# taz.de -- Vorwürfe gegen Ex-HSV-Sportvorstand: „Eindringliche Schilderungen“
       
       > Stefan Kuntz, bis Ende 2025 Manager des Hamburger SV, ist mit Vorwürfen
       > konfrontiert. Es geht um sexuelle Belästigung in mehreren Fällen.
       
 (IMG) Bild: Mit Vorwürfen konfrontiert: Stefan Kuntz
       
       Die Überraschung war groß, als zu Jahresbeginn der [1][Hamburger SV] die
       Nachricht verbreitete, Sportvorstand Stefan Kuntz habe aus persönlichen und
       familiären Gründen um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Nach langen
       tristen Jahren der Zweitklassigkeit schien vielen die Verbindung zwischen
       Kuntz und dem HSV ein Glücksfall zu sein. Gleich nach seinem [2][ersten
       Dienstjahr] gelang der Aufstieg. In den Medien war noch im Dezember 2025
       ausführlich über eine anstehende Vertragsverlängerung mit Kuntz spekuliert
       worden.
       
       Nun meldet die Bild-Zeitung, was die Hintergründe für die plötzliche
       Demission des Sportvorstands gewesen sein könnten. Kuntz wird wohl von
       mehreren Mitarbeiterinnen des Fußballbundesligisten [3][sexuelle
       Belästigung] vorgeworfen.
       
       In dem Bericht heißt es, der HSV lasse die Vorwürfe von einer Hamburger
       Anwaltskanzlei prüfen und habe den Frauen Vertraulichkeit zugesichert. Eine
       Vereinsangestellte habe sich Anfang Dezember an den Aufsichtsrat gewandt.
       Als der Klub mit der Prüfung begann, habe sich eine weitere Mitarbeiterin
       gemeldet, die ähnliche Vorfälle geschildert habe.
       
       Bild berichtet aus dem Umfeld des Vereins, die Aussagen beider Frauen
       gälten den Anwälten als glaubwürdig. „Vor allem die eindringlichen
       Schilderungen der zweiten Mitarbeiterin sollen bei der Bewertung
       entscheidend gewesen sein.“ In mindestens einem Fall soll eine Frau
       berichtet haben, sie habe sich durch Äußerungen des Fußballmanagers zum
       Oralverkehr gedrängt gefühlt. Mittlerweile sollen sich noch weitere
       weibliche Klubangestellte gemeldet haben.
       
       Offiziell hält sich Verein zurück, es gibt bislang diese Stellungnahme:
       „Wir möchten uns weiterhin auf die Aussage beschränken, dass Stefan Kuntz
       den Aufsichtsrat aus persönlichen familiären Gründen gebeten hat, zum
       31.12.2025 auszuscheiden.“
       
       ## Anzeige wegen Stalking
       
       Auch Stefan Kuntz selbst will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Es heißt,
       er habe bei der Staatsanwaltschaft Hamburg Anzeige gegen Unbekannt
       gestellt. Da gehe es um Stalking, denn er habe seit Juli 2025 anonyme
       Nachrichten zugeschickt bekommen, die ihn beunruhigten. Die Anzeige habe er
       Anfang Dezember gestellt, etwa zu dem Zeitpunkt, als sich die erste
       Vereinsmitarbeiterin gemeldet hatte.
       
       Kuntz hat verlauten lassen, er kenne die genauen Vorwürfe, die die Frauen
       erheben, nicht. Mit Verweis auf sein persönliches Umfeld heißt es, er habe
       bislang keine Gelegenheit zu einer Stellungnahme bekommen. Eine
       Aufforderung zu Oralverkehr habe es nicht gegeben. Von einer
       Verleumdungskampagne sei im Umfeld von Kuntz die Rede, berichtet die
       Bild-Zeitung. Durch den Aufhebungsvertrag und die so erfolgte Trennung
       spare der Verein Geld in siebenstelliger Höhe.
       
       Noch Anfang Januar hatte Bild von einem „schweren Krankheitsfall im engen
       Familien-Kreis“ berichtet, der Grund für die Demission gewesen sei. Von
       Kuntz war dieses Zitat verbreitet worden: „Manchmal gibt es wichtigere
       Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht
       sagen und bitte darum, dies zu respektieren.“ Im Anschluss hatte er dem HSV
       „für tolle anderthalb Jahre“ gedankt und „den Teams und der gesamten
       Geschäftsstelle weiterhin das Beste“ gewünscht.
       
       Auf eine aktuelle Anfrage der Bild antwortete Kuntz’ Anwalt, sein Mandant
       habe den HSV damals „aus persönlichen familiären Gründen um eine
       kurzfristige Vertragsbeendigung gebeten“. Die Hamburger Morgenpost
       präzisierte, aus dem Umfeld von Kuntz heiße es, dieser habe dies so
       gewollt, weil er familär bedingt öfter an seinem Wohnort im saarländischen
       Neunkirchen gebraucht werde.
       
       Nach Darstellung von Bild hat sich die Trennung allerdings anders
       zugetragen. Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt – 1:1 am 20.
       Dezember – habe ein Teil des HSV-Aufsichtsrats um den Vorsitzenden Michael
       Papenfuß Kuntz in seinem Büro aufgesucht und mit den Vorwürfen
       konfrontiert. Zunächst habe Kuntz erklärt, sich vor dem Aufsichtsrat äußern
       zu wollen, doch letztlich sei ein Treffen von Kuntz’ Anwalt abgesagt
       worden.
       
       ## Bislang ein Idol
       
       [4][Stefan Kuntz] erfreut sich nicht nur beim HSV großer Beliebtheit. Ein
       Idol ist er beim 1. FC Kaiserslautern spätestens, seitdem er mit dem Team
       in der Rolle des Kapitäns 1991 Deutscher Meister wurde und zu Deutschlands
       „Fußballer des Jahres“ gewählt wurde. Als Trainer erarbeitete er sich
       später bundesweite Anerkennung, nachdem er mit der U21-Nationalmannschaft
       2017 und 2021 zwei EM-Titel gewann. Lange Zeit war er als möglicher
       Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw im Gespräch.
       
       Am Samstagnachmittag waren beim HSV noch die 1:2-Niederlage beim SC
       Freiburg und insbesondere die zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen
       der große Aufreger. Die Erschütterungen rund um die Vorwürfe gegen Stefan
       Kuntz werden den Verein in den nächsten Tagen deutlich intensiver
       beschäftigen.
       
       11 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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