# taz.de -- Kurdengebiete in Syrien: Kobanê in der Zange
       
       > In der Türkei warnt die kurdische DEM-Partei vor Vebrechen der neuen
       > syrischen Armee in Kobanê. Die Bürgermeister:innen der Stadt rufen
       > um Hilfe.
       
 (IMG) Bild: Die syrische Armee am 19. Januar auf dem Weg in die kurdischen Gebiete
       
       Mit einem dramatischen Appell über die [1][Situation in der syrischen
       Kurdenstadt Kobanê] ist die kurdische DEM Partei aus der Türkei am Samstag
       an die Öffentlichkeit gegangen. Die „Krise in Kobanê verwandelt sich in
       eine tödliche Katastrophe“. Kinder würde erfrieren, es gebe nichts mehr zu
       essen, die Stadt sei eingekesselt und völlig von der Außenwelt
       abgeschlossen.
       
       „Rund 500.000 Menschen sitzen in der Falle. Es gibt keinen Strom mehr und
       nur sehr wenig Wasser“, heißt es. Der Bericht der DEM beschreibt die
       Situation bis Samstag letzter Woche. Die Belagerung der Stadt fand während
       des Waffenstillstands statt, den die kurdische Führung um Mazloum Abdi mit
       dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmet al-Sharaa für die letzte Woche
       ausgehandelt hatte.
       
       Am Samstagabend wurde zwar der Waffenstillstand für 15 Tage verlängert,
       doch die Blockade von Kobanê bleibt bestehen. Neben der DEM, deren
       Co-Vorsitzende Tülay Hatimogullari am Donnerstag und Freitag über den Irak
       die verbliebenen Kurdengebiete in Nordsyrien besuchte und in Hasakah
       Vertreter der kurdischen Selbstverwaltung traf, schlagen auch etliche
       internationale Hilfsorganisationen Alarm.
       
       So berichtet Medico International von ihrer Partnerorganisation Kurdischer
       Roter Halbmond, diese sei [2][per Drohne angegriffen] worden und könne
       nicht nach Kobanê hinein. Medico hat einen dramatischen Hilferuf der beiden
       Bürgermeister:innen von Kobanê veröffentlicht.
       
       ## „Menschen werden brutal massakriert“
       
       „Die Stadt [3][ist vollständig umzingelt.] Die HTS hat uns von drei Seiten
       umschlossen. Im Norden verläuft die türkische Grenze. Menschen, die sich
       dieser Grenze genähert haben, wurden von türkischen Soldaten beschossen.
       Der türkische Staat und die Übergangsregierung der HTS bombardieren die
       Dörfer rund um Kobanê. Zu diesen Dörfern haben wir keinen Kontakt mehr.
       Wenn ein Dorf überfallen wird, wird zuerst der Internetzugang gekappt und
       die Telefone beschlagnahmt. Finden sich auf den Telefonen auch nur die
       geringsten Anzeichen einer Zusammenarbeit mit der Selbstverwaltung, werden
       die Menschen brutal massakriert.“
       
       Die Bürgermeister:innen Emina Weso und Fewaz Ehmed erinnern daran,
       dass es die Bürger von Kobane waren, die sich 2014 dem IS entgegenstellten
       und die Terrorgruppe nach monatelangem Kampf zurückschlugen. Nun seien sie
       „erneut Massakern und einem drohenden Genozid durch die islamistischen
       HTS-Kräfte ausgesetzt“.
       
       HTS-Kämpfer würden Videodrohungen veröffentlichen, in denen sie ankündigen,
       die Menschen in Kobanê zu enthaupten. Die Stadt steht stellvertretend für
       den Kampf der syrischen Kurden gegen den IS. Sie konnten die Stadt im
       Winter 2014/15 monatelang verteidigen, wurden später auch durch
       US-Kampfflugzeuge unterstützt.
       
       Daraus entwickelte sich das Bündnis der kurdisch-dominierten SDF-Milizen
       mit den USA, das nach der Befreiung Kobanês erfolgreich den IS in ganz
       Nordostsyrien bekämpfte. Heute haben die USA die Kurden weitgehend fallen
       gelassen. Im Kampf um die Kontrolle über Syrien unterstützen sie den
       Übergangspräsidenten Ahmet al-Sharaa, der die Selbstverwaltung der Kurden
       zerschlagen, die Milizen auflösen und in eine neue Armee integrieren will.
       
       ## Humanitäre Korridore eingerichtet
       
       Dabei kommt Kobanê eine wichtige Rolle zu. Die Stadt nahe des Euphrats ist
       wie eine letzte Exklave, abgeschnitten von den anderen Kurdengebieten
       weiter im Osten. Sie ist umringt von Regierungstruppen und dem östlich
       angrenzenden Gebiet, dass die Türkei bereits seit Jahren besetzt hält.
       
       Ahmet al-Sharaa hat jetzt, offenbar auf Drängen der USA, der
       [4][Verlängerung des Waffenstillstands] zugestimmt. Außerdem meldete der
       Syrienexperte Charles Lister am Sonntagnachmittag, die Übergangsregierung
       habe der Einrichtung von zwei humanitären Korridoren nach Kobanê und
       Hasakah zugestimmt. Ein Konvoi von 25 Lkws mit Hilfsgütern sei von Aleppo
       aus nach Osten aufgebrochen um Kobanê und Hasakah zu versorgen. In den
       kommenden zwei Wochen sollen die Modalitäten der Übergabe der beiden
       kurdischen Gebiete verhandelt werden.
       
       25 Jan 2026
       
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