# taz.de -- Champions League ohne Frankfurt: Allenfalls eine Zweckgemeinschaft
       
       > Fast schon blamabel scheidet Eintracht Frankfurt beim Außenseiter Qarabag
       > Agdam aus der Champions League aus. Die Ursachen für den Einbruch liegen
       > tiefer.
       
 (IMG) Bild: Zieht Fluppe: Sportvorstand Markus Krösche
       
       Da stand er nun wie ein Häuflein Elend. Ziemlich blass und arg ramponiert
       im Gesicht. Rasmus Kristensen, der seinem unerschrockenen Naturell
       entsprechend ein kurzärmeliges Trikot bei der ungemütlichen Witterung in
       Baku gewählt hatte, wirkte wie das Symbol [1][des zerzausten Auftritts von
       Eintracht Frankfurt] beim Champions-League-Aus gegen Qarabag Agdam (2:3).
       
       Die Nase vernarbt und verschrammt, blutige Ränder unter den Augen, weil es
       ihn vergangenen [2][Freitag bei Werder Bremen] (3:3) im Gesicht böse
       erwischt hatte. Trotzdem hat sich der tapfere Däne [3][bei Eintracht
       Frankfurt] nicht wegducken wollen, doch bei dieser missglückten Dienstreise
       ans Kaspische Meer geriet der Musterprofi zum Sinnbild des Zerfalls, der
       die Hessen ins neue Jahr begleitet hat. Beim ersten und zweiten Gegentor
       hatte sich der 28-Jährige überlaufen lassen, als trage er neben der Maske
       auch noch Bleischuhe.
       
       „Unser Glaube ist größer als euer Budget“, hatten die Anhänger des gerne
       auch als „FC Barcelona vom Kaukasus“ titulierten Aushängeschilds aus
       Aserbaidschan auf einem großen Transparent geschrieben. So tapfer auch die
       trotz des Uefa-Ausschlusses mitgereisten 1.000 Eintracht-Fans sich Gehör
       verschafften: Der Außenseiter aus dem rohstoffreichen Land mit seinen
       berühmten Flammentürmen packte die letzte Chance beim Schopfe, während die
       Gäste insbesondere in letzter Instanz wieder einmal keinen Zugriff bekamen.
       
       Zu den 39 Gegentoren in der Bundesliga kommen nunmehr 19 in der Champions
       League. Was mit einem furiosen 5:1-Triumph gegen Galatasaray Istanbul als
       Tabellenführer des ersten Spieltags schön begann, endete bereits in der
       vorletzten Spielrunde der Liga-Phase fürwahr fürchterlich: 4 Zähler, Platz
       33 von 36 Teams. Das letzte Heimspiel gegen Tottenham Hotspur (Mittwoch 21
       Uhr) wird zur traurigen Abschiedsvorstellung im Waldstadion. Von den
       bewunderten Attributen des Europa-League-Siegs 2022 hat diese
       SGE-Zweckgemeinschaft nichts mehr.
       
       ## Laufkundschaft
       
       Eintracht ist international nur noch Laufkundschaft. Und das muss alle in
       Alarmbereitschaft versetzen. Die Sieger drehten fast noch ihre Ehrenrunde
       zum Gala-Klassiker „Freed vom Desire“, als Sportvorstand Markus Krösche
       sichtlich ernüchtert in die Mixed Zone kam. „Wir machen die gleichen
       Fehler, wie wir sie in den letzten Wochen auch gemacht haben. Wir haben ein
       paar Dinge besser gemacht, sind aber in die gleichen Muster verfallen“,
       sagte der 45-Jährige mit leiser Stimme. „Den Jungs fehlt es an
       Selbstvertrauen und an Sicherheit. Wir müssen ein tiefes Tal
       durchschreiten.“
       
       Der letzte Gegentreffer durch Bahlul Mustafazada (90.+4) fühlte sich wie
       ein Schlag in die Magengrube an. Auch dem für die Kaderzusammenstellung
       verantwortlichen Manager dämmerte an diesem düsteren Abend, dass die
       Ursachen tiefer liegen. Dass die Malaise 2026 mit nunmehr konstant drei
       Gegentoren in jedem der vier Pflichtspiele nicht allein dem entlassenen
       Dino Toppmöller und seinem Trainerteam anzulasten war.
       
       Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dann hat sie dieser unrunde, ja
       teilweise uninspirierte Auftritt im nach dem ominösen Linienrichter Tofiq
       Bahramov benannten Stadion erbracht. So zielsicher der Mann beim ominösen
       Wembley-Tor im WM-Finale 1966 zur Mitte zeigte, so erpicht wirkte der
       Gastgeber 60 Jahre später darauf, die deutschen Gäste in die Knie zu
       zwingen. Den Adlerträgern hingegen ging auf dem zwar nicht wie beim
       Europa-League-Play-off-Spiel 2013 grün gefärbten, aber erneut schwer zu
       bespielbaren Rasen die letzte Gier, vor allem aber Überzeugung ab. Die von
       Vorstandschef Axel Hellmann zum Jahreswechsel angeprangerte Haltung von „zu
       viel Wohlfühloase“ ist zutreffend. Viele Profis gehen nicht mehr über die
       Grenzen. Auch nicht im Europapokal. Und das ist das Gefährliche an der
       Frankfurter Gemengelage.
       
       ## Besserung? Welche Besserung?
       
       Fast putzig, dass der ständig am Spielfeldrand herumfuchtelnde
       Interimscoach Dennis Schmitt angeblich Besserung gesehen hatte. Der
       Einpeitscher an der Linie lobte eine „deutliche bessere Zweikampfquote und
       mehr Intensität“, doch auch der 32-Jährige müsste gesehen haben: Besserung
       in Spurenelementen reicht auf diesem Niveau nicht. Er und Klubikone Alex
       Meier verantworten noch das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (Samstag
       15.30 Uhr), dafür brauche man „Analyse und Training“ – und Zeit, die das
       Interimsgespann nicht hat. Und so sind die fehlerhaften Verhaltensmuster
       mit Zureden kaum zu brechen.
       
       Der neue Trainer, der aller Voraussicht Marco Rose heißen wird, findet ein
       tief verunsichertes Ensemble vor. Es passt im Klub auf vielen Ebenen gerade
       nicht. Dass bei der Einreise am Flughafen Ersatztorwart Michael Zetterer
       und Linksverteidiger Nathaniel Brown wegen Formfehler vom Teammanagement
       beim elektronischen Visaantrag ebenso wie schusselige Fans und Medienleute
       fast drei Stunden warten mussten, wirkte bei dieser Dienstreise
       bezeichnend. „Wir sollten die Fehler zeitnah abstellen“, flehte Krösche.
       „Jeder einzelne ist gefragt. Wir müssen uns voll auf die Bundesliga
       konzentrieren.“ Mehr bleibt nicht mehr.
       
       22 Jan 2026
       
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