# taz.de -- Investition in kritische Infrastruktur: Staatsmilliarden für Stromnetze
> Um die Energiewende abzusichern, steigt der Bund beim niederländischen
> Netzbetreiber Tennet ein. Das könnte mittelfristig die Strompreise
> senken.
(IMG) Bild: Hier könnte bald günstiger Strom fließen: Hochspannungs-masten des niederländischen Netzbetreibers Tennet
Im Sommer 2024 war der Einstieg des Bundes bei Tennet an der FDP
gescheitert: Ihr damaliger Chef, Finanzminister Christian Lindner,
[1][blockierte den Deal mit dem Tennet-Eigentümer], dem niederländischen
Staat, nach zwei Jahren Verhandlungen – um sich als Hüter der
Schuldenbremse zu gerieren. Schwarz-Rot will nun 7,6 Milliarden Euro
investieren, um 25,1 Prozent an Tennet Deutschland zu erwerben – und damit
eine Sperrminorität im Aufsichtsrat.
Die Beteiligung gewähre „starke Einflussrechte“, argumentiert das
Bundesfinanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) in einem Brief an den
Haushaltsausschuss des Bundestages, der der taz vorliegt. Mit der
Beteiligung wolle der Bund den Netzausbau unterstützen und „kritische
Infrastruktur“ schützen.
Die vier deutschen Netzbetreiber benötigen für den Ausbau der Leitungen bis
2045 dreistellige Milliardenbeträge, zum Beispiel für Leitungen, die
Windstrom zu den Industriezentren in West- und Süddeutschland
transportieren. Weil Stromnetze natürliche Monopole sind und weil Bau und
Erhaltung der Leitungen immens teuer sind, ist der Bund bereits über die
Staatsbank KfW mit 20 Prozent an 50Hertz beteiligt, TransnetBW gehört zum
Teil Baden-Württemberg. Auch Dänemark, Frankreich oder Italien halten
Anteile an ihren Netzbetreibern.
## Tennet will Kasse machen
Tennet ist mit seinem rund 14.000 Kilometer langen Hochspannungsnetz der
größte der vier Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland. 2010 zahlte
Tennet an den Energiekonzern Eon noch 1,1 Milliarden Euro für 10.700
Kilometer Leitungen. Inzwischen ist das Netz um 3.300 Kilometer gewachsen –
und etwa 20-mal so viel wert wie damals. Aber: Den Haag will nicht mehr ins
deutsche Stromnetz investieren, sondern lieber Kasse machen: Die
Niederlande hatten vor Kurzem einen weiteren Tennet-Anteil an Investoren
verkauft.
Stefan Körzell vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds lobte den
[2][Einstieg des Bundes]. „Wir Gewerkschaften fordern schon lange, dass der
Netzausbau stärker mit öffentlichem Kapital finanziert wird“, erklärte er.
Weil der Staat relativ günstig an Geld kommt, könne der [3][Schritt
Milliarden an Finanzierungskosten sparen] und die Netzentgelte – und damit
Strompreise für alle – mittelfristig senken.
13 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Stromnetz-wird-nicht-verstaatlicht/!6014875
(DIR) [2] https://www.dgb.de/presse/pressemitteilungen/agenturzitat/bund-steigt-bei-tennet-ein-ein-ueberfaelliger-schritt/
(DIR) [3] https://dezernatzukunft.org/warum-der-bund-bei-tennet-einsteigen-sollte/
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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