# taz.de -- Wahlen in Uganda: „Wir wollen doch nur, dass sich etwas ändert“
> Seit 40 Jahren regiert Präsident Museveni Uganda, jetzt will er
> reibungslos wiedergewählt werden. Sein Sicherheitsapparat sorgt dafür –
> ganz direkt.
(IMG) Bild: Wahlen in Uganda: Polizisten bewachen eine Wahlurne in der Hauptstadt Kampala
David Mutwe steht mit verschränkten Armen am Eingang des Wahlbüros und
guckt frustriert auf seine Armbanduhr: Sie zeigt kurz nach 9 Uhr am
Vormittag. Um 7 Uhr hätte das Wahlbüro in diesem Vorort von Ugandas
Hauptstadt Kampala eigentlich öffnen sollen. Aber noch immer sind keine
Wahlunterlagen und Wahlurnen da.
„Mein Chef hat mir nur drei Stunden heute früh freigegeben, um wählen zu
gehen – die sind jetzt gleich um“, sagt der 35-Jährige, der am nahe
gelegenen Fischmarkt am Ufer des Victoriasees für eine chinesische Firma
Victoriabarsch zum Export verpacken muss. „Die liefern die Wahlmaterialien
extra spät aus, damit wir nicht alle heute unsere Stimme abgeben können“,
ist er sich sicher.
Über 21 Millionen Wahlberechtigte sind in Uganda an diesem Donnerstag
[1][aufgerufen, ihre Stimmen abzugeben]. Gewählt wird ein neuer Präsident
sowie ein neues Parlament. Ugandas Präsident [2][Yoweri Museveni] ist seit
fast auf den Tag genau 40 Jahren an der Macht. Der mittlerweile 81-Jährige
tritt auch dieses Mal wieder an. Sämtliche Altersbeschränkungen für
Präsidentschaftskandidaten ließ er bereits 2017 per Referendum aus der
Verfassung streichen.
Sein direkter Konkurrent ist der 43-jährige Musikstar Robert Kyagulanyi,
bekannt unter seinem Künstlernamen [3][Bobi Wine]. Bei den letzten Wahlen
2021 holte er rund 35 Prozent – und auch dieses Mal hat er im Wahlkampf
seine Anhänger mobilisieren können. Uganda hat eine der jüngsten
Bevölkerungen der Welt. Mehr als die Hälfte der 52 Millionen Ugander und
Uganderinnen ist jünger als 17, mehr als drei Viertel sind unter 40 Jahre
alt und haben noch nie einen anderen Präsidenten erlebt als Museveni.
## Unter der Äquatorsonne
„Wir wollen doch nur, dass sich etwas ändert und unser Leben besser wird“,
erklärt auch Mutwe den Grund, warum er seit fast drei Stunden in der
brütend heißen Äquatorsonne ausharrt, um endlich seine Stimme abzugeben.
„Die Leute an der Macht wollen ja nur, dass wir alle vorzeitig nach Hause
gehen, statt unser Kreuz zu machen.“
Im Schulhof der heruntergekommenen staatlichen Grundschule im Fischerdorf
[4][Ggaba] am südlichen Zipfel der ugandischen Hauptstadt tummeln sich
Hunderte Menschen, zumeist junge Fischer wie Mutwe. Die meisten sind extra
früh mit ihren Booten gekommen, um ihre Stimmen abzugeben. Dass sie jetzt
warten müssen, erzeugt enorm viel Frust. Einige öffnen kleine Flaschen mit
Schnaps, um sich die Wartezeit zu vertreiben. Die Stimmung heizt sich so
langsam auf, die Temperaturen im direkten Sonnenschein ebenso.
Kurz vor 10 Uhr kommt Bewegung in die Sache. Zwei Lastwagen kommen
angefahren. Polizisten laden schwarze versiegelte Boxen mit Stimmzetteln
ab. Hunderte Männer und wenige ältere Frauen drängen sich in den Schulhof,
es wird geschubst und gerempelt. Die wenigen Polizisten versuchen, Ordnung
zu schaffen, die Wähler in Warteschlangen einzusortieren.
Da tritt ein großer, fein gekleideter Mann in Zivil mit Gesichtsmaske an
den Polizeichef heran und sagt zu ihm auf Swahili, in Uganda die Sprache
der Armee, er übernehme nun das Kommando. In Uganda bedeutet dies, er
arbeitet für einen der zahlreichen Geheimdienste, die Musevenis ältestem
Sohn, Muhoozi Kainerugaba, in seiner Funktion als Armeechef direkt
unterstellt sind.
Nur wenige Hundert Meter von der Grundschule in Ggaba entfernt errichteten
Spezialkräfte der Armee Zelte, in denen sie die Nacht verbracht haben. Im
Gleichschritt marschieren sie die Straßen entlang. Armeechef Muhoozi rief
die Bevölkerung im Vorfeld dazu auf, nach der Stimmabgabe direkt nach Hause
zu gehen, um den Wahlgang nicht zu stören.
Oppositionsführer Bobi Wine wiederum rief seine Anhänger auf, bis zur
Stimmauszählung am Abend vor den Wahlbüros auszuharren, damit niemand das
Ergebnis manipulieren könne. Die meisten Ugander haben kein Vertrauen in
den Wahlgang. Die verspätete Auslieferung der Wahlmaterialien heizt dieses
Misstrauen weiter an.
