# taz.de -- Säbelrasseln zwischen Iran und den USA: Hohn bei der Freitagspredigt
> Der Iran habe seine Hinrichtungen nicht gestoppt, sagt dessen Justiz. Die
> UN werfen dem Regime „brutale Unterdrückung“ vor. Kriegsdrohungen nehmen
> zu.
(IMG) Bild: Straßenszene in Teheran: Nach den Protesten herrscht Friedhofsruhe
dpa/rtr | Irans Justiz hat Äußerungen von US-Präsident Donald Trump
dementiert, wonach die Exekution von 800 Demonstranten gestoppt worden sei.
„Diese Behauptung ist völlig falsch. Weder existiert eine solche Zahl noch
hat die Justiz eine derartige Entscheidung getroffen“, zitierte der
staatliche Rundfunk den Generalstaatsanwalt Mohammed Mowahedi-Asad.
US-Präsident Donald Trump hat die Führung im Iran [1][erneut vor
Hinrichtungen von Regierungsgegnern gewarnt]. Eine „Armada“ der USA sei auf
dem Weg in Richtung Iran, sagte er am Donnerstag an Bord der
Präsidentenmaschine Air Force One. Er habe der Regierung in Teheran einen
[2][Militärschlag angedroht], falls weiter Demonstranten erhängt würden.
Die Lage werde genau beobachtet. Er hoffe aber, dass die USA ihre mächtige
Flotte nicht einsetzen müssten.
Mohammed Dschawad Hadsch Ali Akbari, ein einflussreicher Geistlicher, der
die Freitagsgebete in Teheran als Vorbeter leitet, verhöhnte den
US-Präsidenten indessen. Der Republikaner sei ein „gelbgesichtiger,
gelbhaariger und in Ungnade gefallener Mann“ und „wie ein Hund, der nur
bellt“, sagte der Kleriker, dessen Worte vom iranischen Staatsradio
verbreitet wurden. Für den Fall „irgendeines Schadens“ drohte er den USA
damit, dass „all Eure Interessen und Stützpunkte in der Region klare und
präzise Ziele der iranischen Streitkräfte werden“.
## Justiz hat erste Anklagen auf den Weg gebracht
Die Proteste im Iran wurden Ende Dezember zunächst durch eine
Wirtschaftskrise ausgelöst. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen
jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der
Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste
vor und schlug sie nieder. Inzwischen sind die [3][Demonstrationen völlig
verstummt].
Vor zehn Tagen erklärte die iranische Justiz, erste Anklagen im
Zusammenhang mit den Protesten in die Wege geleitet zu haben. Besonders
schwere Fälle von „Randalierern“ würden vorrangig und gesondert behandelt.
Dazu zähle auch der Vorwurf der „Kriegsführung gegen Gott“ – ein
Tatbestand, der nach islamischem Recht im Iran [4][mit der Todesstrafe
geahndet werden kann].
Menschenrechtsgruppen zufolge wurden während der Proteste, die Ende
Dezember begonnen hatten und inzwischen angesichts des massiven Drucks der
Sicherheitskräfte weitgehend abgeflaut sind, Tausende Menschen getötet und
zahlreiche festgenommen. Die in den USA ansässige Organisation HRANA
spricht von mehr als 5000 bestätigten Todesfällen, Tausende weitere Fälle
würden noch überprüft. Zudem seien rund 26.800 Menschen festgenommen
worden, hieß es in dem Bericht bei HRANA. Nach Angaben eines Insiders aus
der Regierung in Teheran wurden mindestens 5000 Menschen getötet. Darunter
seien etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte.
## Iran macht „Terroristen“ für Tote verantwortlich
Das iranische Regime macht Israel und USA für die vielen Toten
verantwortlich. Deren Agenten sollen in den Nächten vom 8. und 9. Januar
gezielt „zahlreiche terroristische Handlungen“ in weiten Teilen des Landes
verübt haben. Dem gegenüber stehen zahlreiche Videos, die trotz der
Internetsperre nach außen drangen. Sie sollen Sicherheitskräfte zeigen, die
auf offenbar unbewaffnete Demonstranten schießen. Noch nie in der
Geschichte der Islamischen Republik wurden [5][so viele Demonstranten bei
Protesten getötet].
Seit mehr als zwei Wochen ist die Bevölkerung im Iran weitgehend [6][vom
Internet abgeschnitten]. Am Donnerstag und Freitag konnten einige Nutzer
erstmals wieder Nachrichten über Messenger verschicken. Daten des
IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Freitag weiterhin nur minimalen
Datenverkehr im Internet des Iran. Einwohner der Hauptstadt Teheran
berichteten telefonisch von der weit verbreiteten Sorge vor neuen Angriffen
– sei es durch Israel oder die USA.
Auch iranische Medien kritisierten die Blockade. „Journalistisches Arbeiten
ohne Internet ist wie Schwimmen mit gefesselten Händen“, sagte Mehdi
Rahmanian, Chefredakteur der Tageszeitung Shargh. Mit Hohn reagierte das
Webportal „Digiato“: „Unter diesen Umständen sollten wir umgehend das
Brieftauben-System wieder einführen.“
## Amnesty: Bewaffnete Patrouillen in Städten
Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf warf der
UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, dem Iran eine „brutale
Unterdrückung“ von Protesten vor und forderte ein Ende der Gewalt. Unter
den Getöteten seien auch Kinder. Zugleich warnte Türk vor einer
militärischen Eskalation. „Aggressive Rhetorik und Drohungen sind äußerst
kontraproduktiv.“ Dass jemand für Menschenrechtsverletzungen zur
Rechenschaft gezogen werde, könne nicht „durch militärische Gewalt aus dem
Iran oder von außerhalb“ erreicht werden, sagte er.
Amnesty International kritisierte die staatlichen Repressionen ebenfalls
scharf und sprach von einem „beispiellosen Ausmaß“. Schwer bewaffnete
Einheiten der Sicherheitskräfte seien landesweit im Einsatz und hätten ein
dichtes Netz aus Kontrollpunkten und bewaffneten Patrouillen in Städten und
auf Überlandstraßen errichtet, heißt es in einem Bericht.
„Durch die anhaltende Sperre des Internets isolieren die Behörden bewusst
über 90 Millionen Menschen vom Rest der Welt, um ihre Verbrechen zu
vertuschen und sich ihrer Verantwortung zu entziehen“, sagte Diana
Eltahawy, stellvertretende Regionaldirektorin für den Nahen Osten.
23 Jan 2026
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