# taz.de -- Neue Gaskraftwerke: Bundesregierung einigt sich mit EU auf Kraftwerksstrategie
> Schwarz-rot will Strom aus Gaskraftwerken, geplant ist eine Kapazität von
> 12 Gigawatt. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert den Fokus aufs Fossile.
(IMG) Bild: Kohlekraftwerke sollen abgestellt werden. Aber das geht nur, wenn die Stromerzeugung aus Erneuerbaren abgesichert wird
Die Bundesregierung hat sich mit der EU-Kommission auf die Grundzüge ihrer
Kraftwerksstrategie zur Absicherung der Energiewende geeinigt. Das teilte
das von Katherina Reiche (CDU) geführte Bundeswirtschaftsministerium am
Donnerstagabend mit.
Die Einigung sieht Ausschreibungen für die Stromerzeugung mit einer
Kapazität von 12 Gigawatt vor, überwiegend für Gaskraftwerke. Die Deutsche
Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass der Fokus auf der fossilen
Stromerzeugung liegt und klimafreundliche Alternativen zu wenig Gewicht
haben.
Um den Kohleausstieg abzusichern und Energiesicherheit zu schaffen, müssen
neue Kapazitäten für die schnelle Verfügbarkeit von Strom geschaffen
werden. Künftig soll Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.
Damit auch in Zeiten mit Windstille und wenig Sonnenlicht Strom zur
Verfügung steht, müssen sogenannte grundlastfähige Kapazitäten vorhanden
sein, mit denen der Bedarf in Dunkelflauten schnell gedeckt werden kann.
Das ist unumstritten.
## Kohleausstieg sorgt für Zeitdruck
[1][Umstritten ist aber, wie viele Gaskraftwerke dafür erforderlich sind.]
Denn es gibt klimafreundliche Alternativen. Grundlastfähige Kapazitäten
können zum Beispiel durch die Nutzung von Stromspeichern entstehen.
Weil der Kohleausstieg im Rheinischen Revier bereits 2030 erfolgen soll,
besteht Zeitdruck. Die Ausschreibung der neuen Kraftwerke soll im Sommer
beginnen. Das Bundeswirtschaftsministerium geht davon aus, dass die
Kapazitäten frühestens 2031 zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass
wahrscheinlich Kohlekraftwerke länger am Netz oder in der Reserve bleiben
als bislang geplant.
Das hätte vermieden werden können. Der frühere grüne Wirtschaftsminister
Robert Habeck hatte sich bereits mit der EU auf eine Kraftwerksstrategie
geeinigt, die eine ähnliche Größenordnung vorsah wie die jetzige
Verständigung.
Weil die Kapazitäten nicht durchgängig, sondern nur punktuell gebraucht
werden, werden sie staatlich gefördert. Deshalb muss die EU ihre Zustimmung
zu den Plänen geben. Bundeswirtschaftsministerin Reiche hatte die
Verhandlungen mit der EU neu aufgerollt. [2][Sie hatte ursprünglich
Gaskraftwerke mit einer Kapazität von 20 Gigawatt gewollt]. Damit konnte
sie sich nicht durchsetzen.
## Grüner Wasserstoff nicht zwingend
Die EU ist noch immer nicht in allen Details zu einer Einigung gekommen,
offen ist zum Beispiel, wie groß neue Kraftwerke mindestens sein müssen. In
den Grundzügen steht die Verständigung aber, sodass die Vorbereitungen für
die Ausschreibungen beginnen können.
Von den 12 Gigawatt Kraftwerksleistungen sollen zwei technologieoffen sein,
also auch Alternativen zu Gaskraftwerken sein können. Das geht aus den
Ausschreibungskriterien hervor. Für 10 Gigawatt ist die Bedingung
vorgesehen, dass sie über einen längeren Zeitraum Strom erzeugen, was
Speicher ausschließt.
„Sämtliche Kraftwerke, die im Rahmen der Kraftwerksstrategie gebaut werden,
werden wasserstofffähig sein und spätestens bis zum Jahr 2045 vollständig
dekarbonisieren“, [3][teilte das Wirtschaftsministerium mit.] 2040 sollen 2
Gigawatt Kraftwerksleistung und 2043 2 weitere auf den Betrieb mit
Wasserstoff umgestellt werden.
Werden Gaskraftwerke mit sogenanntem grünen Wasserstoff betrieben, der aus
erneuerbaren Energien hergestellt wird, sind sie klimaneutral. Die
Kraftwerksstrategie sieht aber nicht vor, dass der Wasserstoff aus
erneuerbaren Quellen stammen muss. Er kann auch fossil hergestellt werden,
muss also nicht klimaneutral sein.
Die Deutsche Umwelthilfe hält es für falsch, dass der allergrößte Teil der
Ausschreibungen nicht technologieoffen erfolgt. „Das ist eine schlechte
Nachricht für Stromkunden und Klimaziele“, sagt Bundesgeschäftsführer
Sascha Müller-Kraenner. „Es drohen unnötige Kosten und CO₂-Emissionen.“
Er kritisiert, dass das Bundeswirtschaftsministerium keinen Fahrplan für
die Umrüstung von Gaskraftwerken auf den Betrieb mit grünem Wasserstoff
vorlegt. „Gewinner sind ganz klar die großen Energiekonzerne“, sagte
Müller-Kraenner. Sie könnten feiern, dass die Wirtschaftsministerin ihre
Wunschliste gewissenhaft abgearbeitet habe. „Stromkunden und Klima haben
das Nachsehen“, betonte er.
16 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gaskraftwerksplaene-der-Bundesregierung/!6136929
(DIR) [2] /Umstrittener-Ausbau/!6122082
(DIR) [3] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/01/20260115-grundsatzeinigung-mit-europaeischen-kommission-ueber-eckpunkte-der-kraftwerksstrategie.html
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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