# taz.de -- Gefährliche Trinkwasserförderung: Klage gegen jahrelange Verschleppung
       
       > Umweltverbände klagen gegen eine Verschleppung des Moorschutzes für die
       > Trinkwasserförderung. Und fordern Maßnahmen, um Wasser zu sparen.
       
 (IMG) Bild: Eins der Berliner Moore, das Naturschutzgebiet „Teufelsbruch und Nebenmoore“ im Spandauer Forst
       
       An deutlichen Worten mangelt es dem Umweltschützer nicht. Einen „Raubbau am
       Grundwasser“ würden die Berliner Wasserwerke betreiben, sagt Manfred Krauß,
       Gewässerexperte beim BUND Berlin, am Dienstag bei einem Gespräch mit
       Journalist:innen. Doch die Politik lasse den Wasserwerken seit Jahren
       freien Lauf. Der Umweltverband sähe deshalb keine andere Möglichkeit mehr,
       als die Politik vor Gericht zum Schutz des Grundwassers – und der Moore,
       die dieses feucht hält – zu zwingen.
       
       Krauß bezieht sich auf eine Untätigkeitsklage der Berliner
       Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN), die am Donnerstag vor dem
       Verwaltungsgericht verhandelt wird. Es ist eine Geschichte mit langem
       Vorlauf: Eingereicht hat der BLN die Klage bereits 2021, zuvor hatten sich
       die Umweltschützer:innen jahrelang mit der Senatsverwaltung
       auseinandergesetzt, um einen besseren Schutz der Berliner Moore in Spandau,
       am Müggelsee und im Grunewald durchzusetzen. Nun setze man auf das Gericht,
       statt auf Dialog, sagt Krauß: „Irgendwann platzt einem halt der Kragen.“
       
       Was der BLN moniert, ist eine andauernde Missachtung von Umweltstandards:
       Nur zwei der neun Berliner Wasserwerke würden überhaupt mit einer regulären
       Genehmigung betrieben. Die Anträge für die restlichen Werke würden teils
       seit 1996 nicht bearbeitet. Denn sonst, so vermuten die
       Umweltschützer:innen, müssten die Wasserwerke auf Umweltverträglichkeit und
       Einhaltung der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geprüft
       werden – und dabei könnte dann festgestellt werden, dass die
       Wasserförderung gegen den Naturschutz verstößt.
       
       Laut BUND sind in Berliner Mooren 1 Million Tonnen CO₂ gespeichert, die zu
       entweichen drohen, wenn die Moore [1][wegen sinkenden Grundwasserspiegels]
       austrocknen. Tatsächlich hat auch die Umweltverwaltung eine
       Managementplanung für die Berliner Moore erarbeitet, die diverse
       Schutzmaßnahmen vorsieht. Aber die Umsetzung steht laut BUND im Widerspruch
       zu dem Versorgungsauftrag für Trinkwasser – ein seit Jahrzehnten ungelöster
       Konflikt. Laut Manfred Schubert, dem ehemaligen Geschäftsführer des BLN,
       wird dieser nur durch die ausbleibenden Genehmigungsverfahren für die
       Wasserwerke vermieden.
       
       ## Wasserbrauch soll eingeschränkt werden
       
       Sollte die Klage Erfolg haben, müsste die Trinkwasserversorgung in Berlin
       deshalb wohl neu organisiert werden. Das BLN will unter anderem erreichen,
       dass das Land zu einer Festlegung von Mindestgrundwasserständen
       verpflichtet wird, deren Unterschreitung eine zwingende Reduzierung der
       Förderung zur Folge hätte. „Natürlich wollen wir nicht die
       Trinkwasserversorgung gefährden“, sagt Krauß. Doch die Politik habe sich
       seit Jahren entschieden, nicht zu handeln. Nun müssten Veränderungen folgen
       – wenn sie auch schrittweise umgesetzt werden.
       
       Die Konsequenz für die Umweltverbände: [2][Berlin muss Wasser sparen.] Hier
       sei auch die Politik gefragt. Konkret fordert der BUND im Sommer
       Verbrauchsbeschränkungen für das Rasensprengen und Füllen privater
       Schwimmbecken. Zudem solle die sogenannte Grauwassernutzung zunächst für
       Neubauten und sukzessive auch im Bestand vorgeschrieben werden. Dabei wird
       Wasser aus Duschen, Badewannen und Waschbecken innerhalb eines Hauses
       aufbereitet und etwa für Toilettenspülungen wiederverwertet. So ließe sich
       ein Einsparpotenzial von 30 Prozent realisieren, sind die Umweltverbände
       überzeugt.
       
       Petra Nelken, Sprecherin der Senatsverwaltung für Klimaschutzschutz, sagte
       der taz, man nehme sowohl den Schutz der Trinkwasserversorgung als auch den
       der Moore sehr ernst. In diesem Fall hätte man sich von den
       Naturschutzverbänden „mehr Dialog und konstruktive Mitarbeit“ gewünscht.
       Die Genehmigungsverfahren für die Wasserwerke seinen äußerst komplex. Wegen
       der besonderen Bedeutung der Wasserversorgung könne der Betrieb auch ohne
       Genehmigung nicht unterbunden werden. Das Land habe mit den Wasserwerken
       aber bereits Höchstgrenzen für die Förderung und Schutzmaßnahmen für Moore
       festgelegt.
       
       13 Jan 2026
       
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