# taz.de -- Angriffe in Syrien: USA und Verbündete greifen Ziele des IS an
> Die Angriffe seien eine „direkte Reaktion“ auf „tödlichen IS-Angriff“ im
> Dezember. Währenddessen ziehen Kurden ihre Kämpfer aus Aleppo ab.
(IMG) Bild: Vorbereitungen der US-Luftwaffe für die Operation Hawkeye Strike in Syrien, 19. 12. 2025
Washington Aleppo afp | Gut einen Monat nach einem tödlichen Angriff auf
US-Soldaten in Syrien haben die USA und verbündete Streitkräfte am Samstag
in Syrien [1][erneut „groß angelegte“ Angriffe gegen die Dschihadistenmiliz
Islamischer Staat (IS) geflogen]. „Die heutigen Angriffe richteten sich
gegen den IS in ganz Syrien“ und seien Teil des Einsatzes „Hawkeye Strike“,
teilte das US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mit. Im Dezember
waren drei US-Bürger in der Stadt Palmyra, einer früheren IS-Hochburg,
getötet worden.
Der Hawkeye-Einsatz sei eine „direkte Reaktion“ auf den „tödlichen
IS-Angriff“ im Dezember, erklärte Centcom. Nähere Angaben zu dem Ort des
Einsatzes wurden zunächst nicht gemacht. Auf einem der Centcom-Erklärung
hinzugefügten undeutlichen Video war die Luftaufnahme mehrerer separater
Explosionen zu sehen, die sich offenbar in ländlichen Gegenden ereigneten.
Als Reaktion auf die Centcom-Erklärung schrieb US-Verteidigungsminister
Hegseth am Samstag bei X: „Wir werden niemals vergessen und niemals
nachgeben.“
Am 13. Dezember waren die beiden US-Soldaten und ihr Übersetzer, ein
Zivilist mit US-Staatsbürgerschaft, bei einem Angriff eines mutmaßlichen
IS-Mitglieds in der Oasenstadt Palmyra getötet worden. Daraufhin griff die
US-Armee im Dezember gemeinsam mit ihrem Verbündeten Jordanien dutzende
Ziele der Dschihadistenmiliz in Syrien an.
Nach Angaben der US-Regierung war der Angreifer ein Einzeltäter mit
Verbindungen zum IS. Der IS hatte die zentralsyrische Stadt, die in der
Nähe einer antiken Unesco-Ausgrabungsstätte mit griechisch-römischen Ruinen
liegt, Mitte der 2010er Jahre zeitweise besetzt.
## „Direkte Reaktion“ auf „tödlichen IS-Angriff“ im Dezember
Der Angriff auf die US-Soldaten in Palmyra war der erste Vorfall dieser Art
seit dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Baschar al-Assad
durch die islamistische HTS-Miliz und ihre Verbündeten im Dezember 2024. Es
war auch der erste Vorfall seit der Wiederaufnahme der diplomatischen
Beziehungen zwischen Syrien und den USA.
Die US-geführte internationale Anti-IS-Koalition, der Frankreich und
Großbritannien angehören, war 2014 gegründet worden, um das von den
Islamisten ausgerufene „Kalifat“ in Syrien und im Irak zu zerschlagen. Seit
2019 gelten die Dschihadisten als besiegt. Viele IS-Kämpfer zogen sich aber
in riesige Wüstengebiete in beiden Ländern zurück und gelten weiterhin als
Gefahr.
## Kurden ziehen Kämpfer aus Aleppo ab
Nach tagelangen Gefechten gegen Regierungstruppen in Aleppo haben sich die
kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) nach eigenen
Angaben bereit erklärt, ihre Kämpfer aus der Großstadt abzuziehen. [2][„Wir
haben eine Einigung erzielt, die zu einer Waffenruhe geführt hat“,
erklärten die SDF am Sonntag.] Die Vereinbarung stelle „die Evakuierung der
Märtyrer, Verwundeten, eingeschlossenen Zivilisten und Kämpfer aus den
Stadtvierteln Aschrafijeh und Scheich Maksud in den Norden und Osten
Syriens“ sicher.
Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass „Busse mit den
letzten Mitgliedern der SDF“ den Stadtteil Scheich Maksud in Aleppo
verlassen hätten und nun „in Richtung Nordosten Syriens fahren“.
Zuvor hatte die syrische Armee ihren Einsatz in der letzten kurdischen
Hochburg der Stadt für beendet erklärt. Laut Sana wurden kurdische Kämpfer
mit Bussen aus Scheich Maksud weggebracht. Kurdische Kämpfer dementierten
dies jedoch zunächst und bezeichneten die Armee-Angaben über ein Ende der
Kämpfe als „völlig falsch“.
[3][Die kurdischen Einheiten seien weiterhin dabei, „einen gewaltsamen
Angriff“ abzuwehren,] hieß es in einer Erklärung. In den Bussen befanden
sich demnach Zivilisten, die „gewaltsam“ an einen unbekannten Ort gebracht
wurden.
## Gegenseitige Schuldzuweisungen
Truppen der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus und kurdische
Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben
sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20
Menschen getötet wurden. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen
bis Samstag rund 155.000 Bewohner der betroffenen, überwiegend kurdischen
Viertel Scheich Maksud und Aschrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.
Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und
militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025
in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten
die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in
Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten
nicht umgesetzt.
Seit der Machtübernahme der Islamisten in Damaskus hat die Sorge um die
Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der
Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten Ahmed al-Scharaa an
der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden
nicht ausreichend zu schützen.
11 Jan 2026
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