# taz.de -- Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi: Arbeitskampf auf der Autobahn
       
       > Bundesweit streiken Mitarbeitende der Autobahn und der
       > Landesstraßenbauverwaltungen. Straßen sind dicht – und manche Arbeitgeber
       > schon einsichtig.
       
 (IMG) Bild: Der bundesweite Warnstreik im öffentlichen Dienst sorgt für massive Verkehrsprobleme rund um den Elbtunnel am 20. Januar
       
       15 Kilometer Stau am Elbtunnel in Hamburg, Fahrtrichtung Norden. Der
       Angestellte der Autobahn GmbH, mit oranger Warnweste und einer Mütze mit
       dem Logo des Arbeitgebers, klingt zufrieden, als er in die Kamera spricht:
       „Man kann sehen: Wir können den Elbtunnel bestreiken, es hat Auswirkungen“,
       sagt er. Und schiebt hinterher: „Gute Arbeit muss gut bezahlt werden.“
       
       Auch in Bremen, in Nordrhein-Westfalen, in Karlsruhe, Rosenheim und vielen
       weiteren Orten in ganz Deutschland haben am Dienstag Mitarbeiter:innen
       der Autobahn GmbH und der Landesstraßenbauverwaltungen gestreikt. In
       Niedersachsen blieben mehrere Brücken und Tunnel gesperrt. Die Gewerkschaft
       Verdi hatte zu Arbeitskampf, Protestaktionen und Kundgebungen aufgerufen,
       weil die Tarifrunden mit den Arbeitgebern – der Autobahn GmbH des Bundes
       und den Bundesländern – „zäh bis inakzeptabel“ verlaufen würden.
       
       „Es ist uns gelungen, in Dutzenden Dienststellen Kolleginnen und Kollegen
       zum Branchenwarnstreik zu mobilisieren“, freute sich Christine Behle, die
       stellvertretende Verdi-Vorsitzende, am späten Dienstagnachmittag. [1][Im
       Vorfeld hatte sie gesagt], die Beschäftigten wollten mit dem gemeinsamen
       Streiktag zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört.
       
       Die Aktionen fanden am Dienstag längst nicht alle auf der Straße statt,
       viele starteten an den Standorten der Verwaltungen. Bundesweit beteiligten
       sich laut der Gewerkschaft mehrere tausend Mitarbeiter:innen am
       Arbeitskampf. Es habe an allen 18 geplanten Standorten Streiks,
       Kundgebungen, Demozüge oder Versammlungen gegeben, sagte ein Verdi-Sprecher
       der taz. Ohnehin seien die Aktionen „eher ein Zeichen an die Arbeitgeber
       und weniger dazu da, die Autofahrer:innen zu nerven“.
       
       ## Verdi fordert mehr Monatsgehalt
       
       Die Streikenden arbeiten zum Beispiel in Außenstellen der Autobahn GmbH, in
       Straßenmeistereien, Tunnel- oder Verkehrsleitzentralen. Die Gewerkschaft
       fordert für sie in beiden Tarifrunden 7 Prozent mehr Gehalt pro Monat –
       aber mindestens 300 Euro, um vor allem niedrige Lohngruppen etwas besser zu
       stellen. Mehr Geld soll es auch für Nachwuchskräfte geben.
       
       Die Tarifverhandlungen mit der Autobahn GmbH des Bundes begannen Anfang
       Januar, noch legte der Arbeitgeber kein Angebot für eine Anpassung der
       monatlichen Gehälter vor. Die erste Verhandlungsrunde hatten die
       Gewerkschaften Verdi, der Beamtenbund und die Tarifunion [2][vorzeitig
       abgebrochen].
       
       In den Verhandlungen über den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der
       Länder, der für die Beschäftigten der Landesstraßenbauverwaltungen gilt,
       machte die Tarifgemeinschaft der Länder in der zweiten Verhandlungsrunde
       zwar ein Angebot – das war laut Verdi aber „ungenügend, zudem unkonkret“.
       
       Bei einer Aktion vor dem Berliner Hauptsitz der Autobahn GmbH habe sich die
       Arbeitgeberseite am Dienstag einsichtig gezeigt und ein Angebot in Aussicht
       gestellt, erzählt der Verdi-Sprecher. Die nächste Verhandlungsrunde ist für
       den 6. Februar angesetzt. Die Verhandlungen für Beschäftigte im
       öffentlichen Dienst gehen wiederum am 11. Februar weiter.
       
       ## Schlecht bestellt um Straßen und Brücken
       
       Zuletzt hatten Ereignisse wie der [3][Einsturz der Dresdner Carolabrücke]
       oder die Vollsperrung der baufälligen Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid im
       Sauerland gezeigt, wie wichtig eine intakte Verkehrsinfrastruktur ist – und
       wie schlecht es um deutsche Straßen und Brücken bestellt ist.
       
       Weil Personalkapazitäten für Planung und Bau knapp sind, [4][fordern viele
       Umweltverbände], die Sanierung von Straßen und Brücken zu priorisieren und
       Pläne für Straßenneubau auf Eis zu legen. Im Bundeshaushalt der aktuellen
       Regierung wird aber zum Beispiel die Autobahn GmbH dennoch mit mehreren
       Milliarden Euro bedacht, auch für den Bau neuer Straßen.
       
       20 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/branchenstreiktag-deutschen-autobahnen-und-landesstrassen-verdi-ruft-fuer-dienstag-gemeinsamen
 (DIR) [2] https://www.autobahn.de/presse/mitteilung/tarifverhandlungen-2026-autobahn-gmbh-bedauert-die-vorzeitige-beendigung-des-ersten-verhandlungstermins-durch-die-gewerkschaften
 (DIR) [3] /Nach-Kollaps-der-Carolabruecke-in-Dresden/!6095375
 (DIR) [4] https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/mobilitaet/kurzinfo-marode-autobahn-bruecken-bund.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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