# taz.de -- Vorsätze in 2026: Den Schweinehund gezielt triggern
> Wer im Jahr 2026 seine guten Vorsätze nicht einhält, dem droht die
> Höchststrafe: bei der eigenen Mutter verpetzt zu werden.
(IMG) Bild: Verführerische Chips: Wenn der Schweinehund nicht zu bändigen ist
Der Januar ist noch nicht mal rum, da sind die [1][guten Vorsätze] schon
fast vergessen. Nach zwei Wochen Fitnessstudio erwischt mich Felix, wie ich
faul auf der Couch liege, ziellos durch Netflix-Disney-HBO zappe und
fettige Chips in mich hineinstopfe, anstatt Kilometer auf dem Laufband zu
fressen.
„Wie war das mit Sport, gesunder Ernährung und [2][US-Konzerne
boykottieren]?“, fragt mein Freund aus der Zukunft und nimmt mir die
Chipstüte aus der Hand.
„Lass uns was unternehmen!“, schlägt er vor.
„Keine Lust.“
„Was ist nur los mit dir?“
„Alles ist los! Wetter, Weltlage, Was-weiß-ich. Ich kann mich einfach nicht
aufraffen.“
„Das werden wir ja sehen.“ Felix schnappt sich mein Handy und macht ein
Foto von mir. Sehr unvorteilhaft von unten und mit Chipsresten im
Ausschnitt. „Wenn du jetzt nicht sofort aufstehst, poste ich das Bild bei
Insta.“
Ich springe hoch. „Spinnst du?“ Schnell greife ich nach dem Telefon und
lösche das Foto.
Felix grinst. „Runter von der Couch hast du es schon mal geschafft. Wenn du
mich auf einen Spaziergang begleitest, erzähle ich dir, wie wir es im Jahr
2126 geschafft haben, den inneren Schweinehund langfristig zu bändigen.“
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Beim – zugegebenermaßen –
wunderschön verschneiten Winterspaziergang beginnt er zu erzählen: „Jeder
kennt den Kampf gegen den inneren Schweinehund. Und wenn man den immer
wieder verliert, kann das zu einem echten Problem werden: Schon heute
verlassen viele Menschen kaum noch ihre Wohnung. Sie leben und arbeiten zu
Hause, hängen den ganzen Tag im Internet ab und bestellen Essen nur noch
beim Lieferservice. Es fällt ihnen immer schwerer, rauszugehen und soziale
Kontakte zu knüpfen oder andere unangenehme Alltagsverpflichtungen zu
erfüllen.“
„Kenn ich: Früher habe ich auch viel mehr telefoniert. Heute schreibe ich
[3][lieber zehn Nachrichten, bevor ich einmal anrufe].“
„Dann kannst du dir auch vorstellen, dass das in Zukunft noch schlimmer
wird. Um dieses Problem zu lösen, gibt es bei uns den Berufszweig der
Tamodi-Coaches. Im Volksmund auch Schweinehundbändiger genannt. Sie
entwickeln gemeinsam mit dir unangenehme Konsequenzen, die du so sehr hasst
– Lateinisch tam odi – dass du dich gezwungen siehst, die Dinge zu
erledigen, die du vorher lieber vermieden hättest: zum Sport gehen, das
Buch endlich fertigschreiben oder [4][die Steuererklärung machen].“
„Und was macht der Coach dann?“
„Er drosselt etwa deine Internetleitung, dreht dir das warme Wasser ab oder
verpetzt dich bei deiner Mutter.“
„Wie gemein!“
Der frische Schnee knirscht unter unseren Füßen als Felix weiterredet. „Ja!
Und vertraglich genau geregelt. Im Beratungsgespräch wird analysiert, was
dich am meisten triggert und welche Eskalationsstufen am besten
funktionieren. Bei dir könnte ich mir einen dreistufigen Plan vorstellen:
Einen Termin im Fitnessstudio verpasst: Der Tamodi-Coach verrät deiner
Nachbarin, dass du ihre Markenjeans von der Wäscheleine geklaut hast.
Zweites Mal geschwänzt: Der Tamodi-Coach schickt Störer zu deiner Lesung,
die die ganze Zeit dazwischenquatschen. Und beim dritten Mal kommt eine
Handballmannschaft nach dem Training vorbei, um ungeduscht zwei Kästen Bier
bei dir zu trinken.“
1 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Theresa Hannig
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