# taz.de -- Jüdischlehrer über Schulkonzept: „An unserer Schule gibt es Essen, das koscher ist“
> Die Osnabrücker Drei-Religionen-Schule bietet neben christlichem auch
> jüdischen und muslimischen Reli-Unterricht an. Sie will damit Toleranz
> fördern.
(IMG) Bild: Wie aber hältst du es mit Reli? Kringel drum ist schon mal gut
taz: Herr Dobrovych, nach dem Angriff der Hamas auf Israel kam es zu
Konflikten auf deutschen Schulhöfen. Gab es auch Konflikte [1][an der
Osnabrücker Drei-Religionen-Schule], an der Sie unterrichten?
Vyacheslav Dobrovych: Nein, wir hatten keine Konflikte im Zusammenhang mit
dem Nahostkonflikt. Es ist so: Eltern, die ihre Kinder auf eine
Drei-Religionen-Schule schicken, denen ist von Anfang an klar, wo ihre
Kinder unterrichtet werden. Das sind Menschen, die daran interessiert sind,
dass ihre Kinder in einem pluralistischen Umfeld aufwachsen. Außerdem sind
Kinder im Grundschulalter meist ohnehin nur ein Sprachrohr der Eltern.
taz: Was heißt das?
Dobrovych: Sollte es zu Vorfällen seitens der Kinder kommen, [2][wäre das
meiner Meinung nach immer auf das Elternhaus zurückzuführen]. Ich denke
aber, dass die Eltern, die ihre Kinder auf eine Drei-Religionen-Schule
schicken, eben grundsätzlich offener gegenüber anderen Religionen sind,
sonst hätten sie sich nicht für so eine Schule entschieden.
taz: Nach dem 7. Oktober gab es Diskussionen darüber, ob und wie der
Nahostkonflikt an Schulen besprochen werden soll. Wie sind Sie an Ihrer
Schule damit umgegangen?
Dobrovych: Wir hatten einmal ein Gespräch unter den Lehrkräften: Wir alle
waren uns einig, dass wir nicht wollen, dass Konflikte aus dem Nahen Osten
Auswirkungen auf unseren Schulalltag in Osnabrück haben.
taz: Im Unterricht haben Sie das Thema aber nicht besprochen?
Dobrovych: Wie das in anderen Unterrichtsstunden war, weiß ich nicht, aber
ich selber habe das Thema nicht im Unterricht besprochen. Ich unterrichte
Grundschüler. Meiner Meinung nach werden die Kinder noch früh genug von dem
Leid der Welt erfahren. Ich konzentriere mich lieber darauf, Inhalte zu
lehren, zu basteln und den Kindern die Feiertage und die Buchstaben
beizubringen.
taz: Was können andere Schulen von der Drei-Religionen-Schule lernen?
Dobrovych: Sensibel mit den Gegebenheiten anderer Religionen umzugehen. Zum
Beispiel gibt es an unserer Schule Essen, das koscher ist. In den Kantinen
anderer Schulen gibt es vielleicht Gerichte, die Kinder bestimmter
Religionen nicht essen dürfen. Ich glaube, [3][dass an anderen Schulen zum
Teil nicht immer für alle mitgedacht wird].
taz: Die Drei-Religionen-Schule möchte den Kindern Akzeptanz gegenüber
religionsfremden Mitschüler*innen beibringen. Durch den getrennten
islamischen, jüdischen und christlichen Religionsunterricht sollen
allerdings auch die religiösen Identitäten der Kinder gestärkt werden. Wie
passt das zusammen?
Dobrovych: Ich glaube das passt sehr gut zusammen, denn indem man sich in
der eigenen religiösen Identität sicher ist, geht man im Idealfall auch mit
anderen Religionen respektvoller um. Gerade weil einem der eigene Glaube
heilig ist, ist man, davon ausgehend, bereitwilliger zu verstehen und zu
respektieren, dass andere Menschen ebenfalls so etwas in ihrem Leben haben
– in Form einer anderen Religion.
taz: Was halten Sie [4][von einem interreligiösen Unterrichtsmodell]?
Dobrovych: Aus der jüdischen Perspektive würde ich das nicht begrüßen. Hier
in Deutschland kommen viele Juden aus Kontexten, in denen ihnen ihre
Religion entrissen wurde, wie zum Beispiel in der Sowjetunion. Es ist mein
Ziel, Familien, denen ihre Identität entrissen wurde, zu ermöglichen, dass
ihre Kinder die eigene Religion auf authentische Art und Weise, in ihrer
vollen Schönheit und aus erster Hand kennenlernen können. Das geht bei
interreligiösem Unterricht nicht, vor allem nicht, wenn die Lehrkraft das
Judentum nicht von innen, sondern nur aus Büchern kennt.
14 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /GLAUBEN/!5091441
(DIR) [2] /Gescheiterte-Kooperation/!5124483
(DIR) [3] /Neues-Bildungsmodell/!5129449
(DIR) [4] /Debatten-um-Religionsunterricht/!6104898
## AUTOREN
(DIR) Mara Schaaf
## TAGS
(DIR) Religionsunterricht
(DIR) Bistum Osnabrück
(DIR) Osnabrück
(DIR) Judentum
(DIR) Islam
(DIR) Katholische Kirche
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kommentar Multireligiöse Schule Osnabrück: Katholiken noch nicht reif
Bei der Drei-Religionen Schule in Osnabrück zeigt die Katholische Kirche
als Träger, wo der Hammer hängt. Ihr geht es weniger um das Erlernen von
Toleranz als um den kleinsten gemeinsamen Nenner.
(DIR) Gescheiterte Kooperation: Protestanten bleiben draußen
Der evangelische Kirchenkreis kehrt der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück
den Rücken. Die Religionen würden zu sehr getrennt, es fehle ein Leitbild.
Katholiken, Muslime und Juden bedauern.
(DIR) Neues Bildungsmodell: An der Wand Kreuz und Menora
In der Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück sollen bald christliche,
jüdische und muslimische Kinder zusammen lernen. Das ist neu - und erntet
auch Kritik.