# taz.de -- Suche nach Glück: Okay, ok, Ok, o.k., O.K.
       
       > In Dokus und Ratgebern wird das Streben nach einem glücklichen Leben
       > propagiert. Dabei ist es doch völlig okay, einfach bloß okay zu sein.
       
 (IMG) Bild: Sie tut was sie soll – und das ist doch ok, oder?
       
       Die Suche nach Glück ist allgegenwärtig. So gibt der Glücksforscher Arthur
       C. Brooks in einer Online-Kolumne Tipps für ein glücklicheres Leben. Die
       Autorin Ronja von Rönne beschäftigt sich in der Arte-Sendung „Unhappy“ mit
       unterschiedlichen Aspekten des [1][Glücklichseins]. Und heute Morgen
       erfahre ich, kaum habe ich das Radio eingeschaltet, wie ich mir eine „Pause
       vom Pflichtgefühl“ nehmen kann und auf die „Spur der Freude“ komme.
       
       Puh! Ehrlich gesagt verursacht die allgegenwärtige Suche nach dem Glück
       genau das bei mir: Pflichtgefühl. Denn vielleicht möchte ich ja gar nicht
       das Glück finden: Ich finde und fühle mich okay.
       
       Das Wort „okay“, oder auch ok, Ok, o.k., O.K. kommt aus dem Amerikanischen
       und wird im deutschen Sprachgebrauch mit „in Ordnung“ oder „einverstanden“
       übersetzt. Zugegeben: Es ist vielleicht nicht das aufregendste aller
       Gefühle. Aber ich finde, dass das Mittelmaß zu Unrecht einen schlechten Ruf
       hat. Es mutet zwar etwas langweilig an, dafür vermittelt es Beständigkeit
       und Zuverlässigkeit.
       
       Ein gutes Bild dafür ist mein Besuch im Supermarkt. Dort bin ich
       körpergrößenbedingt nämlich näher an den unteren Regalfächern als an den
       oberen mit den Luxusprodukten. Meine Augen erreichen trotzdem die
       sogenannte „goldene Zone“, in der Supermarktbetreibende solide
       Markenprodukte platziert haben. Doch manchmal sind angebotshalber auch die
       De-luxe-Produkte runtergerutscht und damit greifbar. Überkommt mich da etwa
       ein Glücksgefühl?
       
       Na sicher, denn ich habe schließlich gar nichts gegen das Glück. Als
       jemand, der nimmermüde auch unfreiwillig unglückliche Gedanken hegt,
       verstehe ich das Okaysein aber als dankbares Gut. Um im Bild des
       Supermarktregals zu bleiben: Ich befinde mich in der unteren Mitte, aber
       manchmal geschieht etwas Exquisites. Hätte ich das Glück ständig um mich
       herum, wüsste ich es vermutlich nicht richtig zu schätzen und würde schnell
       mehr erwarten.
       
       [2][Das Glück] wird im Kapitalismus aber nicht nur mit freudigem
       Wohlergehen, sondern auch mit [3][Fortschritt], Erfolg und Anerkennung
       synonymisiert. Nach diesem Maßstab habe ich es von unten (hier können
       klassistisch-rassistische Erfahrungen eingefügt werden) nach oben (ein
       Hochschulabschluss) geschafft. Aber dann habe ich aufgehört, mehr erreichen
       zu wollen. Kein Master, kein Volontariat, keine Auslandsaufenthalte.
       
       Ich mache noch immer die Arbeit, die ich in meiner Studienzeit angefangen
       habe. Und ein paar andere Dinge auch. Ich mag meine Arbeit, sie ist okay.
       Manchmal ist sie nur mein Broterwerb, manchmal auch die bretonische Butter
       oben drauf. Aber vor allem erlaubt sie mir den großen Luxus, nicht in
       Vollzeit arbeiten zu müssen. Mehr möchte und brauche ich nicht.
       
       Ist es okay, sich damit zufriedenzugeben? Ich frage eine Suchmaschine. Sie
       empfiehlt mir, mich auf die Recherche nach der Ursache für meine
       Genügsamkeit zu begeben. Laut dem Suchergebnis gelten meine Symptome als
       antriebslos. Okay, vielleicht ist „okay“ doch nicht so okay.
       
       Ein anderes Ergebnis zitiert hingegen die beliebte Podcast-Psychologin
       Stefanie Stahl, nach deren Ansicht „okay“ etwas Positives ist, es bedeute
       Selbstakzeptanz. Und genauso sehe ich das auch. Für mich bedeutet es
       Zufriedenheit. Ich möchte nicht (mehr) ständig an meinen Gefühlen und in
       meinem Leben herumreparieren.
       
       Nach einem langen Tag, an dem ich mit Freund*innen an Fahrrädern
       geschraubt habe, holen wir uns der Einfachheit halber eine Pizza von
       nebenan. Während sie einigen nicht schmeckt, sagt eine Bekannte trocken:
       „Sie tut, was sie soll.“ Und das ist doch total okay, oder?
       
       29 Jan 2026
       
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