# taz.de -- Parteiübertritte in Großbritannien: Verrat im rechten Lager
> Mit Robert Jenrick ist der bisher ranghöchste Tory in die rechte Partei
> Reform UK von Nigel Farage übergetreten. Das kann ihr auch gefährlich
> werden.
(IMG) Bild: Der ehemalige britische Konservative Robert Jenrick (l) mit dem Vorsitzenden der Reform UK, Nigel Farage, London, 15. 1. 2026
Ein parteiinterner Streit stürzte die britischen Konservativen in eine
politische Krise. In einem Video in den sozialen Medien verkündete die
Parteichefin Kemi Badenoch, dass sie Robert Jenrick, in ihrem
Schattenkabinett für Justiz zuständig, aus der Partei geworfen habe. Sie
habe unwiderlegbare Beweise dafür, dass er zur rechten Partei Reform UK
übertreten wolle. Mit Jenrick sind bisher 16 ehemalige konservative
Unterhausabgeordnete zu Reform UK gewechselt.
[1][Als 2024 Badenoch zur Parteichefin der Konservativen Partei gekürt
wurde], war Jenrick ihr stärkster Kontrahent. Seit 2014
Unterhausabgeordneter des mittelenglischen Wahlkreises Newark und seit dem
Alter von 16 Konservativer, hatte der heute 44-Jährige während seiner
parlamentarischen Laufbahn zahlreiche politische Ämter inne.
Von sich reden machte er vor allem durch seinen Rücktritt als
Immigrationsminister der Regierung Sunaks, da er, anders als seine
Kollegen, aus der europäischen Menschenrechtskonvention austreten wollte.
Insider sagen, Jenrick habe sich nie davon erholt, 2024 gegen Badenoch
verloren zu haben. Er führte seine Kampagnen als rechtes Sprachrohr in den
sozialen Medien einfach weiter.
## Rechte Reform UK verliert an Zuspruch
Bei Meinungsumfragen liegen die britischen Konservativen seit den
Nationalwahlen 2024 meist an dritter Stelle, während die rechte Reform UK
an der Spitze steht. Eine YouGov-Umfrage vom 13. Januar zeigte jedoch, dass
die Reform UK an Zuspruch verliert und die Tories auf dem zweiten Platz nur
knapp vor Labour liegen.
So war es überraschend, dass gerade diese Woche mit dem Übertritt des
Konservativen Nadhim Zahawi zu Reform UK begann. Zahawi war einst
Generalsekretär unter Rishi Sunak und für kurze Zeit Finanzminister unter
Boris Johnson. 2023 verlor er seinen Generalsekretärsposten, als klar
wurde, dass er wegen Steuerhinterziehung von den Behörden befragt wurde.
Grund für seinen Übertritt war angeblich ein Nein von Parteichefin Badenoch
zu seiner Beförderung ins britische Oberhaus.
Am Donnerstag dauerte es schließlich nur wenige Stunden, bis Jenrick auf
einer gut besuchten Pressekonferenz neben Nigel Farage sitzend tatsächlich
seinen Übertritt zur Reform UK erklärte. Bei seiner Ansprache beleidigte er
ehemalige Kollegen mit Begriffen wie „verrottet“ und „unehrlich“. Sie
hätten sowohl Steuern als auch [2][Einwanderungszahlen auf ein Rekordhoch
steigen] lassen, so Jenrick. Ganz so, als wäre er nicht gerade selbst noch
Teil der einstigen Toryregierung gewesen.
Nun geht es um die Frage, welche Partei in Großbritannien konservative
Politik vertritt. Tory-Parteichefin Badenoch sagte kämpferisch, dass man in
ihrer Partei inzwischen kollegial an einem Strang ziehe. In diesem Sinne
sei Jenrick nun Farages Problem.
## Kein Altenheim für abgehalfterte Tories
Farage seinerseits warnte die Konservativen, dass man Übertritte dieser Art
nur noch bis zu den Kommunalwahlen und Parlamentswahlen in Schottland und
Wales am 7. Mai zulasse.
Offenbar hat er erkannt, dass der Vorwurf, seine Partei könne zum Altenheim
für abgehalfterte Tories werden, statt eine Partei der Erneuerung – wie es
der linke Daily Mirror formulierte – Reform UK gefährlich werden könnte.
Gleichzeitig betonte Farage, dass es wichtig für seine Partei sei,
regierungserfahrene Personen zu haben.
Schon häufiger wurde auch die Frage nach Farages Nachfolge aufgeworfen.
Jenrick, der oft dafür kritisiert wurde, Farage nachzuahmen, hätte sowohl
die Ambitionen als auch das Alter dazu.
16 Jan 2026
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