# taz.de -- Debatte über Neuköllner Linken: Ahmed Abed wehrt sich gegen Vorwürfe
       
       > Am Bürgermeisterkandidaten der Linken in Neukölln gibt es scharfe Kritik.
       > Ahmed verteidigt sich und freut sich über Solidarität aus der
       > Linkspartei.
       
 (IMG) Bild: Ahmed Abed als Anwalt der BDS-Bewegung im Berliner Verwaltungsgericht
       
       Nachdem die Neuköllner Linke am Wochenende [1][Ahmed Abed] mit 82,1 Prozent
       der Stimmen zu ihrem Spitzenkandidaten für die Wahl zur
       Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt hatte, war es zuerst die
       Bild-Zeitung, die hyperventilierte: „Linke wählt Israel-Hasser zum
       Bürgermeister-Kandidaten.“ Die Aufstellung des bisherigen
       Fraktionsvorsitzenden stünde für das „Antisemitismus-Problem“ der Linken,
       hieß es in einem weitgehend faktenfreien Artikel.
       
       Doch der Ton war gesetzt, die Nominierung Abeds wurde zum überregionalen
       Thema, getrieben von scharfen Abgrenzungen durch Politiker:innen
       konkurrierender Parteien. So nannte der CDU-Bezirksvorsitzende Falko Liecke
       die Nominierung Abeds einen „Angriff auf jüdisches Leben“. Aus dem Vorstand
       der SPD war zu vernehmen, die Kandidatur sei „Folge einer
       besorgniserregenden Entwicklung der Neuköllner Linkspartei“. Auch die
       Grünen zweifelten an, dass die Linke ein Interesse an einem
       „verantwortungsvollen Regieren“ in Neukölln habe.
       
       Der stets wiederholte Kernvorwurf: Abed hatte im vergangenen Herbst den
       Bürgermeister von Neuköllns israelischer Partnerstadt Bat Yam, der im
       Rathaus zu Gast war, als „Völkermörder“ beschimpft. Zweifellos nicht die
       feine englische Art. Dass Tzvika Brot als Politiker aus Benjamin Netanjahus
       rechter Likud-Partei den Krieg in Gaza mutmaßlich ideologisch mitträgt,
       fiel in der Kritik unter den Tisch. Brots Antwort auf Abed fiel
       dementsprechend aus: „Völkermörder – bestimmt meinen Sie die Hamas?“
       
       Ebenso vorgehalten wird dem Anwalt Abed etwa die Verteidigung von
       palästinasolidarischen Demonstrant:innen oder der umstrittenen
       BDS-Kampagne. Für Aufregung hatte zudem die Weigerung der Neuköllner
       Linksfraktion gesorgt, einem Entschließungsantrag der BVV zur Verurteilung
       der [2][Drohungen gegen die Betreiber:innen der Kneipe Bajszel]
       zuzustimmen.
       
       ## Abed weist Antisemitismusvorwürfe zurück
       
       Im Gespräch mit der taz verteidigt Abed seine Aussagen gegen den
       israelischen Gast und sagt: „Völkermordunterstützer gehören ins Gefängnis,
       nicht in die BVV.“ Zugleich weist der Deutsch-Palästinenser, mit
       Angehörigen in Gaza, von denen „einige ermordet wurden“, wie er sagt,
       Antisemitismusvorwürfe zurück: „Ich setzte mich schon immer gegen jede Form
       von Rassismus und Antisemitismus ein.“ Angriffe aus der CDU, die er als
       „grenzüberschreitend“ bezeichnet, seien auch ein Versuch, von der durch die
       CDU zu verantwortende „[3][Veruntreuung von Geldern gegen Antisemitismus]
       abzulenken“.
       
       Aus der Linken fühlt sich Abed unterstützt. Anfang der Woche verwies
       Bundesgeschäftsführer Janis Ehling darauf, dass auch die Einladung eines
       iranischen Politikers in Zeiten von Massakern „deplatziert“, Abeds Kritik
       demnach „nachvollziehbar“ sei. Auch die Parteivorsitzende Ines Schwerdtner
       sah sich angesichts der „unsäglichen Hetzkampagne“ dazu genötigt, ihren
       Genossen zu verteidigen: Dieser stehe „für soziale Politik und
       Palästinasolidarität in Neukölln“.
       
       Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, Elif Eralp, äußerte sich
       zurückhaltender: Neukölln brauche einen „Bezirksbürgermeister, der sich um
       die drängenden Herausforderungen des Bezirks kümmert, insbesondere um die
       stark steigenden Mieten, die Sauberkeit im öffentlichen Raum und das
       gesellschaftliche Zusammenleben“. Man könnte auch sagen: nicht in erster
       Linie um Nahost. Abed sieht die Aussage nicht als Distanzierung: „Es ist
       klar, dass ich auf soziale Themen in Neukölln setze, auf Wohnungsnot und
       Kinderarmut.“
       
       Gleichwohl sei auch Nahost ein Thema, das in Neukölln und seinem Wahlkampf
       eine „wichtige Rolle“ spiele. Denn im Bezirk gebe es viele Menschen mit
       Angehörigen in Gaza, viele, die Verluste erfahren hätten und zugleich
       würden jene, die demonstrieren, „Polizeigewalt“ erfahren. Sein Ziel als
       Bürgermeister sei es, „die Unterstützung für völkerrechtswidrige Positionen
       aus dem Bezirksamt heraus zu beenden“ und „antimuslimischen Rassismus als
       Problem anzuerkennen“.
       
       Glaubt Abed, dass er von Abgeordneten anderer Parteien zum Bürgermeister
       gewählt werden würde? Abed verweist auf den Sieg der Neuköllner Linken bei
       der Bundestagswahl: „Bei einem klaren Votum der Neuköllnerinnen wollen wir
       über unsere Forderungen verhandeln“, sagt er.
       
       21 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Grossrazzien-in-Berlin-Neukoelln/!5587218
 (DIR) [2] /Anschlaege-auf-Programm-Schaenke/!6044617
 (DIR) [3] /Projekte-gegen-Antisemitismus/!6122985
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erik Peter
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Stefan Liebich
 (DIR) Rechter Terror in Berlin-Neukölln
 (DIR) Antisemitismus
 (DIR) Razzien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Stefan Liebich verlässt die Linkspartei: Bernie Sanders statt Heidi Reichinnek
       
       Der frühere Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich tritt aus der Linken aus.
       Er will sich auf seine neue Heimat USA fokussieren.
       
 (DIR) Rechtsextremismus-Bericht in Neukölln: Geheimhaltung aufgehoben
       
       Ein zunächst zurückgezogener Bericht über Rechtsextremismus im Bezirk ist
       nun doch wieder veröffentlicht worden. Das Bezirksamt hat sich geeinigt.
       
 (DIR) Anschläge auf „Programm-Schänke“: Unter Druck
       
       Das Bajszel in Berlin-Neukölln hat sich dem Kampf gegen Judenhass
       verschrieben. Seit Monaten attackieren Hamas-Freunde die Kneipe, verbal und
       tätlich.
       
 (DIR) Großrazzien in Berlin-Neukölln: „Das ist reine Show“
       
       Ahmed Abed, Neuköllner Linken-Politiker, kritisiert die Großrazzien auf der
       Sonnenallee als stigmatisierend. Die Maßnahmen verstärkten Ausgrenzung.