# taz.de -- Sexismus im Profifußball: Eine von Männern dominierte Branche
> Auf das sexistische Umfeld des Männerfußballs weist auch die Causa Kuntz
> beim Hamburger SV hin. Der Machismus ist allgegenwärtig.
(IMG) Bild: Äußerst beliebt: Stefan Kuntz zu seinen Zeiten als HSV-Sportvorstand
Zuhören, ernst nehmen, Expertenhilfe von außen hinzuziehen, auf Grundlage
von deren Einschätzung Konsequenzen einleiten: Der Fußball-Bundesligist
Hamburger SV [1][hat im Fall der Vorwürfe,] die Vereinsmitarbeiterinnen
gegen den einstigen HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz erhoben hatten,
vorbildlich gehandelt. Auch weil er Rücksicht auf die Bedürfnisse der
Betroffenen genommen hat, die nicht in die Öffentlichkeit gezerrt werden
wollten. So trennten sich der Verein und Kuntz zu Jahresbeginn möglichst
geräuschlos voneinander, und Letzterer erklärte in diesem Sinne, die
Entscheidung sei aus privaten Gründen erfolgt.
Als die Recherche der Bild gut eine Woche später etwas anderes zeigte, von
Vorwürfen sexueller Belästigung durch Kuntz gesprochen wurde und jener all
das als reine Erfindung zurückwies, in seinem Umfeld gar von einer
Schmutzkampagne gesprochen wurde, reagierte der HSV wiederum
beispielgebend. Irreführend nannte der Klub die Behauptungen aus den
Kreisen um Kuntz. Bestätigt wurde, dass Stefan Kuntz von Mitarbeiterinnen
schwerwiegendes Fehlverhalten vorgeworfen wurde und der Verein nach Prüfung
durch externe Anwälte dies für „glaubhaft“ halte.
Alles Weitere wird von Gerichten aufgearbeitet. Es gilt wie immer die
Unschuldsvermutung, solange nichts Gegenteiliges bewiesen ist. Schaut man
sich die zahlreichen Kommentare auf dem Instagram-Account von Stefan Kuntz
an, gilt bei nicht wenigen Fußballfans aber vielmehr die
Unschuldsgewissheit, obwohl mittlerweile die Recherchen anderer Medien die
Anschuldigungen unterfüttern. Das könne eigentlich nicht wahr sein, heißt
es häufig, so sympathisch, wie der einstige Stürmer vom 1. FC
Kaiserslautern nun mal sei.
Die Popularität von Frauen im deutschen Männerprofifußball fällt
vergleichsweise gering aus. In führenden Positionen sind sie ohnehin eine
seltene Spezies und immer noch weitgehend unerwünscht. Die Causa Kuntz
weist weit über den Einzelfall hinaus und beleuchtet ein Umfeld, in dem
solche Taten erst möglich werden.
## Rückständige Atmosphäre
Die ganze Branche, auch der Fußballjournalismus, [2][wird von Männern
dominiert.] In nicht wenigen Vereinsbüros können Herrenwitze noch ungeniert
erzählt werden. Ein anderer, bundesweit eher unbeachteter Vorfall dieser
Tage beschreibt die toxische, rückständige Atmosphäre im deutschen Fußball
gut. Uwe Maisch, der Vizepräsident des Karlsruher SC, berichtete vom
Trainingslager in Spanien in einem Selfievideo wie folgt: „Schöne Frauen
gibt es hier auch, speziell im Hotel. Alle sehr nett, vor allem zu mir. […]
Aber wenn man so freundlich entgegenkommt, werden dann schon die einen oder
anderen Türen geöffnet. Ihr wisst schon;) “
Zum Liedgut der Fans des SC Freiburg, denen nicht gerade ein rückständiger
Ruf anhaftet, gehören die Zeilen: „Wir brauchen keine Arbeit, keine Frau,
kein Geld, denn für uns bist du das Größte auf der Welt!“
Dass die Schiedsrichterin Fabienne Michel bei einem Männer-Drittligagspiel
in Essen von den Fans als „Hure“ beschimpft und mit sexistischen Gesängen
bedacht wurde, ist auch erst neun Monate her.
[3][Wie Karl-Heinz Rummenigge dem spanischen Verbandspräsidenten Luis
Rubiales zur Seite sprang,] nachdem dieser Jennifer Hermoso einen Kuss
aufgezwungen hatte, ist ebenfalls noch in frischer Erinnerung.
Sexismus im deutschen Fußball ist allgegenwärtig. Ein Problem, das nicht
nur vom Hamburger SV und zu besonderen Anlässen ernst genommen werden
sollte.
16 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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