# taz.de -- Hamburgs FDP droht die Pleite: Ausgerechnet bei Pfeffersacks
       
       > Hamburgs FDP geht das Geld aus. Klar, das ist lustig. Aber wollen wir
       > wirklich politisch heimatlose Zahnärztinnen und Steuerberater in den
       > Straßen?
       
 (IMG) Bild: Das waren noch Zeiten: Wahlkampf 2015 mit Spitzenkandidatin Katja Suding umrahmt von Wolfgang Kubicki und Christian Lindner
       
       Das wird nun manche:n überraschen: Als „Partei der Arbeit“ verstand sich
       Hamburgs [1][FDP] schon mal, war gegen „monopolartige Besitzhäufung in der
       Hand kleiner Gruppen“ und gegen „Privatschulen, welche die Kinder nach
       Stand, Vermögen und Bekenntnis der Eltern absondern“. Gut: Das war 1946,
       seitdem ist reichlich Wasser die Elbe hinuntergeflossen. Und nicht nur die
       FDP ist heute nicht mehr, was sie damals sein wollte, und das auch nicht
       nur in Hamburg.
       
       Ausgerechnet hier aber, wo ein [2][diffus liberales] Selbstverständnis auch
       die Sozialdemokratie in Anspruch nimmt, wo eine weiß Gott nicht zuletzt
       Geschäfte erleichternde Weltoffenheit in steifer Brise flattert und man
       sich im Selbstbild gefällt, einander grundsätzlich erst mal machen zu
       lassen statt reinzuregulieren: Ausgerechnet hier könnte nun der erste
       FDP-Landesverband kentern, und Schuld ist – das Geld.
       
       Beziehungsweise dessen Fehlen: „Zwei gescheiterte Wahlkämpfe und hohe
       laufende Kosten“, [3][schrieb dieser Tage] die Bild, hätten die
       Elb-Liberalen „an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht“, die Rede ist
       gar von einem „Teufelskreis aus Sparzwang und mangelnder Sichtbarkeit, der
       weitere Landesverbände erfassen könnte“. Das Großbuchstabenmedium war nach
       eigenen Angaben in den Besitz „interner Papiere“ gelangt, wonach im
       vergangenen November die Zahlungsunfähigkeit drohte.
       
       „Zu hohe Personalkosten und eine Landesgeschäftsstelle auf politischem
       Champions-League-Niveau fressen das Vermögen auf“, lesen wir, und dass die
       Basis wiederholt Reformvorschläge eines vormaligen Landesschatzmeisters
       habe durchfallen lassen.
       
       ## Tumulte in der Partei der Freiberufler:innen
       
       So hatte jener Alexander Fröhlich von Elmbach offenbar den
       Mindest-Mitgliedsbeitrag anzuheben versucht: Statt 10 Euro würde er dann 15
       Euro betragen. Und so was führt allen Ernstes zu Tumulten in der Partei der
       demokratischen Freiberufler:innen? Vergangenes Wochenende soll es Fröhlich
       von Elmbach dann gereicht haben, der gelernte Ökonom legte sein FDP-Amt
       nieder, [4][Frau und Jagdhündin] haben also künftig möglicherweise etwas
       mehr von ihm.
       
       Die von ihm diagnostizierten Probleme bleiben, der Landesvorsitzende Finn
       Ole Ritter wird mit den Worten zitiert: „Es kann kein Stein auf dem anderen
       bleiben, damit die Partei wieder auf einem finanziell sicheren Fundament
       handeln kann“, auch gibt es wohl einen Kredit in mittlerer fünfstelliger
       Höhe, angeboten von der Bundes-FDP – nicht, dass es der rosig ginge. Und
       [5][mit dem Schuldenmachen haben es die Liberalen ja überhaupt nicht so].
       
       Sicher: Es wäre von schöner Ironie, wenn ausgerechnet bei Pfeffersacks die
       Landes-FDP die Grätsche machen würde – und das auch noch wegen Gezänks um
       Kleingeld und eines Unwillens zur Veränderung. Reformstau waren doch immer
       die anderen?!
       
       Sicher auch: Der allzu oft auf Steuertricks und Tempolimitlimits
       zusammenschnurrende Schmalspurliberalismus der FDP bietet wenig an in
       Zeiten, da wir übers Post-Wachstum reden müssen. Aber was wäre, wenn da ein
       ganz bestimmtes Milieu plötzlich keine politische Heimat mehr hätte? Wir
       müssten wohl nicht gleich mit bewaffneten Zahnärztinnen oder
       Steuerberater-Mobs in den Straßen rechnen – wobei: Die besseren Barrikaden
       wären von Architekt:innen ehrlich gesagt schon zu erwarten.
       
       In der Krise sucht die FDP schon lange ihr Heil nicht in mehr Gemeinschaft
       oder dem Abfedern sozialer Härten, ganz im Gegenteil. [6][In seinem letzten
       Wahlkampf] witzelte Ex-Bundesparteichef Christian Lindner – ist der nicht
       auch Wahlhamburger? – über die Antifa, während rechts außen offenbar
       durchweg heimzuholende, halt etwas in die Irre gegangene Schäfchen grasten.
       Sollten ihren verbliebenen Unterstützer:innen die FDP abhanden kommen:
       Wohin werden die sich wohl wenden?
       
       Dass es mit Populismus kann, auch wenn der richtig schmuddelig daher kommt,
       das hat ja gerade Hamburgs Bürgertum [7][schon mal bewiesen].
       
       22 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /FDP/!t5007464
 (DIR) [2] /Liberalismus/!t5009609
 (DIR) [3] https://www.bild.de/politik/inland/erster-fdp-landesverband-ringt-mit-der-pleite-strukturelles-defizit-6970ac03568b91954b0e9dcf
 (DIR) [4] https://alexander-froehlich-von-elmbach.wahl.freie-demokraten.de/
 (DIR) [5] /Lindner-und-die-Schuldenbremse/!6065628
 (DIR) [6] /Headliner-Christian-Lindner-fischt-hart-rechts/!6067062&s=fdp+schuldenbremse/
 (DIR) [7] /Hamburg-im-Wuergegriff-des-Populisten/!5803890
       
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