# taz.de -- „Game of Thrones“-Schöpfer in Berlin: Diesmal nur liebenswerte Charaktere
       
       > Zur Promotion eines neuen „Game of Thrones“-Serienprequels trat Kultautor
       > George R. R. Martin persönlich in Berlin vor seinen Fans auf.
       
 (IMG) Bild: Schreibt gerne über Drachen, Könige und Ritter: der Autor George R. R. Martin, hier am 12. Januar in Berlin
       
       Das Foyer des Delphi Filmpalasts quillt über vor jungen Menschen. Die
       Berichterstatterin gehört zu den sehr wenigen Personen, die das
       Durchschnittsalter (um die 23) der Menge im Alleingang um etliche Jahre
       anheben. Ein paar Leute sind im Cosplay gekommen und posieren in Rüstungen,
       mittelalterlich inspirierten Kutten oder silberhaarigen Perücken. Aber um
       das Haus Targaryen geht es gar nicht eigentlich bei der heutigen
       Veranstaltung, einem Promo-Event des Senders HBO und der Buchhandelskette
       Thalia.
       
       Was die Gelegenheit sehr special macht, ist die Anwesenheit von George R.
       R. Martin (Fußnote: Autor von „A Song of Ice and Fire“ beziehungsweise
       „ASoIaF“, der literarischen Vorlage zur Serie „Game of Thrones“) himself.
       Gemeinsam mit dem Drehbuchautor Ira Parker soll er plaudern über „A Knight
       of the Seven Kingdoms“, eine ab dem 18. Januar bei HBO ausgestrahlte
       Miniserie. Sie basiert auf drei Kurzromanen, deren Handlung im
       ASoIaF-Kosmos spielt, aber etwa ein Jahrhundert davor. Die erste dieser
       Novellen erschien schon 1998.
       
       Das recht kurzweilige Podiumsgeplauder zwischen George, Ira und der
       Moderatorin dreht sich fast ausschließlich um die neue Serie und ihre
       Hauptfiguren Duncan und Egg, an denen interessant ist, dass sie – im
       Gegensatz zu den adligen HeldInnen in ASoIaF – aus dem städtischen
       Underdog-Milieu stammen. „A Knight of the Seven Kingdoms“ erzählt also eine
       Aufsteigergeschichte im (pseudo-)mittelalterlichen Umfeld.
       
       ## Weiter warten auf die Winterwinde
       
       Er hoffe, sagt George, dass die audience die Protagonisten in ihr Herz
       schließen werde, denn sie seien wirklich liebenswerte Charaktere – anders,
       setzt er fast entschuldigend hinzu, als in den ASoIaF-Romanen, in denen die
       Menschen nicht durchweg gut seien, sondern gute und böse Anteile hätten.
       Aber das seien ja auch fünf sehr umfangreiche novels, während es sich bei
       „A Knight of the Seven Kingdoms“ um schmale novellas handele.
       
       Den entscheidenden Satz aber lässt er nur in Klammern fallen, indem er nach
       „five novels“ beiläufig einfügt: „yeah, and I know it should be seven“.
       Damit hat er dem in spontaner Gemeinsamkeit auflachenden und
       applaudierenden Publikum endgültig die Hoffnung genommen, dass an diesem
       Abend mehr zu erfahren sein könnte über „The Winds of Winter“, den seit
       über einem Jahrzehnt angekündigten sechsten (und vorletzten) Band von
       ASoIaF, den er aus irgendeinem Grund nicht fertig zu schreiben in der Lage
       scheint.
       
       Doch immerhin wirkt der Autor (Jahrgang 1948) nicht so, als leide er
       bereits an irgendwelchen Altersgebrechen, die eventuell seine Kreativität
       beeinträchtigen könnten. Und die Hoffnung stirbt ja immer zuletzt.
       
       13 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Granzin
       
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