freie Universität Berlin
 (DIR) Reden wir darüber
       
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