# taz.de -- Freiburg gegen Maccabi Tel Aviv: Wer zu Gewalt schweigt, legitimiert sie
       
       > Zu Partien wie Maccabi Tel Aviv in der Europa League gegen Freiburg gibt
       > es überregional kaum Kritik. Das ist gefährlich und mutlos.
       
 (IMG) Bild: Maccabi-Fans zeigen beim Spiel gegen Stuttgart israelische Flaggen
       
       In der Freiburger Stadtgesellschaft, ähnlich wie in Stuttgart, hinterlässt
       die Partie in der Europa League gegen [1][Maccabi Tel Aviv] Spuren: ein
       kaum da gewesenes Polizeiaufgebot, ein Fanboykott wegen repressiver
       Maßnahmen, darunter Bannerverbote, eine Petition gegen die Maccabi-Fans und
       den israelischen Fußballverband. Doch im Rest der Republik bleibt es um die
       Partien bemerkenswert still. Sie finden lediglich als Sicherheitsfrage
       statt, vor allem in Bezug auf Antisemitismus. Zu Israels Verbrechen gegen
       die Palästinenser:innen verweigern die Klubs zudem jeden Diskurs.
       
       NGOs wie Amnesty International stufen Israels Vorgehen gegen Gaza im
       Nachgang des Hamas-Massakers vom 7. Oktober auch derzeit als Völkermord
       ein. Allein mindestens 400 Menschen, davon hundert Kinder, wurden laut
       Unicef seit dem Waffenstillstand getötet, die rechtswidrige Blockade hält
       an. Das ist keine Randnotiz. Deutschland hat eine juristische Pflicht,
       Völkermorde zu verhindern und diplomatischen Druck auszuüben. Die schon
       viel länger bestehenden Annexionen, Morde und Vertreibungen im
       Westjordanland gehen konsequent weiter, und systematische Folter gegen
       Palästinenser:innen ist gut dokumentiert.
       
       Der deutsche Fußball aber schweigt nicht nur. Mit Bannerverboten außerhalb
       der Kurve, die klar gegen palästinasolidarische Statements gerichtet sind,
       sowie der Einladung des Bürgermeisters von Tel Aviv legitimiert und stützt
       er dieses System. Auch die sonst meinungsstarken lokalen Ultras haben zum
       Thema nichts zu sagen. Und als Maccabi-Fans gegen Stuttgart etwa „Tod den
       Arabern“ sangen, gab es in deutschen Medien kaum Nachhall. Was wäre zu
       Recht los gewesen, hätten hier Araber „Tod den Juden“ gesungen?
       
       All das ist natürlich nicht überraschend. Dass Menschenrechte als
       performative Erzählung gegen rivalisierende Mächte oder für eigene
       Interessen dienen und bei Verbündeten herzlich egal sind, [2][ist
       ausreichend analysiert]. Auf den deutschen Staat oder die nationalen
       Verbände ist kein Verlass. Aber der Rest der Öffentlichkeit muss laut
       werden.
       
       ## Protest vor Ort oft wirkmächtiger
       
       Wie eine wirksame Strategie zu den Partien aussehen kann, ist eine
       komplexere Frage. Die palästinasolidarische Bewegung fordert gern einen
       Sportboykott gegen Israel. Dafür gibt es moralisch gute Argumente. Doch der
       Sport mit seinen Pyramidenstrukturen und teils milliardenschweren
       Weltkonzernen ist nicht der Kulturbetrieb – Boykotte sind strukturell kaum
       langfristig durchsetzbar, daher meist unwirksam und beinhalten oft
       problematische Kollektivstrafen. Außerdem müsste bei gleichen Maßstäben
       eine unpraktikable Menge an Ländern ausgeschlossen werden, denn anders, als
       mancher Palästinafreund suggeriert, gibt es schwere
       Menschenrechtsverbrechen nicht nur in Israel.
       
       Protest vor Ort war in der Sportgeschichte oft ikonisch und wirkmächtig,
       während Abwesenheit schnell in Vergessenheit geriet. Gegenwehr kann
       beinhalten: Fanproteste, Spielerproteste, Druck durch Klubs, Gedenkminuten,
       Nicht-Einladung israelischer Politiker:innen, Spenden der Spieleinnahmen
       für Gaza wie in Norwegen. Klubs sollten sich nicht nur richtigerweise von
       Organisationen gegen Antisemitismus beraten lassen, sondern auch von
       palästinasolidarischen Organisationen sowie unabhängigen NGOs. Wer an die
       Kraft unabhängiger Sanktionsinstitutionen glaubt, mag sich für eine solche
       auch im Sport einsetzen. Nicht zuletzt gibt es viele Möglichkeiten
       finanzieller Sanktionen gegen Israels Sport.
       
       All das drängt. Angesichts des globalen Rechtsrucks muss der Sport – ob
       [3][beim Thema USA], Russland, Israel, Golf-Autokratien oder vor der
       eigenen Haustür – endlich kluge Strategien entwickeln, ohne sich in
       emotionalisierten Boykottdebatten zu verlieren. Das schulden wir nicht nur
       den Opfern. Gewalt macht auch etwas mit Täter:innen. Eine Gesellschaft, die
       bestimmte Gewalt nicht thematisiert, normalisiert sie. Und
       hochmilitarisierte Spiele mit eingeschränkter Meinungsäußerung sind eine
       gefährliche Vorlage für die Zukunft.
       
       Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es,
       es gebe eine Petition gegen Israel. Es handelt sich jedoch um eine Petition
       gegen die Maccabi-Fans und den israelischen Fußballverband. Der Fehler ist
       korrigiert.
       
       21 Jan 2026
       
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