# taz.de -- US-Geschäft wird abgespalten: Dreiteilung bei Tiktok
> Die Video-Plattform ist dabei, ihr US-Geschäft abzuspalten. Beruhigend
> ist das nicht. Die Auswirkungen könnten bis nach Europa reichen.
(IMG) Bild: Larry Ellison (r.), Gründer des Unternehmens Oracle, ist einer der reichsten Menschen der Welt und zudem Vertrauter von Trump
Am 22. Januar soll es so weit sein: Dann soll das US-Geschäft der
Videoplattform [1][Tiktok] von ihrem chinesischen Mutterkonzern Bytedance
abgespalten werden und an ein Joint Venture von US-Unternehmen übergehen.
Neben Finanzfirmen aus den USA und Abu-Dhabi wird [2][Medienberichten]
zufolge in der Unternehmenskooperation ein Trump-naher Akteur eine zentrale
Rolle spielen, der schon in den vergangenen Jahren immer wieder politisch
mitmischte: der IT-Konzern Oracle.
„Mit dem durch Oracle geführten Konsortium übernehmen weitere Trump-nahe
Kreise die letzte nicht Trump-nahe digitale Öffentlichkeit und können damit
künftig Diskurse und Meinungen steuern“, ordnet der Netzexperte Markus
Beckedahl vom Zentrum für Digitalrechte den Deal ein.
Die Übernahme geht zurück auf eine Initiative aus der Amtszeit von Trumps
Vorgänger Joe Biden. Dessen Regierung sah in der populären App des
chinesischen Eigentümers eine Gefahr für die nationale Sicherheit – und
wollte sie aus den USA verbannt wissen. Tiktok ist eine der populärsten
Apps vor allem bei jungen Menschen: Inhalte, Tanzbewegungen oder Memes, die
in den Kurzvideos viral gehen, erreichen ein Millionenpublikum. Für Europa
meldete die Plattform im September 200 Millionen monatlich aktive
Nutzer:innen, weltweit wird die Zahl auf rund 1,6 Milliarden geschätzt.
Die Plattform befindet sich in den Händen des chinesischen Konzerns
Bytedance. Trotz dessen gegenteiliger Beteuerungen reißen die Vermutungen
nicht ab, dass die chinesische Regierung zum einen an Daten von
Nutzer:innen auch aus Europa und den USA kommt – und zum anderen auch
Einfluss auf die Inhalte nimmt. Indizien dazu gibt es immer wieder.
So legen Ergebnisse von Forscher:innen nahe, dass der Tiktok-Algorithmus
unter anderem Beiträge, in denen es um Hongkong, Taiwan und die Uiguren
geht, shadowranked. Shadowranking bedeutet, dass ein Algorithmus Inhalte
heruntergewichtet und damit ihre Reichweite begrenzt. Ob so etwas jedoch
auf direkten Einfluss der chinesischen Regierung zurückgeht, ist unklar.
## Die Drohung: Sperrung oder Verkaufs
Die US-Regierung stellte den Eigentümer vor die Alternative: Sperrung der
App innerhalb der USA oder Verkauf an US-Investor:innen. Nach diversen
Fristverlängerungen des aktuellen US-Präsidenten Trump, der offensichtlich
das populistische Potenzial von Tiktok nicht missen wollte, kommt es nun
zur Übernahme. Unklar ist allerdings der Kaufpreis: Im September hatte
US-Vizepräsident J. D. Vance den Wert des US-Geschäfts von Tiktok auf
ungefähr 14 Milliarden Dollar beziffert.
