# taz.de -- Verwaltungsrichter unter Troll-Verdacht: Rücktritt nach taz-Recherche
> Der Osnabrücker Richter Gert Armin Neuhäuser steht im Verdacht,
> Hasskommentare im Internet verfasst zu haben. Er zieht nun erste
> Konsequenzen.
Der Präsident des Verwaltungsgerichtes Osnabrück, Gert Armin Neuhäuser, ist
von seinem Amt als Vorsitzender des Verbandes der niedersächsischen
Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen (VNVR) zurückgetreten. Er
macht dafür eine „politische Kampagne“ der taz verantwortlich.
Den Rücktritt will er nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen, ihm
sei vielmehr daran gelegen, dass die wichtige Arbeit des Verbandes nicht
durch Debatten über seine Person beschädigt wird, erklärte er seinen
Vorstandskolleginnen.
Die taz hatte darüber berichtet, dass Neuhäuser [1][möglicherweise mit dem
Instagram-Account „profdrcn“ (früher: profdrgan) in Verbindung steht], mit
dem immer wieder herabsetzende Kommentare vor allem über Frauen und queere
Personen gepostet wurden. Da wird die österreichische Musikerin Schwesta
Ebra als „presswurst“ beschimpft, zu einem Musiker, der für ein
lesbisch-schwules Stadtfest in Berlin, das „Motzstraßenfest“, wirbt, lautet
der Kommentar: „Kotzstrassenfest“. Es gibt eine Reihe von Indizien, die
darauf hindeuten, dass diese Posts von Neuhäuser stammen könnten.
Neuhäuser will sich zu diesen Instagram-Beiträgen nicht äußern. Ein Teil
der kritisierten Äußerungen war nach der taz-Anfrage verschwunden. Der
Richter lässt nur noch seinen Anwalt sprechen. Und der betont gegenüber
verschiedenen Medien vor allem, dass die Enthüllungen politisch motiviert
seien.
## Entsetzen über Kommentare
Unter Neuhäusers Vorsitz hatte das Verwaltungsgericht Osnabrück im Januar
2025 entschieden, dass [2][ein Polizist, der an rechten Chatgruppen
beteiligt war,] nicht aus dem Dienst zu entfernen, sondern lediglich
zurückzustufen sei.
Gegen die Verdachtsberichterstattung der taz wolle er sich juristisch zur
Wehr setzen, ließ Neuhäuser verlauten. Auch beim Presserat hat er eine
Beschwerde eingereicht.
Welche beruflichen Konsequenzen diese Affäre haben wird, ist noch nicht
abzusehen. Sowohl das Justizministerium als auch die Universität Hannover,
wo Neuhäuser als Honorarprofessor lehrt, äußerten sich entsetzt über die
Hasskommentare an sich. Allerdings teilten beide Institutionen auch mit,
dass eine mögliche Urheberschaft Neuhäusers in ihren Augen gegenwärtig noch
nicht sicher genug nachgewiesen sei.
## Staatsanwaltschaft prüft Strafbarkeit
Für [3][Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD)] ist die Causa auch deshalb
heikel, weil sie dem Thema Hasskommentare im Internet und Schutz von Frauen
vor unerwünschten Bildaufnahmen, verbaler Belästigung und Gewalt in ihrer
Amtszeit bisher viel Raum gegeben hat.
Bis zum Dienstag hatte Neuhäuser Zeit, eine Stellungnahme beim
Oberverwaltungsgericht in Lüneburg abzugeben, das disziplinarrechtlich
zuständig ist. Diese wird dort nun noch geprüft, um zu entscheiden, ob
überhaupt ein dienstrechtlich relevantes Fehlverhalten vorliegt.
Davon unabhängig muss die zuständige Staatsanwaltschaft in Göttingen
prüfen, ob die Äußerung die Grenze zur Strafbarkeit überschreiten. Wenn es
dabei um persönliche Beleidigungen geht, setzt das allerdings in der Regel
einen Strafantrag voraus. Nur in schwerwiegenderen Fällen, bei sogenannten
verhetzenden Beleidigungen, kann so etwas zum Offizialdelikt werden.
„Ein derart frauenverachtendes Weltbild widerspricht den Grundwerten der
Justiz“, sagt die rechtspolitische Sprecherin der Grünen im
niedersächsischen Landtag, Evrim Camuz. Um das Ansehen der Justiz nicht
weiter zu gefährden, sei jetzt eine zügige Aufklärung nötig – im Interesse
des Verdächtigten genauso wie der Öffentlichkeit und vor allem der
Studierenden, die ihm im Examen begegnen. Sie wünsche sich allerdings auch,
dass man hier eine unaufgeregte Sachverhaltsaufklärung erst einmal abwarte
– denn das Vertrauen in den Rechtsstaat wiege am Ende doch schwerer als
eine Schlagzeile.
21 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Hasskommentare-im-Internet/!6142257
(DIR) [2] /Ermittlungen-wegen-rechter-Posts/!6087097
(DIR) [3] /Lagebild-Organisierte-Kriminalitaet/!6126212
## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
## TAGS
(DIR) Hasskriminalität
(DIR) Digitale Medien
(DIR) Justiz
(DIR) Richter
(DIR) GNS
(DIR) wochentaz
(DIR) Sexualisierte Gewalt
(DIR) Hasskriminalität
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hasskommentare im Internet: Anonym verurteilt
Auf Instagram beleidigt „profdrcn“ seit Jahren Frauen und queere Menschen.
Steckt dahinter ein hochrangiger Richter, der auch an einer Uni lehrt?
(DIR) Digitale Gewalt: Hass im Netz nimmt zu
Besonders Frauen und Personen mit Migrationshintergrund sind von Gewalt im
Netz betroffen. Die Meinungsvielfalt leide, warnen die Studienherausgeber.
(DIR) Netzexpertin über digitale Gewalt: „Hatern nicht das Feld überlassen“
Hass im Internet bleibt nicht rein digital, sondern schränkt das Leben
Betroffener stark ein, sagt Katharina Nocun. Sie sieht dringenden
Handlungsbedarf, um Menschen besser zu schützen.