# taz.de -- US-Thriller „The Long Walk“: Wer strauchelt, wird erschossen
       
       > Der Film „The Long Walk“ schildert eine brutale Zukunft, basierend auf
       > einem Roman von Stephen King. Nun erscheint der Thriller auf DVD.
       
 (IMG) Bild: Den „Major“ gibt in „The Long Walk“ kein anderer als Mark Hamill
       
       In den dreißiger Jahren, zur Zeit der Großen Depression, florierte in den
       USA eine brutale Art von Event: der Tanzmarathon. So gut wie jede Stadt
       veranstaltete einen, das Publikum – in der Mehrheit weiblich – ging
       insgesamt in die Millionen. Nur die Sieger wurden reichlich entlohnt, vor
       allem für die Veranstalter war es ein Riesengeschäft. Und je härter die
       Zeiten wurden, desto brutaler die Regeln: Wer am längsten mit dem Tanzen
       durchhält, gewinnt.
       
       Manche dieser Marathons gingen wochen-, wenn nicht monatelang. Es gab genau
       geregelte Pausen, es gab Essen, aber noch beim Essen musste oft
       weitergetanzt werden.
       
       1969 hat Sydney Pollack einen berühmten, bis heute sehr sehenswerten Film
       darüber gedreht: „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“. Den konnte
       [1][Stephen King] nicht kennen, als er, gerade neunzehn, 1966 seinen ersten
       Roman schrieb, „The Long Walk“, der dann erst dreizehn Jahre später unter
       seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht wurde.
       
       Was King sehr sicher kannte, war die Vorlage für den Film, der grandios
       düstere Roman von Horace McCoy, der 1935, auf dem Höhepunkt des Wahnsinns,
       erschien. Das war nämlich genau die Sorte von gnadenloser
       Hardboiled-Literatur, die King bis heute verehrt und abseits seiner
       Horrorhauptbeschäftigung manchmal auch schreibt.
       
       ## Radikalisierung des Tanzmarathons
       
       „The Long Walk“ (Todesmarsch) ist eine Radikalisierung der Idee des
       Tanzmarathons. Nur wird hier nicht getanzt, sondern recht flott marschiert;
       das Tempo wurde für den Film etwas gemindert, mit Zustimmung Kings, der die
       Verfilmung ohnehin ausdrücklich lobte. (Will etwas heißen, nicht nur
       „Shining“ hielt der Meister lautstark für missraten.)
       
       Außerdem ist das Teilnehmerfeld nicht geschlechtergemischt. Nur Männer, bei
       King waren es Jungs, hier sind sie ein wenig älter. Roman wie Film spielen
       in einer dystopischen Zukunft, es herrscht nach einem Krieg ein
       faschistoides Unterdrückungsregime, der reich belohnte Sieg beim Marsch ist
       für die Teilnehmer die einzige Hoffnung auf Geld, Ansehen, Zukunft.
       
       ## Sie laufen. Und laufen. Und laufen
       
       Auch den zynischen Anpeitscher hat King aus dem Roman von Horace McCoy. Er
       heißt hier „The Major“, Mark „Skywalker“ (!) Hamill spielt ihn so
       eindimensional, wie er gemeint ist. Und die jungen Helden: Sie laufen. Und
       laufen. Und laufen. Und werden, das ist die dystopische Verschärfung
       gegenüber den Tanzmarathons, wenn sie ins Straucheln geraten, einer nach
       dem anderen erschossen.
       
       Das wiederum ist aus einer Tradition der Todesspielfilme vertraut, die sich
       von [2][Tom Toelles „Das Millionenspiel“ (1970)] über Kinji Fukasakus
       „Battle Royale“ (2000) bis zu den „Hunger Games“-Filmen erstreckt.
       
       „The Long Walk“-[3][Regisseur Francis Lawrence ist denn auch als „Hunger
       Games“-Veteran] in der Sache gestählt. Wobei die Tatsache, dass der Plot
       hier so entschieden aufs Laufen, und beim Laufen aufs Reden, und beim
       Nichtmehrlaufen aufs Erschossenwerden konzentriert ist, zu formalen
       Originalitäten einladen könnte. Dafür ist der solide Handwerker Lawrence
       nicht der Mann. Aber immerhin hält er die Sache in steter Bewegung.
       Einzelne Figuren werden psychologisch herausmodelliert, meist nahe am
       Roman, es geht erwartbar um Freundschaft, Liebe, Hoffnung.
       
       Die Dialoge, nun ja. Drehbuch übrigens JT Mollner, der mit „Strange
       Darling“ auch schon als Regisseur reüssiert. Weil die Teilnehmer
       ausnahmslos Männer sind, und junge dazu, klingt das, vielleicht
       realistischerweise, oft nach einer wandelnden Männerumkleide. Das Problem
       der Körperausscheidungen sorgt für die eine oder andere, teils tödliche
       Pointe. Wer sophistication sucht, ist hier ohnehin an der falschen Adresse.
       Wer einen bösen Plot will, der das eine, was er im Sinn hat, dann auch
       konsequent durchzieht, wird aber bestens bedient.
       
       21 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Spielfilm-Der-dunkle-Turm/!5433275
 (DIR) [2] /Fernsehautor-Menge-gestorben/!5081515
 (DIR) [3] /Letzter-Teil-der-Tribute-von-Panem/!5254137
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ekkehard Knörer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) DVD
 (DIR) Stephen King
 (DIR) Film
 (DIR) Horrorfilm
 (DIR) Science-Fiction
 (DIR) Stephen King
 (DIR) Kino
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sci-Fi-Film „The Running Man“: Brot und Spiele
       
       Edgar Wright hat den Arnold-Schwarzenegger-Klassiker „The Running Man“ neu
       verfilmt. Der Sci-Fi-Film wärmt eine alte These der Medienkritik neu auf.
       
 (DIR) Spielfilm „Der dunkle Turm“: Von Revolverhelden träumen
       
       Nikolaj Arcel macht aus Stephen Kings 4.500-Seiten-Buch „Der dunkle Turm“
       einen Fantasy-Science-Fiction-Horror-Western. Länge: 95 Minuten.
       
 (DIR) Letzter Teil der „Tribute von Panem“: Mit Propos gegen den Diktator
       
       Die „Tribute von Panem“-Reihe gilt als fortschrittlichste im Fantasy-Genre.
       Dennoch muss die Heldin beim Tyrannenmord gut aussehen.