Der IT-Konzern Oracle galt dabei früh als potenzieller Beteiligter an einem
Kauf. Larry Ellison, Gründer des Unternehmens, ist einer der reichsten
Menschen der Welt. Laut der Milliardärsliste der Finanzagentur Bloomberg
beziffert sich sein Vermögen auf rund 250 Milliarden US-Dollar. Ellison ist
zudem Vertrauter von Trump. Und die Familie ist ein Schwergewicht, was
Investitionen und Kontrolle im Mediensektor angeht: Erst im August hatte
Ellisons Sohn David den Hollywood-Konzern Paramount übernommen und mit
seinem Konzern Skydance fusioniert. Zu Paramount gehört unter anderem der
Fernsehsender CBS, [3][der oft zur Zielscheibe von Trump wurde] – und
dessen Nachrichtenreaktion kurz nach der Übernahme umgebaut wurde.
Andere Tech-Konzerne mit Lautsprecherfunktion sind schon auf Trump-Linie:
Die Plattform X mit Eigentümer Elon Musk ohnehin, und auch Meta-Chef Mark
Zuckerberg zeigt sich seit Trumps erneutem Amtsantritt loyal. Mit Tiktoks
US-Sparte kommt nun eine weitere große Plattform unter US-Einfluss und
rückt gleich in Trumps Nähe. Die demokratische Senatorin Elisabeth Warren
kritisierte nach der Vereinbarung: „Trump will seinen Milliardärs-Kumpeln
noch mehr Kontrolle darüber geben, was ihr seht.“
„Wenn das so zustande kommt, dann erleben wir eine digitale Gleichschaltung
in den USA“, sagt auch Digitalexperte Beckedahl. Es sei eine ähnliche
Entwicklung, wie man sie auch in Ungarn oder Russland schon gesehen habe:
„Regierungsnahe Oligarchen übernehmen wichtige Medien, um eine
regierungsfreundliche Öffentlichkeit zu schaffen.“
Beckedahl geht davon aus, dass sich Tiktok in die gleiche Richtung
entwickeln wird wie Twitter, heute X, nach der Übernahme durch Elon Musk:
eine massive und schnelle Wendung nach rechts: „Man hat entscheidende
Stellschrauben für eine Manipulation der Öffentlichkeit zur Verfügung, und
diese Akteure werden sie garantiert nutzen.“ Eine Entwicklung, die auch
bleibe, wenn Trump weg sei.
## Und in Europa?
Für europäische Nutzer:innen wird der Abschluss der Übernahme
voraussichtlich lautlos vonstattengehen – zunächst. Bislang gibt es zwei
Versionen von Tiktok: eine für China und eine für den Rest der Welt. Nun
werden es drei: USA, China und der Rest der Welt. Da die Version für Europa
unverändert in der Hand von Bytedance bleibt, wird sich für hiesige
Nutzer:innen erst einmal wenig ändern.
Das könnte aber anders werden, wenn Tiktok in den USA einen neuen oder
zumindest veränderten Algorithmus bekommt. Der ist das Herzstück der
Plattform und entscheidend dafür, welche Videos Nutzer:innen angezeigt
bekommen. Und für die Trump-Regierung wird der Algorithmus die maßgebliche
Stellschraube sein, um seine politischen Interessen zu verbreiten. Schon
jetzt bevorzugt der Algorithmus, wie bei vielen großen
Social-Media-Diensten üblich, polarisierende und schnell konsumierbare
Inhalte. Also genau solche, die Trump und seine Politik bieten – und die
über Tiktok ein großes und junges Publikum erreichen.
Offen ist noch, wie die Schnittstellen von der US-Version zum
Rest-der-Welt-Tiktok aussehen werden und wie sich das auf die
Funktionalität für europäische Nutzer:innen auswirken wird. Zum
Beispiel, wenn hiesige Nutzende Videos von US-amerikanischen
Creator:innen liken oder mit ihnen interagieren wollen.
Angesichts der großen Abhängigkeit Europas von US-Plattformen fordert
Beckedahl eine konsequente Durchsetzung der Regeln für die
Plattformregulierung. Und gleichzeitig eine politische Strategie dafür,
Alternativen zu schaffen, um die Abhängigkeiten zu reduzieren.
21 Jan 2026
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## AUTOREN
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