## Stimmabgabe in der Waschwanne
Über eine Stunde dauert es, bis die Wahlhelfer die versiegelten Behälter
geöffnet, die Stimmzettel sortiert und die Wahlurnen im Schulhof
positioniert haben. Das Kreuz machen die Wähler und Wählerinnen dann nicht
hinter einer Stellwand im Privaten, sondern in einer Waschwanne am Boden,
in der die angeketteten Kugelschreiber liegen und die keinen Sichtschutz
bietet. Alles wirkt etwas improvisiert.
Als eine Wahlhelferin die elektronische Fingerabdruckmaschine anmacht, hebt
sie ratlos die Schultern. Ugandas Regierung hat bereits am Dienstagabend
das Internet landesweit ausgeschaltet, selbst über VPN-Anwendungen kommt
niemand online. Das bedeutet auch, dass die elektronischen Geräte in den
Wahllokalen keine Verbindung zum Server der Wahlkommission herstellen
können und damit unbrauchbar sind.
Eigentlich müssen vor der Stimmabgabe die Identitäten der Wähler und
Wählerinnen per Fingerabdruckabgleich bestätigt werden – das geht jetzt
nicht. Ratlos packt die Wahlhelferin die Fingerabdruckgeräte wieder ein und
zückt stattdessen eine lange Liste mit den Namen von mehr 700 Wählern, die
heute in diesem Wahlbüro ihre Stimme abgeben dürfen.
David Mutwe steht ganz vorne in der Warteschlange. Immer wieder blickt er
auf die Uhr. Sein chinesischer Chef habe bereits zweimal angerufen, wann er
endlich zur Arbeit erscheine, berichtet er. Der Fisch werde sonst schlecht.
Er nennt der Wahlhelferin seinen Namen. Es dauert fast 15 Minuten, bis sie
ihn in der langen Liste findet und durchstreichen kann. Um kurz vor 12 Uhr
mittags endlich gibt Mutwe seine Stimme ab. Etwas gefrustet lässt er seinen
Daumen mit blauer wasserfeste Tinte markieren, was verhindern soll, dass er
woanders noch einmal wählen geht.
## Prügel für einen Song
Da stimmt im Hintergrund einer der jungen Männer in der Warteschlange einen
Song von Bobi Wine an. Er ist sichtlich betrunken. Zahlreiche junge Männer
grölen lauthals mit. In diesem armen Fischerort hat der junge
Oppositionsführer sehr viele Anhänger.
Der große Mann mit Maske und Sonnenbrille, der sich als Vertreter des
Sicherheitsapparates vorgestellt hat, versucht, die jungen Männer zu
beruhigen. Als der Betrunkene die nächste Strophe anstimmt, gibt der Mann
den Polizisten ein Zeichen. Sie packen den Sänger an den Armen und
schleifen ihn mit Gewalt nach draußen. Auf der Straße knüppeln sie ihn
nieder. Die Menschenmenge wird schlagartig ruhig.
Die Hitze steigt weiter. Bei bis zu 40 Grad in der prallen Sonne haben sich
alle Beobachter der Parteien unter die wenigen Sonnenschirme auf dem
Schulhof verzogen. Kaum noch jemand nähert sich den Wannen in der
gleißenden Hitze. Nur rund 50 Oppositionsanhänger warten noch draußen, um
am Abend der Stimmauszählung beizuwohnen.
Aber gegen Ende des Wahltages kommen wieder Soldaten anmarschiert. Auch sie
geben ihre Stimmen ab – und ihre Präsenz macht klar, wer am Abend das Sagen
haben wird.
15 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahlen-in-Uganda/!6144641
(DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Yoweri_Museveni
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Bobi_Wine
(DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Ggaba
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
## TAGS
(DIR) Uganda
(DIR) Kampala
(DIR) Yoweri Museveni
(DIR) Bobi Wine
(DIR) Uganda
(DIR) Wahl
(DIR) Uganda
(DIR) Kenia
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Ugandas Präsident wiedergewählt: Der Alte bleibt mit aller Gewalt im Amt
Mit dem besten Ergebnis seit 30 Jahren wird Ugandas Präsident Yoweri
Museveni im Amt bestätigt. Oppositionsführer Bobi Wine ist untergetaucht.
(DIR) Restriktionen vor der Präsidentenwahl: Internet in Uganda abgeschaltet
Kein Internet, Einschränkung sozialer Medien und Zwangsstopp für mehrere
NGOs: Vor der Parlaments- und Präsidentenwahl in Uganda spitzt sich die
Lage zu.
(DIR) Wahlen in Uganda: Der alte Präsident und sein junger Herausforderer
Ugandas Präsident Yoweri Museveni tritt nach fast 40 Jahren im Amt zur
Wiederwahl an. Menschenrechtsgruppen sprechen von repressivem
Wahlkampfklima.
(DIR) Zunehmende Repression in Ostafrika: „Es sind dunkle Zeiten, aber wir werden siegen“
Politische Freiräume in Kenia, Tansania und Uganda schwinden, mahnt
Menschenrechtsanwältin Martha Karua. Ugandas Wahlen am Donnerstag sind ein
Test.