# taz.de -- Hotel in Beirut schließt: Zufluchtsort für Reporter im Krieg
> Es war viel mehr als eine Unterkunft: Während des libanesischen
> Bürgerkriegs lebten und arbeiteten ausländische Journalisten im Beiruter
> Commodore Hotel.
(IMG) Bild: Das Commodore in Beirut: Verschiedene Guerillaführer, Diplomaten, Spione und natürlich zahlreiche Journalisten tummelten sich in den Bars, Cafés und Gesellschaftsräumen
ap | Im [1][krisengeschüttelten Libanon] hat in den vergangenen Jahren eine
Reihe Hotels dichtgemacht, weil nur noch wenige Touristen kommen. Aber
diese Woche war eine ganz besondere Einrichtung an der Reihe – das
Commodore Hotel im westlichen Beiruter Stadtteil [2][Hamra].
[3][Ausländischen Journalisten] diente es im libanesischen Bürgerkrieg als
inoffizielle Nachrichtenredaktion, als ein sicherer Zufluchtsort, von dem
aus sie auch dann ihre Berichte weiterleiten konnten, wenn die
Kommunikationssysteme anderswo ausgefallen waren. Bewaffnete Wächter an der
Tür sorgten für ein gewisses Gefühl der Sicherheit, während
Scharfschützen-Gefechte und Granatfeuer die Stadt in Schutt und Asche
legten. Das Hotel hatte sogar ein eigenes äußerst beliebtes Maskottchen:
einen frechen Papageien an der Bar.
## Spannungen im Land halten an
Das neunstöckige Commodore mit mehr als 200 Zimmern bestand nach einem
Neubau noch Jahrzehnte nach dem Ende des 15-jährigen Bürgerkriegs im Jahr
1990 – bis es am Montag endgültig dichtmachte. Die Hotelbetreiber lehnten
es ab, über die Gründe für das Ende zu sprechen.
Die Lage im Libanon dürfte mit dazu beigetragen haben. Zwar erholt sich die
Wirtschaft langsam von einer langwierigen Finanzkrise, die 2019 begann.
Doch die Spannungen in der Region und die Nachwirkungen des Krieges
zwischen Israel und der Hisbollah, der im November 2024 durch einen
wackeligen Waffenstillstand beendet wurde, halten an. Lange tägliche
Stromausfälle zwingen Unternehmen dazu, auf teure private Generatoren
zurückzugreifen. Touristen ins Land zu locken, ist unter diesen
Voraussetzungen schwierig.
## Eine Verbindung zur Außenwelt
Journalisten, die im Commodore lebten und arbeiteten, trifft das Aus für
das Hotel besonders hart. Es „war ein Informationszentrum – verschiedene
Guerillaführer, Diplomaten, Spione und natürlich zahlreiche Journalisten
tummelten sich in den Bars, Cafés und Gesellschaftsräumen“, sagt Tim
Llewellyn, ein ehemaliger BBC-Korrespondent für den Nahen Osten, der über
den Bürgerkrieg berichtet hatte. „Einmal kam sogar (der verstorbene
Palästinenserführer) Jassir Arafat vorbei, um mit dem Vater des
Hotelmanagers einen Kaffee zu trinken.“
Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges, als die Telefonverbindungen vielerorts
zusammengebrochen und ein Großteil von Beirut von der Außenwelt
abgeschnitten waren, fanden Journalisten im Commodore Festnetzanschlüsse
und Telexgeräte, die immer funktionierten, um Berichte an ihre Zeitungen
und Rundfunksender auf der ganzen Welt zu schicken. Gegenüber der Rezeption
in der großen Hotellobby standen zwei Fernschreiber, die Berichte der
Nachrichtenagenturen AP und Reuters übermittelten.
## „Wie ein Gesellschaftsverein“
„Das Commodore hatte einen gewissen schäbigen Charme. Die Zimmer waren
einfach, die Matratzen klumpig und die Essensangebote nicht besonders
spektakulär“, sagt der ehemalige Nahost-Redakteur Robert H. Reid, der zu
den AP-Journalisten zählte, die über den Krieg berichteten. Und er hebt
insbesondere das angenehme Klima in der Bleibe hervor: „Das freundliche
Personal und die Kameradschaft unter den Journalisten-Gästen ließen das
Commodore eher wie einen Gesellschaftsverein erscheinen, in dem man sich
nach einem Tag in einer der gefährlichsten Städte der Welt entspannen
konnte“, sagt er.
## Der Papagei an der Bar
Eine der bekanntesten Figuren im Commodore war der Papagei Coco, der immer
in einem Käfig in der Nähe der Bar saß. Gäste erschraken oft, wenn sie
etwas hörten, das wie das Zischen einer herannahenden Granate klang – nur
um dann festzustellen, dass es Coco war, der dieses Geräusch machte.
Der Nahost-Chefkorrespondent der AP, Terry Anderson, war Stammgast im
Hotel, bevor er 1985 von schiitischen Extremisten in Beirut entführt wurde.
Er kam erst nach fast sieben Jahren frei und war damit eine der am längsten
festgehaltenen US-Geiseln in der Geschichte. Videos von Anderson, die
später von seinen Entführern veröffentlicht wurden, zeigten ihn in einem
weißen T-Shirt mit der Aufschrift „Hotel Commodore Libanon“.
Nach der Geiselnahme Andersons und der Entführung anderer westlicher
Journalisten verließen viele ausländische Medienvertreter den überwiegend
muslimischen Westen Beiruts, und das Hotel verlor seinen Status als
sicherer Hafen für ausländische Journalisten.
## Viele Erinnerungen
Zu den vielen Erinnerungen, die sich mit dem Hotel verknüpfen, zählt auch,
dass es finanzielle Unterstützung für Journalisten bot, denen das Geld
ausgegangen war. Sie konnten sich etwas von Hotelmanager Jussuf Nassal
leihen. Ihre Unternehmen zahlten es ihm dann zurück, indem sie Geld auf
sein Bankkonto in London überwiesen, erzählt Ahmad Schbaro, der bis 1988 im
Commodore angestellt war.
Schbaro denkt auch an einen schrecklichen Tag Ende der 1970er Jahre zurück,
als das Gebiet um das Hotel unter schweren Beschuss geriet und zwei Zimmer
im Commodore getroffen wurden. „Das Hotel war voll, und wir alle,
Mitarbeiter und Journalisten, verbrachten die Nacht im Le Casbah“, einen
berühmten Nachtclub im Untergeschoss des Gebäudes.
## „Eine Lebensader“
In ruhigeren Zeiten verbrachten die Journalisten die Nacht mit Partys am
Pool. „Es war eine Lebensader für die internationalen Medien in
West-Beirut, wo Journalisten ihre Berichte schrieben, aßen, tranken,
schliefen und sich vor Luftangriffen, Beschuss und anderen Gewalttaten
verbargen“, so die ehemalige AP-Korrespondentin Scheherezade Faramarzi.
Das 1943 entstandene Gebäude blieb bis 1987 als Hotel in Betrieb. Da wurde
es bei Kämpfen zwischen schiitischen und drusischen Milizen schwer
beschädigt und später abgerissen, um dann durch einen Neubau ersetzt zu
werden, der 1996 wieder offiziell für Gäste geöffnet wurde. Aber da gab es
keinen Coco mehr an der Bar. Der Papagei verschwand während der Kämpfe von
1987. Schbaro zufolge geht man davon aus, dass er von einem der
Milizenkämpfer, die das Hotel stürmten, mitgenommen wurde.
15 Jan 2026
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