# taz.de -- Rassismus im Frauenfußball: Zu große Spekulationsräume
> Die deutsche Fußballtorhüterin Rafaela Borggräfe erhält wegen
> diskriminierender Bemerkung eine Spielsperre in England. Wenige Details
> sind bekannt.
(IMG) Bild: Schweigt zu dem Vorfall: Rafaela Borggräfe bei einem Einsatz für den FC Liverpool
Die Strafe ist nun seit Freitag bekannt. Sechs Spiele muss Rafaela
Borggräfe, die deutsche Fußballtorhüterin in Diensten des FC Liverpool,
rückwirkend aussetzen. Das teilte ihr Klubtrainer Gareth Taylor auf einer
Pressekonferenz am Freitag mit. Wofür die deutsche Torhüterin in Diensten
des FC Liverpool genau bestraft wurde, bleibt hingegen im Dunkeln. Über
Details wird in diesem Fall nicht gesprochen.
Anfang September gab der englische Traditionsklub bekannt, man sei über
„die mutmaßliche Verwendung diskriminierender Sprache“ Borggräfes bei einem
Termin für das Teamfoto informiert worden und habe den Vorfall der FA, dem
nationalen Fußballverband, gemeldet. Dieser leitete eine Untersuchung ein
und kam nach vier Monaten zur genannten Entscheidung. Bei der angezeigten
diskriminierenden Bemerkung von Borggräfe sei es um die Hautfarbe gegangen,
hieß es Anfang September beim Guardian.
Der berichtete allerdings auch, Borggräfe habe damals die Vorwürfe
zurückgewiesen. Bis heute hat sie den Vorfall öffentlich nie kommentiert,
kein Bedauern dazu geäußert. [1][Die vom FA ausgesprochene Strafe hat sie
allerdings akzeptiert.] Neben der Spielsperre hat sich die 25-Jährige, die
mehr als zehn Jahre lang das Tor des SC Freiburg hütete, zu einer Teilnahme
an einem Bildungsprogramm der FA verpflichtet.
„Ich muss sagen, dass sich die Sache etwas hingezogen hat. Ich denke, das
war für alle Beteiligten frustrierend, insbesondere für Rafa“, erklärte
Taylor am Freitag. Sportjuristisch mag die Angelegenheit abgeschlossen
sein, die spärliche Informationslage lädt hingegen weiter zum Spekulieren
ein und macht es beispielsweise auch für den Deutschen Fußball-Bund nicht
einfacher.
## Was nun, DFB?
[2][Im Oktober lud Bundestrainer Christian Wück Borggräfe trotz laufender
Untersuchungen zum deutschen Nationalteam ein.] Er begründete dies damals
mit der geltenden Unschuldsvermutung. Was gilt nun nach der Sanktion durch
den FA? Wie soll sich der DFB verhalten, wenn öffentlich nichts Genaues
bekannt ist? Ignorieren kann er die Strafe der Nationalspielerin eigentlich
kaum.
Der Frauenfußball ist zu groß geworden, um Angelegenheiten dieser Tragweite
still in den eigenen vier Wänden zu regeln, selbst wenn die Absichten
dahinter die besten sein mögen. Begründet wurde die diskrete Vorgehensweise
mit dem Schutz der betroffenen Spielerinnen.
Gewiss dürfte aber auch der Schutz der Interessen des Vereins und des
Verbands eine Rolle spielen. [3][Mit Rassismusproblemen ist der
Frauenfußball höchst selten konfrontiert.] Zu viele Details könnten dem
eigenen Image schaden.
Der Zeitpunkt der Bekanntgabe der Sperre durch den Verein und nicht durch
die FA ist so gesehen ebenfalls bemerkenswert. Denn in Kraft trat diese
bereits am 6. Dezember. Weil Borggräfe jetzt schon fünf der sechs Spiele
abgesessen hat, ist sie schon am 25. Januar im Erstligaspiel gegen
Tottenham wieder spielberechtigt.
Ihr Comeback und ihr Verhalten werden trotz alledem mit größter
Aufmerksamkeit verfolgt werden. Argwohn wird sie vermutlich begleiten, weil
die Dimension des dunklen Schattens, der sie begleitet, eine Fantasiegröße
bleibt. Ein Neuanfang wäre wohl einfacher, wenn es eine offene Aufarbeitung
und Auseinandersetzung mit dem im Raum stehenden Fehlverhalten gegeben
hätte.
18 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.theguardian.com/football/2026/jan/16/liverpool-rafaela-borggrafe-given-six-game-ban-fa-finds-racist-remark
(DIR) [2] https://web.de/magazine/sport/fussball/international/nominierung-rafaela-borggraefe-wirft-fragen-41488348
(DIR) [3] /Nicole-Anyomi-ueber-Rassismus-im-Fussball/!5940239
## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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