# taz.de -- Korruptionsverdacht auf Zypern: Video überschattet Zyperns EU-Ratspräsidentschaft
       
       > Fragwürdige Kontakte, Gespräche über illegale Wahlkampfgelder, gar
       > schwarze Kassen? Staatspräsident Nikos Christodoulidis steht unter Druck.
       
 (IMG) Bild: In der Bredouille: Nikos Christodoulidis, Präsident des Rats der EU und Präsident von Zypern, Brüssel, am 26. 6. 2025
       
       Schon der in den ersten Sekunden eingeblendete Titel „Corruption in Cyprus“
       („Korruption auf Zypern“) samt Untertitel „Christodoulides' Crony
       Capitalism“ („Christodoulidis' Vetternwirtschaft“) des auf der
       Social-Media-Plattform X veröffentlichten Videos lässt keine Zweifel
       darüber zu, was den Zuschauer in den nächsten gut acht Minuten erwarten
       wird.
       
       Das am 8. Januar auf X erschienene und weiterhin abrufbare Video zeigt
       heimlich aufgenommene Gespräche zwischen angeblichen Investoren aus dem
       Ausland mit drei prominenten Personen aus dem Umfeld von Zyperns
       Staatspräsident Nikos Christodoulidis: Ex-Energieminister Georgios
       Lakkotrypis, Charalambos Charalambous, Büroleiter und Schwager von Zyperns
       Staatspräsident, sowie Georgios Chrysochoos, Chef der zypriotischen
       Baufirma Cyfield.
       
       Die Gespräche drehen sich um Sponsorengelder für den jüngsten Wahlkampf um
       die Präsidentschaft der Republik Zypern sowie Investitionsvorhaben im
       Energiesektor der Mittelmeerinsel. Der konservative Christodoulidis, 52,
       hatte im Februar 2023 [1][die Stichwahl um das Präsidentenamt klar gegen
       seinen linken Widersacher gewonnen].
       
       ## Brisantes Videomaterial
       
       Das publizierte Material birgt gehörige Brisanz. [2][Denn der Präsident
       Zyperns ist Staats- und Regierungschef] mit weitreichenden Kompetenzen, zum
       Beispiel der Berufung des Ministerrates. Er ernennt auch Richter und
       Beamte. Seit dem 1. Januar leitet Christodoulidis Zyperns
       EU-Ratspräsidentschaft.
       
       Im Video erklärt Ex-Energieminister Lakkotrypis seinem Gesprächspartner,
       dass die Finanzierungsobergrenze (für Wahlkämpfe in Zypern) bei einer
       Million Euro liege. Überschreite man jene Grenze, müsse man „mitunter auf
       Bargeld zurückgreifen“. Lakkotrypis weiter: „Wir sprechen mit dem
       Präsidenten und der First Lady. Sie erhält Finanzmittel für ihre Projekte.“
       Gemeint ist die Präsidentengattin Filippa Karseara Christodoulidis. Sie
       verwaltete seit 2023 den Fonds für unabhängige Sozialhilfe (AFKS).
       
       Ferner prahlt der Baulöwe Chrysochoos in dem Video mit seinen engen
       Beziehungen zu Staatschef Christodoulidis: „Rufe ich ihn jetzt an, wird er
       antworten.“ Die häufigen Treffen mit ihm seien nicht öffentlich, um nicht
       den Eindruck zu erwecken, dass „er ihm hilft“. Gleichwohl: „Ich muss jedes
       Jahr 250.000 Euro an Spenden zahlen. Jedes Mal, wenn die Regierung eine
       Wohltätigkeitsveranstaltung ausrichtet, bin ich dabei.“
       
       Christodoulidis' Schwager Charalambous ist zudem mit einer Person zu sehen,
       die im Namen einer Firma namens Stratix Wealth handele, die 150 Millionen
       Euro in den Energiesektor Zyperns investieren wolle. Charalambous bietet
       ihm an, sich bei auftretenden Problemen bei Anträgen einzuschalten, „damit
       die Sache vorrangig behandelt wird.“
       
       ## Erste Rücktritte nach Videoveröffentlichung
       
       Fest steht: Christodoulidis' Büroleiter Charalambous trat unterdessen von
       seinem Posten zurück. Ebenso nahm die Präsidentengattin und AFKS-Chefin
       Filippa Karseara Christodoulidis ihren Hut, kündigte zugleich aber
       rechtliche Schritte gegen „diffamierende Behauptungen“ an.
       
       Derweil ermitteln die zuständige Polizei und Staatsanwaltschaft in dem
       Fall. Für den Juristen Simos Angelidis stellen die in dem Video zu hörenden
       Aussagen einen begründeten Verdacht auf mögliche Straftaten wie
       Bestechlichkeit, Amtsmissbrauch und Verletzung des Wahlgesetzes dar, falls
       sich das Videomaterial ausdrücklich als echt herausstelle, wie er dem
       Staatssender RIK sagte.
       
       Regierungssprecher Konstantinos Letymbiotis wies die Vorwürfe zurück. Die
       zuständige staatliche Behörde habe in einer ersten Bewertung das Video „als
       böswillig und Produkt einer Montage“ bezeichnet. Staatschef Christodoulidis
       selbst gab sich kämpferisch. „Ich habe nichts zu befürchten“, sagte er. Die
       EU-Präsidentschaft sei eine „nationale Mission“ und „oberste Priorität“.
       
       16 Jan 2026
       
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